Leistungslos ins Schloss Bellevue: Warum der nächste Bundespräsident kein Kungel-Kandidat der Politik sein sollte
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Die eigentliche Wahl findet im März 2027 statt, doch eigentlich ist der Ausgang schon so gut wie klar: Eine Frau soll nächster Bundespräsident werden. Darüber sind sich offensichtlich die etablierten Parteien einig. Gut zwanzig Millionen Kandidaten entfallen somit schon mal im Voraus. Der Bundespräsident muss nach Art. 54 Abs. 1 mindestens vierzig Jahre alt sein. Das waren Ende 2024 rund 41,6 Millionen Deutsche.
Doch glaubt man gängigen Kommentaren, dann lassen sich auch von den verbleibenden zwanzig Millionen Frauen über vierzig Jahre rund 19,999 997 Millionen bereits ausschließen. Die von Bild ins Gespräch gebrachte Kanzlerin a.D. Angela Merkel (CDU) hat bereits abgesagt. Und nach den vorherrschenden Theorien bleiben lediglich Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, Bundesfamilienministerin Karin Prien (beide CDU) und Bayerns Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) übrig.

Bundesfamilienministerin Karin Prien
Ilse Aigner könnte entfallen, weil CSU-Chef Markus Söder sie verhindern wolle, um seine eigenen Kanzler-Ambitionen nicht zu gefährden. Zwei CSU-Leute auf politischen Top-Posten kommen in Deutschland nach dieser Lesart nicht durch. Bleiben Prien und Klöckner, die allerdings als Bundestagspräsidentin ihre eigene Wahl durch die Bundesversammlung vorbereiten und organisieren müsste.

Das Gerücht um Ilse Aigners Zukunft hält sich seit Wochen im politischen Berlin.
Ähem, hüstel, räusper: Merkt noch jemand etwas?
Leistung? Befähigung? Redetalent?
Mehr als ein Jahr vor der „Wahl“ macht die Politik das höchste deutsche Staatsamt unter sich aus. Man genügt sich selbst in der Logik von Parteienproporz und den üblichen Ränkespielen. Leistung? Befähigung? Redetalent? Beliebtheit bei Land und Leuten? Kategorien, die sämtlich keine Rolle spielen. Warum kommt nicht ein einziger deutscher Spitzenpolitiker auf die Idee, der Ränder-Radikalisierung und der Politikverdrossenheit im Land an einer kleinen, nun wahrlich nicht grundstürzenden Stelle eine neue, frische Idee entgegenzustellen, die zeigt, dass wir nicht so weitermachen können, wie bisher?
Es gilt das Motto: Leistungslos ins höchste Staatsamt!
Welche Signal- und Symbolwirkung geht davon aus, dass fünf Landtagswahlen in diesem Jahr, die noch beträchtlichen Einfluss auf die Zusammensetzung der Bundesversammlung (Hälfte Bundestag, Hälfte Länder) haben, völlig ignoriert werden und man den Posten verteilt, als wäre es eine interne Belobigung für gutes Betragen in Berlin-Mitte!
Zur gesellschaftspolitischen Garnierung dürfen dann von den Parteien jeweils noch einige „bunte Vögel“, Sportler, Unternehmer, Drag-Queens, Comedians oder andere Künstler an der Wahl teilnehmen, die zuvor schon abgekartet und eingetütet wurde.

Abstellgleis oder Ehrenamt? Die Politik nutzt das Amt des Bundespräsidenten, um Leute aus ihren eigenen Reihen mit Posten zu versorgen.
Den Proporz-Poker endlich beenden
Um es mal klar zu sagen: Mit den bisherigen Bundespräsidenten hatte Deutschland nur so durchwachsen Glück. Joachim Gauck und Roman Herzog leisteten sich eigene Gedanken, und auch Richard von Weizsäcker stand dem Land gut zu Gesicht – ganz gleich, ob man mit jeder einzelnen Äußerung nun übereinstimmt oder nicht.
Jeder deutsche Staatsbürger jenseits der vierzig kann zum Bundespräsidenten gewählt werden. Wie wäre es, wenn wir endlich den Proporz-Poker beenden und mal wieder nach einer wirklichen Persönlichkeit suchen würden? Jemand mit eigenen Ideen, Esprit und Humor. Jemand, der nicht allen gefällt, aber auf Denk- und Sprachverbote pfeift, Brandmauern in Frage stellt und dessen Anstoßerregen im besten Sinne des Wortes ausfällt.
Eine Vorstellung, die zu schön ist, um wahr zu sein – und leider wohl auch, um wahr zu werden. Man wird ja noch träumen dürfen.
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