Weimerer Verhältnisse im Bundestag: Und dann holt den CDU-Abgeordneten seine Geschichte um eine NSDAP-Nadel ein …
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Die Union hält AfD-Politikern gerne ihre Sünden vor. Der Bundestagsabgeordnete Matthias Helferich dreht nun den Spieß im Bundestag um – und thematisiert eine Nazi-Geschichte des CDU-Abgeordneten Lukas Krieger. Ausgerechnet der linke Bundestags-Vize Bodo Ramelow erklärt all das zu „Jugendsünden“.
Manche Debatten nehmen eine unerwartete Wendung ...
Als Pascal Reddig, Unions-Abgeordneter und Mitglied der Jungen Gruppe, – wie zig andere Unionler vor ihm – dem AfD-Politiker Matthias Helferich im Bundestag vorwirft, er habe sich in einer Chatgruppe einmal „das freundliche Gesicht des NS“ genannt, kontert Helferich scharf.

Pascal Reddig (CDU) hält Matthias Helferich (AfD) vor, sich als „freundliches Gesicht des NS“ bezeichnet zu haben. Der hatte andernorts erklärt, dies wäre eine Fremdzuschreibung gewesen.
„Herr Reddig“, beginnt Helferich, „dass Sie immer wieder diese vermeintliche Aussage von mir thematisieren, ich hätte mich als freundliches Gesicht des Nationalsozialismus bezeichnet, ist wirklich langweilig.“ Er würde gerne eine ähnliche Geschichte über einen Unions-Abgeordneten erzählen.

Matthias Helferich (AfD) hebt zum Konter an.
„Ich kenne Herrn Krieger noch aus der Schülerunion. Und wenn Sie immer den moralischen Zeigefinger schwenken, dann sollten Sie sich mal mit der Geschichte Ihres Fraktionskollegen beschäftigen, der zurücktreten musste, weil er in einem Video 2005 dem jüdischen Bolschewismus den Kampf ansagte, eine NSDAP-Nadel trug und sich damit filmen ließ und sagte, wir wollen Ausländer nicht abschieben, wir wollen sie katalogisieren.“
Sehen Sie hier den gesamten Schlagabtausch:
Eigentliches Thema der Debatte war Wolfram Weimer
Das eigentliche Thema der Debatte – ein AfD-Antrag, der die Entlassung von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer wegen dessen geschäftlicher Eskapaden fordert – gerät schnurstracks in Vergessenheit. Reddig kontert: „Herr Kollege Helferich, ich will vielleicht an der Stelle einfach den Herrn Kollegen Volkmann zitieren, der in einer der letzten Debatten in Ihre Richtung gesagt hat, Sie sagen selbst über sich, Sie sind das freundliche Gesicht des Nationalsozialismus. An ‚freundlich‘ müssen Sie jedenfalls noch arbeiten.“ Feixen in den Reihen der Union.

Pascal Reddig (CDU) holt noch einmal aus.
Auch der Betroffene, Lukas Krieger, meldet sich zu Wort: „Herr Helferich hat zwei Dinge angesprochen“, konstatiert der gelernte Jurist, „zum einen ein Video aus dem Jahr 2005, was er nicht komplett korrekt dargestellt hat, aber in dem in der Tat Dinge passiert sind, die ich tief bereue und die ich als den schwersten Fehler meines Lebens bezeichnet habe. Im Unterschied zu Herrn Helferich habe ich mich von diesem Fehltritt klar distanziert und bin Demokrat.“

Lukas Krieger (CDU) meldet sich zu Wort.
„Das ist das Erste“, so Krieger, „das Zweite ist: nach diesem Video haben Herr Helferich und ich uns kennengelernt in der Schülerunion. Ich war damals Bundesvorsitzender der Schülerunion. Er war Landesvorsitzender der Schülerunion Nordrhein-Westfalen, und weil er damals schon versucht hat, rechtsradikale Umtriebe in die Schülerunion zu tragen, habe ich ihn als Bundesvorsitzender der Schülerunion aus der Schülerunion rausgeworfen.“ Klatschen und Jubel in der Union.
Bodo Ramelow will von solchen „Jugendsünden“ nichts hören
Nun wird es dem Bundestagsvizepräsidenten Bodo Ramelow (Linke), der die Debatte leitet, zu viel: „Kolleginnen und Kollegen, wir haben einen Antrag, den die AfD gestellt hat. Über den Antrag sind wir inhaltlich am Diskutieren. Jetzt fangen wir an, persönlich uns gegenseitig vorzuhalten, wer wann welche Jugendsünde oder Ähnliches gemacht hat.“

Bundestagsvizepräsident Bodo Ramelow (Linke) hat keine Zeit, um über die „Jugendsünden“ von Konservativen zu diskutieren.
Während sich die jungen Konservativen und Rechten im Saal über ihre tatsächlichen oder vermeintlichen Entgleisungen die Köpfe einschlagen, erklärt sie ausgerechnet ein Linken-Politiker und Bundestags-Vize zu „Jugendsünden“.
Dennoch solle Helferich noch einmal die Chance erhalten, auf Krieger zu antworten. Der hält der Union nochmals Kriegers Aussagen vor und dass diese – im Gegensatz zu seinen eigenen – in den Reihen der Union „überhaupt kein Problem“ zu sein scheinen. „Sie haben nicht einmal ein Parteiausschlussverfahren gegen ihn eingeleitet!“, ruft Helferich. „Herr Abgeordneter!“, ruft dann Ramelow. Dann unterbricht er ihn endgültig.

Ein letztes Mal entgegnet Helferich – „Manche sind halt gleicher!“ – dann ruft Ramelow ihn zur Ruhe.
Bleibt festzuhalten: Ein 69-jähriger linker Bundestagsvizepräsident hat eben nicht ewig Zeit, um dabei zuzuhören, wie Konservative sich im Bundestag ihre Jugendsünden vorhalten. Den Antrag der AfD zur Entlassung Wolfram Weimers wegen dessen Vermischung von politischen und geschäftlichen Interessen lehnen am Ende alle Parteien außer der AfD ab.
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