Machtkampf in der Union: Wer ist gefährlicher für Merz – Söder oder Wüst?
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- Nach der 180-Grad-Wende beim Thema AfD ist CDU-Chef Friedrich Merz angeschlagen.
- Internen Kritikern geht es nicht nur um die Sache, sondern auch um einen neuen handfesten Machtkampf.
- Mehrere Unions-Granden arbeiten derzeit auf eigene (Karriere-) Rechnung.
Einmal AfD und zurück: Nach der spektakulären Wende von CDU-Chef Friedrich Merz zwischen ZDF-Sommer-Interview und Rücknahme-Tweet gilt der Parteichef einmal mehr als angeschlagen. Merz hatte im ZDF die gängige Praxis erklärt, auf kommunaler Ebene pragmatisch mit der AfD zusammenzuarbeiten und war dafür von Grünen und SPD, aber auch aus den eigenen Reihen schwer unter Beschuss geraten.
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Wenig Stunden später ruderte er zurück und erklärte in einem Tweet, dass selbstverständlich jegliche Kooperation sich auch in Kreisen und Gemeinden verbiete. Anders als im zivilen Leben und mitunter auch in der Politik behauptet, ist es hier keine Stärke, wenn man sich allzu häufig korrigieren muss. Wer führen will, muss einen klaren Kurs haben, möglichst in die richtige Richtung.
Um es noch einmal klarzustellen, und ich habe es nie anders gesagt: Die Beschlusslage der @CDU gilt. Es wird auch auf kommunaler Ebene keine Zusammenarbeit der #CDU mit der AfD geben. (FM)
— Friedrich Merz (@_FriedrichMerz) July 24, 2023
Und wie so häufig, ging es bei den Attacken auf Merz aus der Union keineswegs nur um die Sache mit der AfD, sondern vor allem auch um dessen Schwächung und eigene Karrierepläne. Wer also profitiert davon, wenn Merz angezählt wird?
Wer ist gefährlicher im Machtkampf der Union für Merz: CSU-Chef Markus Söder („Ein nein heißt nein!“) oder NRW- Regierungschef Hendrik Wüst (CDU) aus dessen schwarz-grüner Regierung besonders heftig gegen Merz gewettert wurde?
Gefährlicher ist eindeutig Söder!
Bayerns Ministerpräsident will am 8. Oktober die Bayern-Wahl mit mindestens 40 Prozent für die CSU gewinnen und reagiert empfindlich bis gereizt auf jede Störaktion. Und Turbulenzen in der Union ziehen immer auch die Werte in Bayern mit nach unten.
Deshalb hält Söder auch nichts von neuen Vorstößen zum Asylrecht oder härterem Durchgreifen in Freibädern, weil polarisierende Debatten nach Ansicht seiner Strategen das Wählerpotenzial der Volkspartei CSU schmälern. Doch Söder ist auch insgesamt ein gefährlicher „Partner“ für Merz, weil er unberechenbar ist und stets von neuen taktischen und inhaltlichen Ideen getrieben wird.

CSU-Chef Markus Söder führt seine Partei erneut als Spitzenkandidat in die Landtagswahl im Oktober.
Ein Frühaufsteher mit Überdruck und Tatendrang, für den umfassende Absprachen und Abstimmungen mit anderen Akteuren nicht zur höchsten Priorität gehören. Als CSU-Vorsitzender wird Söder auf jeden Fall ein Wort mitreden bei der Festlegung des Kanzlerkandidaten der Union und kann auch sonst durch Allianzen mit anderen CDU-Landesfürsten, kleine Nadelstiche oder kritische Wortmeldungen großen Einfluss darauf ausüben, ob Merz gestärkt oder geschwächt wird.
Bislang ist Merz für Söder ein berechenbarer Ansprechpartner. Ob und wie lange das so bleibt, ist offen. NRW-Regierungschef Hendrik Wüst hat mit seinen Gastbeitrag in der FAZ genau zum Termin des kleinen CDU-Parteitags im Juni zwar ein erstes Zeichen seines Machtanspruchs gesetzt, ist mit diesem Testballon allerdings nicht auf so breiten Zuspruch gestoßen, dass er sich offen als Konkurrent aus der Deckung wagen könnte.

Er und seine Mitstreiter können für Merz sehr unangenehm werden, offen bekämpfen mit dem Ziel der Ablösung können sie ihn einstweilen noch nicht.
Wüst muss sich – gewissermaßen aus sportlichen Gründen – als Chef des mitgliederstärksten CDU-Landesverbands als Führungsfigur neben Merz ins Position bringen, ist allerdings in seinen inhaltlichen und taktischen Winkelzügen deutlich weniger flexibel als Söder, weil er auf einen eher links-liberalen Mittenkurs seiner schwarz-grünen Koalition festgelegt ist und erkennbar keine konservativen Akzente setzen will. Er und seine Mitstreiter können für Merz sehr unangenehm werden, offen bekämpfen mit dem Ziel der Ablösung können sie ihn einstweilen noch nicht.
Wüst und Söder sind nicht die einzigen Konkurrenten
Doch Wüst und Söder sind nicht die einzigen Konkurrenten für Merz, die ihm gefährlich werden könnten. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel „Genosse“ Günther (CDU) etwa werden intern im Rennen um die Kanzlerkandidatur der Union derzeit keine Chancen eingeräumt, weil sein jungenhaft-liberaler Politikstil zwar im hohen Norden sehr beliebt ist, aber im Rest der Union mit Argwohn betrachtet wird. Als Allianzen-Schmied, eine höfliche Umschreibung für Intrigen, ist aber auch er nicht zu unterschätzen.
Und auch Ex-Gesundheitsminister Jens Spahn (43, CDU), der jetzt Unionsfraktionsvize für Wirtschaft und Energie ist, sondiert nach NIUS- Informationen, ob es in der Union relevante Kreise gibt, die sich jenseits der großen Köpfe hinter ihm versammeln würden, um ein Zeichen für junge und konservative Politik zu setzen. Spahn hatte sich bereits gemeinsam mit Merz und der früheren Saar-Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer um den CDU-Vorsitz beworben.
Bevor die nächste Runde der offenen Machtkämpfe in der Union ansteht, wird Merz allerdings erst einmal viel Kraft darauf verwenden müssen, Chaos und Zwischenrufe unter Kontrolle zu halten. Dass ausgerechnet der gescheiterte Saar-Ministerpräsident Tobias Hans (CDU), der die Union im kleinsten Flächenland um zwölf Prozent schrumpfte, jetzt Zweifel an der Kanzlertauglichkeit des CDU-Chefs äußert, spricht Bände für die innere
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