Flugbereitschaft der Bundeswehr erreicht Höchststand – und kostet 125 Millionen Euro jährlich
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Die Nutzung der Flugbereitschaft der Bundeswehr ist im Jahr 2025 deutlich gestiegen. Nach Angaben der Bundesregierung wurden insgesamt 9.127 Flugstunden geflogen. Damit liegt 2025 über den beiden Vorjahren und markiert den höchsten Wert im Dreijahresvergleich. 2023 waren es 8.160 Flugstunden, 2024 insgesamt 7.972 Flugstunden. Im Regierungs- und Parlamentsflugbetrieb wurden 2025 insgesamt 650 Flüge beziehungsweise Teilstrecken durchgeführt. Die Angaben stammen aus der Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der AfD-Fraktion, gestellt von den Abgeordneten Gerold Otten und Stefan Keuter sowie weiteren Abgeordneten. NIUS liegt die Antwort des Bundesverteidigungsministeriums exklusiv vor.
Kurz vorweg zur zeitlichen Einordnung: Vor einem Jahr, am 24. Februar 2025, wurde der neue Bundestag gewählt – seit Mai 2025 ist Friedrich Merz (CDU) Bundeskanzler der schwarz-roten Koalition. Die Zahlen für 2023 und 2024 stammen noch aus der Zeit der Ampel-Regierung unter Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD). Ein Teil der für 2025 erfassten Flüge fällt ebenfalls noch in die letzten Monate der Scholz-Regierung.

Die Zahlen für 2023 und 2024 stammen noch aus der Zeit der Ampel-Regierung unter Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD).
Mehr Leerflüge – vor allem für das Bundesfinanzministerium
Besonders ins Gewicht fallen die sogenannten Bereitstellungsflüge, sprich: Leerflüge. Deren Gesamtzahl stieg 2025 auf 798 – im Jahr 2024 waren es 791. Das Bundeskanzleramt verzeichnete 2024 insgesamt 299 Bereitstellungsflüge, 2025 waren es 241. Trotz des Rückgangs bleibt das Kanzleramt damit weiterhin mit Abstand größter Bedarfsträger.
Das Bundespräsidialamt von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier steigerte sich von 131 Flügen im Jahr 2024 auf 150 im Jahr 2025. Das Auswärtige Amt erhöhte die Zahl von 98 auf 107. Beim Bundesinnenministerium stieg die Zahl von 55 auf 70 Bereitstellungsflüge. 2024 wurde das Innenressort noch von Nancy Faeser (SPD) geführt, seit der Bildung der schwarz-roten Koalition steht es unter Leitung von Alexander Dobrindt (CSU).
Das Bundesverteidigungsministerium, 2024 unter Boris Pistorius (SPD), verzeichnete einen leichten Anstieg von 54 auf 56 Bereitstellungsflüge. Deutlich fiel die Entwicklung beim Bundesfinanzministerium aus: Dort stieg die Zahl von 30 im Jahr 2024 auf 53 im Jahr 2025. Seit Mai 2025 wird das Finanzressort von Lars Klingbeil (SPD) geführt.

