Exklusiv-Recherche von Plagiatsjäger Stefan Weber: Wurde bei Weimers Magazin „TheEuropean“ getrickst und gelogen, um Werbekunden zu ködern?
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Der Skandal um mutmaßliche Urheberrechtsverletzungen im Umfeld von Kultur- und Medienstaatsminister Wolfram Weimer (CDU) könnte weit größere Ausmaße haben als bisher bekannt. Exklusive Recherchen des Medienwissenschaftlers und Plagiatsjägers Stefan Weber scheinen zu belegen, dass auf der Verlagsplattform TheEuropean, dem publizistischen Kern der Weimer Media Group, systematisch getäuscht wurde, um Werbekunden anzulocken.
Für Minister Weimer, das betont Weber im Text zu seinen Recherchen ausdrücklich, gilt selbstverständlich die Unschuldsvermutung. Doch die Vorwürfe wiegen schwer.

Kulturstaatsminister Weimer am Freitag beim Richtfest des Neubaus des Museums Berlin Modern in der Hauptstadt
Autorenliste manipuliert
Laut Weber ist zunächst die angebliche Zahl von „über 2.000 renommierten Autoren“ auf TheEuropean fragwürdig. Verdächtig: Technische Analysen eines IT-Experten, mit dem Weber zusammengearbeitet hat, zeigen, dass die Seite mit den Autorenprofilen bewusst vor Google versteckt wurde – durch einen sogenannten „noindex“-Tag, der Suchmaschinen vom Auffinden abhält. Der Effekt: Werbepartner konnten die tatsächliche Größe und Reichweite des Portals nicht nachvollziehen.
Auch für Autoren war eine Kontrolle erschwert bis unmöglich. Vor wenigen Tagen erst war bekannt geworden, dass viele offenbar gar nicht wussten nicht, dass ihre Texte auf TheEuropean veröffentlicht wurden, darunter AfD-Chefin Alice Weidel. Ein Urheberrechtsskandal – ausgerechnet unmittelbar nach Weimers Rede zu Künstlicher Intelligenz in Kreativ-Branchen, in der er US-Unternehmen „Vampirismus“ vorgeworfen hatte.
Mehr lesen: Geistiges-Eigentum-Affäre: Hat Wolfram Weimer Texte bei Alexander Dobrindt geklaut?
Statt der öffentlich kommunizierten 2.000 Autoren seien nur etwa 100 aufrufbar gewesen, schreibt Weber. Wenn diese Zahlen stimmen, hätte TheEuropean seine Außenwirkung künstlich aufgebläht und seine Werbekunden in großem Stil getäuscht.

Screenshot aus Webers Recherchen. Rot unterstrichen: Der No-Index-Tag, der verhindert, dass die Autorenseite über Suchmaschinen wie Google auffindbar ist.

„Über 2000 renommierte Autoren“ – die Zahl scheint fraglich, Werbekunden verließen sich darauf.
Brisante Löschungen nach Auffliegen des Falls
Nach Bekanntwerden des ersten Teils der Affäre – der Vorwurf, dass Weimer prominente Autoren ohne deren Wissen gelistet und Texte veröffentlicht haben soll – wurden mehrere Autorenprofile von der Seite gelöscht, darunter: Annalena Baerbock, Robert Habeck, Papst Franzskus, Friedrich Merz, Christian Lindner, Gregor Gysi, Sahra Wagenknecht, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Alexander Dobrindt und Stefan Weber selbst.
Das gesamte Autorenverzeichnis ist inzwischen komplett offline genommen worden. Die Löschaktion wirkt wie eine hastige Reaktion auf den Skandal – und lässt Webers Recherchen umso brisanter wirken.
Werbekunden irregeführt?
Heikel wird der Fall vor allem durch den wirtschaftlichen Aspekt: Die Weimer Media Group verkaufte Werbepakete und Sponsoringplätze für TheEuropean mit Hinweis auf dessen publizistische Strahlkraft. Wenn Reichweiten und Autorenangaben falsch waren, könnte der Verdacht auf gewerbsmäßige Täuschung entstehen.

„Exklusive Beiträge schaffen ein hochwertiges Werbeumfeld“, hieß es auf der Seite. Inzwischen spricht einiges dafür, dass Werbekunden getäuscht wurden.

Familiäre Verflechtungen
Zusätzliche Fragen wirft laut Weber die Personalie Valentin Weimer, Sohn des Ministers und inzwischen Politikredakteur und Chief of Staff der WELT-Gruppe, auf. Er war laut Impressum technischer Verantwortlicher (Webmaster) der Seite. Laut Webers Recherche habe er in der Nacht nach dem Auffliegen der Affäre diese berufliche Station aus seinem LinkedIn-Profil gelöscht.
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