„Männlichkeit in die Tonne kloppen“, fordert Christoph May – wie ein linker Guru durch Medien und NGO-Komplex tourt
Ein Beitrag von
„Männlichkeit muss insgesamt verdächtig werden“, sagt er. Und darüber, ob es Männer noch brauche: „Nee, braucht’s nicht. Das Konzept von Männlichkeit braucht es nicht.“ Christoph May, der sich als Männlichkeitsforscher und Aktivist präsentiert, steht für eine Form der Männlichkeitskritik, die nicht mehr reformieren, sondern abschaffen will – und die über Medien und Steuergeld-geförderte Formate zunehmend Reichweite erhält.
Durch die Collien-Fernandes-Debatte glauben Menschen wie er, dass ihr Moment gekommen ist: Aktivisten, die der Gesellschaft erklären wollen, wie rückständig und borniert sie angeblich noch immer ist. Einer der umtriebigsten unter ihnen ist Christoph May. Wenn er spricht, ist eine gewisse Unduldsamkeit kaum zu überhören.
Männer müssten endlich erkennen, dass sie in einem Patriarchat leben, in dem sie strukturell für Gewalt und Sexismus gegenüber „weiblichen und queeren Menschen“ verantwortlich seien. Überall sieht er „männliche Monokulturen“ und „Männerbünde“, die es aufzubrechen gelte.
„Männlichkeit muss insgesamt verdächtig werden“
In diesen Tagen tut Christoph May das, was viele Linke tun, wenn ihr Thema „Patriarchat“ aufploppt. Er steigt auf die Apfelsinenkiste und verkündet: „Männer müssten sich solidarisieren, demonstrieren, zuhören und sich mit ihrem eigenen Umfeld auseinandersetzen. Sie müssen über Sexismus, Gewalt und Privilegien sprechen – auch untereinander.“
Auf die Frage eines Deutschlandfunk-Moderators, ob es beim Thema Ulmen/Fernandes auch positive Beispiele gebe, antwortet er: „Einige Männer haben sich geäußert, aber meist zu spät und halbherzig. Es braucht mehr Engagement – nicht nur an einzelnen Aktionstagen, sondern im Alltag.“
Für den Fall Fernandes gilt für ihn: „Männer müssen sich positionieren – ob sie wollen oder nicht. Jeder Mann, der schweigt, macht sich verdächtig. Männlichkeit muss insgesamt verdächtig werden.“ Eine Forderung, die bei NDR Kultur als Kachel verbreitet wird.

Christoph May agitiert für eine Kultur des permanenten Verdachts.
Mays Sprache ist die eines Bewegungsaktivisten. Sie zielt auf permanente Mobilisierung. Jeder soll aktiv werden – und wer es nicht tut, gerät unter Verdacht. Eine solche Logik kennt nur noch Beteiligte und Verdächtige – neutrale Spielräume gibt es nicht mehr.
Gründer des „Detox Masculinity Institute“
Christoph May arbeitete früher im Berliner Techno-Club Berghain und bewegte sich in der Graffiti-Szene der Hauptstadt. Er studierte Literaturwissenschaft, Komparatistik und Alte Geschichte.
Irgendwann, so beschreibt er es selbst, sei ihm bewusst geworden, wie stark diese Milieus von Männern dominiert waren – und dass auch er selbst in solchen „männlichen Monokulturen“ aufgewachsen sei. Aus dieser Einsicht heraus gründete er im Jahr 2016 eine eigene NGO: das „Detox Masculinity Institute“.
Seither ist May in Strukturen eingebunden, in denen Aktivismus, Bildung und öffentliche Förderung eng miteinander verzahnt sind. Er tritt regelmäßig bei öffentlich organisierten Veranstaltungen auf, organisiert Vorträge und sitzt als Gesprächspartner auf Podien. Zu den Veranstaltern zählen unter anderem Institutionen wie die Stadt Berlin oder die Bundeszentrale für politische Bildung.

