Bahn-Experte zu Verkehrsplänen der Regierung: „Wer sich an Bahnhöfen nicht sicher fühlt, wird das Auto kaum stehen lassen“
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- Die Gewalt an Bahnhöfen und in Zügen explodiert (NIUS berichtete).
- Ein Fahrgast-Vertreter warnt: „Gewalt-Situation an Bahnhöfen steht Verkehrswende im Weg.“
- Ministerin Faeser setzt auf Waffen-Verbote und mehr Kameras.
Mehr Menschen an Bus und Bahn zu binden, ist eines der Hauptziele der Bundesregierung. Für die sogenannte Verkehrswende soll das Verkehrsvolumen im öffentlichen Nahverkehr bis 2030 verdoppelt werden – neben finanziellen und logistischen Problemen, wird ein weiteres immer größer: Gewalt an Bahnhöfen und in Zügen.
„Die Gewalt-Situation an Bahnhöfen steht der Verkehrswende im Weg. Wenn sich Menschen an Bahnhöfen nicht mehr wohl und sicher fühlen, werden sie kaum das Auto stehen lassen“, warnt Karl-Peter Naumann, Ehrenvorsitzender des Fahrgastverbandes Pro Bahn gegenüber NIUS.
Hintergrund: Der Lagebericht „Gewaltdelikte auf Bahnanlagen im Jahr 2022“ der Bundespolizei zeigt eine erschreckende Gewaltexplosion an Bahnhöfen. Demnach gab es im Vergleich zum Vor-Corona-Jahr 2019 rund 22 Prozent mehr Körperverletzungen, 42 Prozent mehr Sexualdelikte und 44,5 Prozent mehr Angriffe mit Messern.

Polizisten der Bundespolizei kontrollieren die Einhaltung der waffenfreien Zone am Hauptbahnhof Essen.
Naumann weiter: „Wie in der gesamten Gesellschaft zeigt sich auch an Bahnhöfen und in Zügen eine Zunahme von Gewalt, die das subjektive Unsicherheitsgefühl zahlenmäßig bestätigt.“ Er fordert: „Die Bahnhöfe müssen sicherer werden, durch Belebung mit Geschäften und Restaurants, einer guten Zusammenarbeit von Bundes- und Landespolizei und gezielter Überwachung.“
Tatsächlich ist der Bundesregierung schon länger bekannt, dass der öffentliche Nahverkehr gerade bei Frauen als unsicherer Ort wahrgenommen wird. Laut der Studie „Sicherheit und Kriminalität in Deutschland“ des Bundeskriminalamtes meiden zwei Drittel der Frauen den ÖPNV bei Dunkelheit und ebenso 40 Prozent der Männer.
Union: „Zustand besorgniserregend“
Deshalb fordert der Verkehrspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfragtion, Thomas Bareiß, die Bundesinnenministerin zum Handeln auf: „Sicherheit hat eine ganz hohe Priorität beim Reisen. Der Zustand an manchen Bahnhöfen ist besorgniserregend. Reisende müssen sich wieder sicher fühlen und ohne Angst reisen können.“

Der Verkehrspolitische Sprecher der CDU/CSU-Fraktion, Thomas Bareiß
Gerade für alleinstehende Frauen sei die Situation gerade in den Abendstunden unzumutbar. Bareiß weiter: „Politik darf hier nicht tatenlos zusehen. Betroffen sind bei weitem nicht nur Großstädte, auch kleine Bahnhöfe müssen verstärkt in den Blick genommen werden. Es braucht funktionierende Sicherheitskonzepte in und besonders auch im Umfeld von Bahnhöfen.“
Faeser will in mehr Kameras investieren
NIUS hat das zuständige Bundesinnenministerium von Ministerin Nancy Faeser (SPD) gefragt, was konkret getan wird, um die Situation an Bahnanlagen zu verbessern. „Die Bundesinnenministerin hat ein generelles Waffenverbot – insbesondere ein Verbot von Messern – in öffentlichen Verkehrsmitteln vorgeschlagen. Dieses Verbot sollte nicht nur in Zügen und Bahnhöfen gelten, sondern im gesamten öffentlichen Personenverkehr“, heißt es von einem Sprecher. Zudem würden Bund und Bahn zusammen 180 Millionen Euro in die Hand nehmen, um die Zahl der Übewachungskameras von 9000 auf 11.000 aufzustocken. Das Thema Sicherheit im öffentlichen Nahverkehr sei zudem bereits Thema der Landesinnenminister.

Bundesinnenministerin Nancy Faeser will auf Waffen-Verbote setzen.
Die Frage, wie die Ministerin zur Forderung der Bundespolizei-Gewerkschaft steht, 3500 neue Stellen zum Schutz der Bahnanlagen zu schaffen, blieb unbeantwortet: „Es braucht generell mehr Präsenz von Sicherheitskräften in öffentlichen Verkehrsmitteln“, hieß es nur. Die Bundespolizei würde bereits „sehr gute Arbeit“ leisten.
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