Grünen-Politiker wollen nicht verraten, wo sie Urlaub machen
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- Keine Partei spricht so gerne von Verboten und mahnt so oft vor CO2-Emissionen wie die Grünen.
- Auf Anfrage von NIUS stellt sich heraus: 15 hochrangige Grünen-Politiker wollen nicht über ihre Urlaubsorte sprechen.
- Eine Politikerin verrät aber an anderer Stelle ihren extrem großen CO2-Abdruck.
Wenn man einer Sache sicher sein kann, dann dass die Grünen in regelmäßigen Abständen vor einem Lebensstil warnen, der die Menschheit bedroht. Egal, ob es um Kurzstreckenflüge, Ernährungsarten oder private Mobilität geht: Wenn man nicht mit der Zeit geht, muss man, so das grüne Credo, mit der Zeit gehen.
Wer so sehr vor einem unökologischen und nicht-nachhaltigen Lebensstil warnt, der sollte sich die Frage gefallen lassen: Wie geht er selbst mit seiner Verantwortung um? Unter der Hand berichten Grünen-Politiker, wie vorsichtig sie beim Thema Reisen sind oder sein müssen – aus Sorge vor „Fehltritten“.
NIUS hat 15 hochrangige Grüne angefragt, um zu wissen, wo sie ihren Urlaub verbringen: Katrin Goering-Eckardt, Konstantin von Notz, Britta Hasselmann, Cem Özdemir, Omid Nouripour, Ricarda Lang, Lisa Paus, Winfried Kretschmann, Anton Hofreiter, Julia Verlinden, Maria Klein-Schmeink, Agnieszka Brugger, Andreas Audretsch, Irene Mihalic und Katharina Dröge.
Antworten: null. Verraten, wo er seinen Urlaub verbringt, wollte auf NIUS-Anfrage keiner der 15 Grünen-Politiker.
Immerhin: Hier und da verrät ein Blick in die sozialen Medien etwas über den aktuellen Aufenthaltsort der Politiker...
Skandinavien ist Trend
Auffällig aber auch hier: Nur etwa 14 von insgesamt 118 grünen Bundestagsabgeordneten (davon 105 mit Instagram-Profil) veröffentlichten Beiträge, wo sie in diesem Sommer ausspannen.
Luise Amtsberg (38) zum Beispiel, Bundestagsabgeordnete von Bündnis 90/Die Grünen, macht laut ihrem neuesten Instagram-Post im schwedischen Tjörn zwei Wochen lang Urlaub. Um „durchzuatmen, verarbeiten, Dinge zu reflektieren und Kraft zu tanken", wie sie unter ihrem Foto schreibt. Die Insel Tjörn befindet sich an der Westküste Schwedens, genau mittig zwischen Oslo und Kopenhagen. Wie die Politikerin an den Urlaubsort gelangt ist, lässt sie offen.

Nyke Slawik, Bundestagsabgeordnete der Grünen, macht in Skandinavien Urlaub.
Anders ist es bei Nyke Slawik (29). Sie teilt ihren Followern auf Instagram mit, dass sie mit einem Interrail-Ticket durch Dänemark, Schweden und Norwegen tourt. Den Post nimmt sie zum Anlass, ein politisches Statement zu setzen: „Anders als in Deutschlands Großstädten sind die Straßenränder nicht alle zugeparkt, es gibt super breite Radwege und als Fußgängerin habe ich mich immer sehr sicher gefühlt, wenn ich über die Straße gegangen bin.“
Marode Bahn vermiest Fester die Ferien
Auch Vorzeige-Abgeordnete Emilia Fester ist mit dem Interrail-Ticket in den Urlaub gefahren. „Von Hamburg über Paris und Brest bis nach Brüssel“, teilte die jüngste Abgeordnete des Bundestages ihren 23.000 Followern auf Instagram mit. In einem „authentischen“ Posting möchte Fester ihren Abonnenten das Bahnfahren schmackhaft machen, sie schaut in dem Video schmunzelnd aus dem Fenster, liest entspannt ein Buch.

Emilia Fester, Deutschlands jüngstes Bundestagsmitglied, erkundet Europa mit dem Interrail-Ticket.
Doch ganz so einfach verlief ihre Fahrt dann doch nicht, wie sie ehrlich zugibt. „Von meinen vier Reisen mit Interrail verlief leider nur eine Fahrt so nach Plan, wie ich es mir ursprünglich mal ausgedacht hatte“, so Fester bei Instagram. Material- und Personalmangel, kaputte Züge und fehlender Ersatz hätten Fester die Reise verkompliziert.
Schaut man sich die Social-Media-Auftritte der Abgeordneten genauer an, fällt auf, dass keiner der Politiker in ein Flugzeug steigt – oder es zumindest nicht publik macht. Renate Künast macht Urlaub an der Nordsee. Denise Loop engagiert sich ehrenamtlich und Social-Media-wirksam im Sommerferienlager der Pfadfinder. Die meisten Abgeordneten machen, so scheint es, Urlaub in Deutschland.
Fußball-Grüße aus Australien
Nur eine Politikerin ist offen und ehrlich bei ihrer Flugreise. Tina Winklmann (43), sportpolitische Sprecherin der Grünen, nutzte die parlamentarische Sommerpause für einen Abstecher zur Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen nach Australien. Stolz zeigt sie sich mit einem Trikot der DFB-Elf bekleidet vor leeren Zuschauerrängen in Sydney. Dazu schreibt sie auf ihrem Instagram-Account: „Wir gewinnen gemeinsam, wir verlieren gemeinsam #ImTeam“.

Tina Winklmann wurde bei der Bundestagswahl 2021 über die bayerische Landesliste ihrer Partei in den Bundestag gewählt.
Ein Verlierer ist bei dieser Reise bereits ausgemacht: das Klima. Hin- und Rückflug der Abgeordneten – von Berlin aus 33 Stunden – verursachte laut Berechnungen des Portals „Atmosfair“ 10.700 Kilogramm CO2. Das ist das zehnfache des klimaverträglichen Jahresbudget eines Menschen. Zum Vergleich: Ein Mittelklassewagen verbraucht in einem Jahr etwa 2.000 Kilogramm.
Ob Winklmann den Flug kompensiert, ist nicht bekannt. Dafür würden 246 Euro fällig werden. Bei einem Abgeordnetengehalt von 10.500 Euro im Monat sollte eine Kompensation machbar sein.
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