May verbreitet seine Philosophie auch in staatlichen Institutionen.
Dass sein Thema weit über eine bloße Geschlechterdebatte hinausgeht, zeigt ein Blick in die Veranstaltungsbeschreibung. Dort heißt es etwa: „Bis heute dominieren männliche Normen unsere Gesellschaft. Doch sind es nicht vielleicht gerade veraltete Vorstellungen von Männlichkeit, die Fortschritte bei Klimaschutz, Diversität, Feminismus, Gleichstellung und Friedenspolitik ausbremsen?“
Feindschaft gegenüber Männlichkeit wird hier zum Hebel für ein breites linksgrünes Programm.

Auf seiner Website präsentiert er die zahlreichen Stationen seiner Aktivitäten, unter anderem: NGOs.
Presented by Bundeszentrale für politische Bildung
Inzwischen hat May auch die nächste Ebene erreicht. Im Oktober 2025 veranstaltet die Bundeszentrale für politische Bildung einen „Konzert-Dialog mit Chor und Talk“ zur kritischen Auseinandersetzung mit Männlichkeitsbildern. Die Leitfrage: „Wann ist ein Mann ein Mann?“

May erhält Steuergeld von der Bundeszentrale für politische Bildung.
Für die Veranstaltung wurden Mittel in Höhe von insgesamt 5.419,67 Euro eingesetzt (für Miete, Honorare, Reisekosten, GEMA-Gebühren u. a.), wie NIUS auf Anfrage erfuhr. „Christoph May hat ein Honorar in Höhe von 700 Euro erhalten. Darüber hinaus wurden keine Veranstaltungen mit Christoph May durchgeführt“, so die Bundeszentrale für politische Bildung.
Christoph May wurde auch vom Familienministerium gefördert, wie NIUS auf Anfrage erfahren hat: Nach Angaben des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend wurde die betreffende Veranstaltung – die Equal Pay Day Soirée im „bUm“, einem „Raum für solidarisches Miteinander“ in Berlin-Kreuzberg – im Rahmen der nationalen Equal-Pay-Day-Kampagne mit rund 21.000 Euro aus öffentlichen Mitteln unterstützt; May erhielt für seinen Auftritt ein Bruttohonorar in Höhe von 595 Euro.
Männlichkeit abschaffen
Doch ist May auch in Podcasts sehr präsent. Auf die Frage, „brauchen wir überhaupt noch Männer?“, antwortet er in einem Gespräch mit der Journalistin Barbara Haas: „Ich bin die Fraktion, die darauf ganz deutlich sagt: Nee, braucht’s nicht. Das Konzept von Männlichkeit braucht es nicht.“
Er argumentiert mit einem „feministischen Paradoxon“: „Wenn wir Männlichkeit nicht mehr mit Aggression, Wut, Gewalt, Macht und Stärke verbinden, ist es keine Männlichkeit mehr.“
Auf die Frage, wie denn ein neues positives Männerbild aussähe, sagt er: „Wir können es heute gar nicht wissen, weil die Kritik, die die feministische Bewegung seit 200, 300 Jahren führt, Männern noch bevorsteht. Solange man nicht durch diese Kritik gegangen ist“, könne man nicht wissen, „was positive Männlichkeit sein könnte.“ In einem Gespräch mit dem Podcaster Sebastian Tigges geht es am Ende auch um die Frage, ob Männlichkeit denn zu retten sei. Darauf antwortet er, das „Konzept der Männlichkeit“ sei „in die Tonne zu kloppen“. Und ohnehin gibt es Männer und Frauen ja gar nicht wirklich, schließlich gebe es „Geschlechter so viele, wie es Menschen gibt“, wie May postuliert. „So fluide muss man das sehen.“
Es geht Christoph May also nicht darum, dass Männer über möglicherweise typisch männliche, negative Verhaltensweisen reflektieren, um stattdessen gute und sympathische männliche Seiten zu stärken, sondern um die Abschaffung von Männlichkeit schlechthin. So verstrickt er sich auch in Widersprüche, denn damit ist „toxische Männlichkeit“ eine Tautologie – wie „nasses Wasser“ –, und sogar der Name seines Instituts ergibt keinen Sinn mehr. Wenn es heißt, dass er Männlichkeit „entgiften“ will, bedeutet das begrifflich, dass er eine gesunde Form herstellen will. Doch für ihn ist Männlichkeit offensichtlich so vergiftet, dass sie sterben muss.
In dieser ins Totalitäre neigenden Sichtweise ist nichts mehr harmlos. Väter, die mit ihren Söhnen zum Fußball gehen, werden zum Problem. Entsprechend fordert er: „Geht mit euren Kids nicht zu männlichen Fußballspielen.“ Denn: „Wenn ihr mit euren Kindern nicht zu weiblichen, queeren Fußballspielen geht, vermittelt ihr: Fußball ist männlich.“
Es gibt keine Unschuld mehr. Alles ist politisch.

