Containerdorf für Flüchtlinge in Upahl wächst – Unmut weiter groß
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Anfang diesen Jahres sorgten tumultartige Szenen in Upahl vor dem Landratsamt im nahen Grevesmühlen bundesweit für Schlagzeilen. Doch nichts konnte das Vorhaben stoppen: weder der Widerstand des Großteils der etwa 500 Einwohner noch Beschlüsse des Gemeinderats oder die Anrufung von Gerichten.
Nun wurden auf einem umzäunten Gelände am Rande des Gewerbegebietes in Upahl die ersten Container abgeladen. Wenn alle dort aufgereiht und mit dem nötigen Mobiliar ausgestattet sind, können in dem Containerdorf bis zu 250 Menschen untergebracht werden. Nach Angaben von Landrat Tino Schomann (CDU) sollen möglichst schon Ende September die ersten Asylbewerber dort einziehen.

„Wir vermissen Demokratie“, steht auf einem Laken, das ein Mann am Zaun seines Hofes aufgespannt hat.
Die Arbeiten liefen nach mehrmonatiger Zwangspause nun mit Hochdruck, sagt er. Die Belegung solle schrittweise erfolgen. Die Zeit dränge, denn die zwischenzeitlich genutzten Sporthallen in Wismar würden mit Schulbeginn wieder für den Sportunterricht benötigt. Erneut verwies Schomann darauf, dass der Landkreis zu wenig geeignete Gebäude für die Flüchtlingsunterbringung habe und deshalb Turnhallen und nun Container nutzen müsse.
Den ursprünglichen Plänen zufolge sollten im Containerdorf in Upahl 400 Asylbewerber unterkommen, fast so viele wie der Ort mit seinen schmucken Eigenheimen und gepflegten Vorgärten an Einwohnern zählt. Nach den massiven Protesten wurde das geändert. Doch nicht nur die nach ihrer Ansicht nach noch immer unverhältnismäßig große Zahl von Menschen, die in ihrer Nachbarschaft leben sollen, schürt den Protest der Einwohner. Sie fühlen sich von der Politik überrumpelt und finden, dass ihre Meinung ignoriert wird.

„Wir vermissen Demokratie“, steht auf einem Laken, das ein Mann am Zaun seines Hofes aufgespannt hat. Nur widerwillig lässt er sich auf ein Gespräch ein, beklagt eine seiner Meinung nach meist tendenziöse Berichterstattung über den Ort. Anhänger der rechten Szene positionierten sich bei den Protestaktionen mitunter in erster Reihe. Das ganze Dorf fühlte sich daraufhin in die rechte Ecke gestellt. Am meisten aber erregt sich der Rentner über das Verfahren selbst. Die Bewohner Upahls seien in die Entscheidungen zum Bau des Containerdorfes nicht einbezogen und ihre Bedenken nicht gehört worden, beklagt der Mann.
Sorge in der Bevölkerung
Welche Sorgen die Menschen in der Region mit der Flüchtlingsunterkunft verbinden, beschreiben Mitarbeiterinnen eines Betriebes, der seinen Sitz im benachbarten Gewerbegebiet hat. Man könne sich nicht mehr sicher sein, wenn man am Morgen mit dem Rad zur Frühschicht fahre, sagt eine von ihnen. Es seien sicher längst nicht alle Kriminelle, meint eine Kollegin. Aber wenn viele junge Männer über Wochen dort ohne Beschäftigung und Ablenkung lebten, wisse man nicht, auf welche Ideen sie kämen.

Landrat Schomann ist sich der Ängste der Menschen bewusst und räumt auch Fehler ein. „Wir leben in unruhigen Zeiten. Das Verfahren in Upahl war seinerzeit nicht gut, nicht glücklich, aber notwendig, um die Container reservieren zu können“, sagt der Landrat, spannt den Bogen aber gleich weiter. Der Unmut der Bürger über die Flüchtlingspolitik des Bundes sei riesengroß. Das bekomme er in Gesprächen bei Einwohnerversammlungen oder Stadtfesten immer wieder zu spüren. Solchen Gesprächen, meint der CDU-Politiker, sollten sich auch Bundesminister stellen. Von Berlin verlangt er Maßnahmen zur konsequenten Begrenzung der Zuwanderung: „Nicht nur reden. Machen!“
Trotz Reduzierung der Kapazitäten der Flüchtlingsunterkunft, zusätzlichen Finanzzuweisungen vom Land an die Kommune und der Zusicherung, die Buslinien von Upahl nach Grevesmühlen oder Schwerin häufiger zu bedienen, sei der Protest noch immer da. Er richte sich aber vorwiegend gegen die Asylpolitik des Bundes, die die Kommunen über die Grenzen des Leistbaren belaste. Viele Orte in Deutschland hätten bei der Unterbringung der Flüchtlinge und deren Integration die gleichen Probleme. Upahl sei zum Symbol dafür geworden, „was in Deutschland schief läuft“, sagt Schomann.
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