2024 wurde das Innenressort noch von Nancy Faeser (SPD) geführt.
Kurzstrecke mit einem Minister und 12 Begleitpersonen
Auch die Nutzung durch Bundestagsfraktionen ist dokumentiert. Im Jahr 2025 sind Flüge für die Unionsfraktion (CDU/CSU) ausgewiesen, außerdem eine Reise, die als CDU/CSU/SPD geführt ist (Berlin–Rzeszów und zurück).
Im Jahr 2025 wurden zudem 63 sogenannte sonstige Begleitpersonen transportiert. Bei einzelnen Reisen des Bundesinnenministeriums wurden bis zu 13 beziehungsweise 12 Begleitpersonen mitgeführt. Diese Reisen fielen in die Amtszeit von Nancy Faeser. Beim damaligen Bundesfinanzminister Kukies wurde auf einer kurzen Strecke innerhalb Berlins eine Beförderung mit 12 Begleitpersonen registriert.
Die finanziellen Aufwendungen für die Flugbereitschaft beliefen sich 2025 auf insgesamt 124,9 Millionen Euro. Davon entfielen 66 Millionen Euro auf Instandhaltung, 25,7 Millionen Euro auf Ersatzteile und 33,2 Millionen Euro auf die technisch-logistische Betreuung. Zusätzlich wurden im Jahr 2025 insgesamt 19 umfangreiche Instandhaltungsmaßnahmen durch die Lufthansa Technik durchgeführt, im Jahr zuvor waren es 17.
Zum Stichtag 31. Dezember 2025 standen der Flugbereitschaft 18 Luftfahrzeuge zur Verfügung, darunter drei Airbus A350, zwei Airbus A321 LR, ein Airbus A321 VIP, mehrere kleinere Maschinen sowie drei Cougar-Hubschrauber.
In der Vorbemerkung zu ihrer Anfrage verweisen die AfD-Abgeordneten insbesondere auf die sogenannte „weiße Flotte“ des Verteidigungsministeriums, also die für Regierungs- und VIP-Transporte eingesetzten Jets der Flugbereitschaft. Deren Flugstunden für Regierungs- und VIP-Transporte seien bereits 2024 im Vergleich zum Vorjahr stark angestiegen. Nach früheren Angaben hätten sich diese von rund 2.028 Stunden im Jahr 2023 auf rund 6.840 Stunden im Jahr 2024 mehr als verdreifacht.
Kanzler Scholz flog mehrfach Ultrakurzstrecke
Zudem verweisen die Fragesteller auf den Einsatz der Flugbereitschaft für sehr kurze Strecken. Als Beispiele nennen sie Hubschrauberflüge des früheren Bundeskanzlers Olaf Scholz auf den Strecken Berlin Brandenburg–Bundeskanzleramt, Bundeskanzleramt–Schwerin und Schwerin–Potsdam sowie weitere Kurzstreckenflüge etwa auf den Routen Dresden–Berlin, Erfurt–Berlin oder Frankfurt am Main–Hannover.
Die Bundesregierung betont, sämtliche Flugstunden dienten zugleich der Aus- und Weiterbildung der Besatzungen, gesonderte Flugstundenkontingente für einzelne Anlässe gebe es nicht.

MdB Otten stellte die Anfrage an die Bundesregierung.
„Eindruck einer einseitigen Nutzung eines Instruments der Staatsführung“
Der AfD-Bundestagsabgeordnete und Mitglied des Verteidigungs- und des Auswärtigen Ausschusses, Gerold Otten, erklärt gegenüber NIUS:
„Mehr Flugstunden und mehr Bereitstellungsflüge bedeuten ein spürbar ausgeweitetes Einsatzprofil – ohne dass Prioritäten und Notwendigkeiten ausreichend nachvollziehbar gemacht werden. Auffällig ist die intensive Inanspruchnahme der Flugbereitschaft durch die Unionsfraktion, während andere Bundestagsfraktionen sie kaum nutzen. Das nährt den Eindruck einer einseitigen Nutzung eines Instruments der Staatsführung.
Irritierend sind zudem einzelne Kurzstrecken mit ungewöhnlich vielen Begleitpersonen, die von Nancy Faeser und Ex-Finanzminister Kukies genutzt wurden; hier braucht es klare Begründungen und strikt angewandte Regeln. Gleichzeitig werden zentrale Informationen zunehmend als Verschlusssache eingestuft und damit der öffentlichen Kontrolle entzogen.“
Die AfD-Bundestagsfraktion fordert klare Anspruchsregeln, strengere Genehmigungen, vollständige Transparenz über die wesentlichen Kennzahlen und eine überprüfbare Begründungspraxis für jeden Einsatz.
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