Die „Zeit“ berichtet von Bauern mit Galgen, die es gar nicht gab: Hat Kevin Kühnert über seine angebliche Bedrohung gelogen?
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Kevin Kühnert inszeniert sich im Zeit-Porträt als Opfer einer allgemeinen Bedrohungslage. Doch wie glaubhaft ist seine Geschichte? Die Erzählung, laut der Bauern mit „selbst gebauten Galgen“ drohend vor der SPD-Zentrale gestanden hätten, hält einer Faktenprüfung nicht stand. Was bleibt, ist der Verdacht gezielter Desinformation.
Im Oktober 2024 verkündete Kevin Kühnert seinen Rückzug aus der Spitzenpolitik – offiziell aus gesundheitlichen Gründen. Eine Diagnose blieb er der Öffentlichkeit jedoch schuldig. Stattdessen ließ er verlauten: „Ich selbst kann im Moment nicht über mich hinauswachsen, weil ich leider nicht gesund bin.“
Während er seine Arbeit im Deutschen Bundestag weitgehend einstellte, um viel Zeit in den Bergen zu verbringen, kassierte Kühnert weiterhin Diäten und Zulagen in Höhe von fast 100.000 Euro.
SPD-Berlin und Zeit haben keine Beweise
Kürzlich hat die linke Wochenzeitung Die Zeit ein Porträt veröffentlicht, das aus einem Gespräch mit Kühnert entstanden ist und ihn als Opfer rechter Drohungen darstellt. Darin heißt es an einer Stelle:
„Oder die Bauern, die im vergangenen Jahr vor der SPD-Zentrale demonstrierten, die Kühnert leitete. Sie waren mit selbst gebauten Galgen angerückt.“
Ein schwerer Vorwurf gegenüber den Landwirten, die damals vor der SPD-Parteizentrale demonstrierten – doch für die Galgen gibt es keine Belege.
2024 fand lediglich eine einzige Demonstration von Landwirten vor der SPD-Parteizentrale statt: am 26. Januar. Von dieser Aktion existieren zahlreiche Fotos, die Kühnert im Gespräch mit den Demonstranten zeigen. Die Stimmung war möglicherweise aufgeheizt, grundsätzlich aber friedlich, wie die Fotos dokumentieren.

Kühnert spricht mit einem Landwirt, sie geben sich die Hand. SPD-Parteizentrale, 26.01.24.
Keine Galgen, keine Bedrohung, keine Einschüchterung. Nur Bauern und Sympathisanten, die gegen die Landwirtschaftspolitik der Ampel-Regierung demonstrierten.

Bauernprotest vom 26.01.24, der an der SPD-Parteizentrale vorbeikam.
Zwei Möglichkeiten und eine gemeinsame Verantwortlichkeit
Die Zeit greift in ihrem Bericht zu einem unredlichen Stilmittel: Sie vermischt Bilder von anderen Bauernprotesten, bei denen tatsächlich symbolische Galgen auftraten, mit jener Demonstration im Beisein von Kühnert, auf der kein Galgen zu sehen ist. So wird nicht nur eine Bedrohung konstruiert, die es in dieser Form nie gegeben hat, sondern eine veritable Falschbehauptung aufgestellt. „Selbst gebaute Galgen“ gab es bei jener Demo, der einzigen unmittelbaren Konfrontation zwischen protestierenden Bauern und Kevin Kühnert, schlicht nicht.
NIUS fragte die Zeit und Kevin Kühnert über die Berliner SPD an und erbat einen Beleg für Galgen vor der SPD-Zentrale. Sowohl die Zeitung als auch der SPD-Politiker blieben ihn schuldig.
Die Zeit antwortete: „Wir wissen, dass die Demonstrationen an der Parteizentrale der SPD vorbeigezogen sind. Dafür, dass bei diesen Demos Galgen mitgeführt wurden, gibt es Belege.“
Es stimmt aber nicht, dass 2024 „Demonstrationen“ im Plural an der SPD-Zentrale vorbeigezogen sind – nur eine einzige tat es. NIUS fragte deshalb nach Belegen für diese Demonstration – und erhielt keine Antwort mehr.
Unklar bleibt, wie die Falschbehauptung entstand:
Möglichkeit 1: Kevin Kühnert stellte sie auf, die Zeit-Journalistin übernahm sie ungeprüft.
Möglichkeit 2: Die Zeit-Journalistin gibt falsch wieder, was Kühnert ihr von den Bauernprotesten erzählte.
In jedem Fall verantworten sowohl Kühnert als auch die Zeit eine publizierte Falschbehauptung. Vom SPD-Politiker ist zu erwarten, den vor Tagen veröffentlichten Artikel zu lesen und bei möglichen Falschdarstellungen auf Korrekturen zu bestehen. So bleiben einmal mehr zurück: linke Fake-News und Desinformation.
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