Die wundersame Entscheidung von Bern: AfD-Mann darf mit zur Politiker-EM fahren, aber nicht mitspielen
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Der Bundestag verkommt zum Kindergarten: Bei der anstehenden Europameisterschaft der Parlamentarier wird einem AfD-Abgeordneten das Mitspielen untersagt. Als „Supporter ohne Spielberechtigung“ dürfe er jedoch mitreisen.
Am morgigen Freitag beginnt für die Fußballmannschaft des Deutschen Bundestags eine prestigeträchtige Reise. Der FC Bundestag, bei dem Abgeordnete aller Parteifraktionen mitkicken, will das „Wunder von Bern 2.0“ in Angriff nehmen und nach eigenen Angaben „eine schlagfertige Truppe auf den Platz bringen“. Helfen soll dabei unter anderem Trainer-Ikone Felix Magath, der die Mannschaft als Coach in die Schweiz begleitet. Nicht das Spielfeld betreten dürfen jedoch vier AfD-Abgeordnete, die eigentlich ebenfalls der Mannschaft angehören. Der Grund: Sie wurden durch den Vorstand des FC Bundestag vom Spielbetrieb ausgeschlossen.
„Unser Signal ist eindeutig“
Am 21. März hatte der Vorstand den Beschluss gefasst, keine Mitglieder der AfD mehr beim FC Bundestag aufnehmen zu wollen. „Unser Signal ist eindeutig, wir dulden im FC Bundestag keine Mitglieder der AfD, die mit dem Rechtsextremismus paktieren oder das mindestens billigend in Kauf nehmen“, erklärte Vorstandschef Mahmut Özdemir (SPD). „Jeder einzelne AfD-Kollege kann sich nun überlegen, ob ihm die Mitgliedschaft in der AfD oder die Mitgliedschaft im FC Bundestag wichtiger ist.“ Knapp zwei Wochen später tagte der Vorstand um die Abgeordneten Özdemir und Fritz Güntzler (CDU) erneut. Und legte nach.

Mahmut Özdemir sitzt im Vorstand des FC Bundestag.
Am 8. April schickten Özdemir und Güntzler eine Rundmail an die Abgeordneten der AfD und berichteten von einer neuen Entscheidung: „Der Vorstand des FC Bundestag hat heute in Umsetzung des auf der Mitgliederversammlung am 21. März 2024 festgestellten ‚Unvereinbarkeitsbeschlusses der AfD-Mitgliedschaft mit der Mitgliedschaft im FC Bundestag‘ getagt. Daraufhin hat der Vorstand beschlossen, dass bis zu einer abschließenden Klärung der Beschlusslage, die Mitglieder der AfD-Fraktion vom Spielbetrieb des FC Bundestag ausgeschlossen werden.“
Problem: Der AfD steht ein Platz auf der Reise zu
Diese Entscheidung soll auch für die Parlamentarier-EM vom 10. bis 11. Mai in Bern gelten. Doch es gibt ein kleines Problem: Der Ausflug der Kicker aus dem Bundestag zur Europameisterschaft ist als interfraktionelle Dienstreise angemeldet. Einmal pro Jahr können Reisen des FC Bundestages zu interparlamentarischen Fußballturnieren innerhalb Europas als „interfraktionelle Delegationsreise“ genehmigt werden. Bei einer solchen darf jedoch aus juristischen Gründen keine Fraktion ausgeschlossen werden – der AfD steht ein Platz zu.
Dafür hat sich nun der Vorstand des FC Bundestag, der eigentlich stolz darauf ist, dass das Parteibuch beim Fußball keine Rolle spielt, folgende Lösung ausgedacht: Das angemeldete AfD-Mitglied könne „als Supporter ohne Spielberechtigung an der interfraktionellen Dienstreise teilnehmen“, heißt es in einer Mail. Hinfahren also darf das AfD-Mitglied, mitspielen jedoch nicht.

Ein Mitglied des FC Bundestag genießt ein kühles Bier.
AfD-Politiker Kaufmann kritisiert ein „fragwürdige Demokratieverständnis“
Wen betrifft die Entscheidung konkret? In den vergangenen Jahren fuhr für die AfD der Abgeordnete Jörn König zu den Fußball-Spielen. Diesmal jedoch wollte er verzichten. Nachrücker für ihn ist sein Parteikollege Malte Kaufmann, der seit einem Jahr beim FC Bundestag kickt. Der Abgeordnete aus Baden-Württemberg beschwert sich über ein „fragwürdiges Demokratieverständnis des Vorstandes unter der Führung des Vereinsvorsitzenden von der SPD“. Dieser handele nach dem Motto „Mit dir spiele ich nicht“. „Darüber hinaus ist das Vorgehen satzungswidrig und widerspricht dem Vereinszweck“, ist sich Kaufmann sicher und ergänzt: „Gerade der Sport sollte zur Verbesserung von Dialog und politischem Diskurs jenseits von Parteigrenzen in unserem Land beitragen.“
Gegenüber NIUS gibt Kaufmann an, dass er am Freitag trotzdem nach Bern fahren will. Das lasse er sich nicht nehmen. Auch juristisch will er gegen den Beschluss vorgehen. Gleichzeitig freue er sich über den Kontakt zu den anderen europäischen Mannschaften, mit denen er bereits im Gespräch stehe.
Seit 1977 treten bei der Europameisterschaft der Parlamentarier neben Deutschland immer dieselben drei Teams an: Österreich, die Schweiz und Finnland. In allen drei Teams sind Mitspieler aus Rechtsparteien selbstverständlich. FPÖ-Politiker werden in der Schweiz mitkicken, genauso wie Abgeordnete der Schweizer Volkspartei oder der Wahren Finnen. Nur Deutschland geht nun den Sonderweg.
NIUS fragte auch den Vorstand zu den Hintergründen der Entscheidung an, erhielt jedoch keine Antwort. Die Kosten für die Fußball-Delegationsreise – von der individuellen Anreise bis zur Unterkunft – trägt übrigens der Steuerzahler.
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