Ein Vater und sein Sohn, beide Fans von Manchester City, besuchen das FA-Cup-Halbfinale zwischen Nottingham Forest und Manchester City im Wembley-Stadion in London, England, am 27. April 2025.
Ideologisch mit dem Kopf durch die Wand
In diesem Gespräch zeigt sich in aller Deutlichkeit: Die Realität wird der Ideologie unterworfen – wenn sie nicht passt, wird sie passend gemacht. Mitunter nimmt das groteske Züge an. Es geht um ein zwölfjähriges Mädchen, das in einer Jungen-Fußballmannschaft spielt. Die Mutter berichtet, dass es für ihre Tochter ab dem Zeitpunkt schwierig werde, an dem die Jungen körperlich überlegen sind – weshalb am Ende getrennt gespielt wird.
May widerspricht entschieden: „Das Argument körperlicher Unterschiede kann ich nicht gelten lassen.“ Später legt er nach: „Bis heute habe ich keinen plausiblen Grund gehört, warum man Mädchen und Jungs ab einem bestimmten Alter trennt. Und das Argument, was du gesagt hast, kann ich leider nicht gelten lassen, dass körperliche Dinge eine Rolle spielen. Es wäre ja die Aufgabe des Trainers, alles daran zu setzen, hier noch mehr Mädchen in den Klub zu bekommen. Ich will, dass das hier gemischt wird, weil das Spiel sich dadurch verändert – und zum Guten verändert.“
Dass das nur gehe, indem die Spielregeln geändert würden, wie seine Gesprächspartnerin einwendet, nimmt er als Konsequenz in Kauf: Für May ist alles eine Frage der sozialen Gestaltung: Jungen könnten lernen, ihr Spiel anzupassen, neugierig zu sein, voneinander zu lernen. Der Trainer müsse dafür sorgen, „das Spiel anzupassen“ und eine Umgebung zu schaffen, „in der sie einfach gefördert wird, supportet wird“.
Seine Vision geht jedoch noch weiter. Er fragt: „Warum nicht diverse, gemischte Teams mit sämtlichen – wo alle Geschlechter vertreten sind, alle Ethnien, alle Behinderungen auf dem Platz, alle Altersstufen?“
Am Ende steht eine intersektionale Fußball-Utopie: mit seinen Inklusionsforderungen geht er so weit, das komplette Spiel und seine Regeln zu verändern.
Alles ist veränderbar. Alles der Ideologie zu unterwerfen.
Das evangelische Internat
Was sich in all dem zeigt, ist mehr als nur linker Aktivismus mit feministischem Anstrich – es ist eine postmoderne Erweckungsbewegung. Über allem liegt ein umfassender Schuldzusammenhang: Mannsein erscheint als Makel, der erkannt, benannt und überwunden werden muss. May predigt, mobilisiert, bekehrt – und wer sich entzieht, gerät unter Verdacht. In dieser Logik erscheint die Welt als permanentes Prüf- und Bußfeld, in dem es keine Unschuld mehr gibt. Hier herrscht nur noch der Geist des Totalitären – eine Queer-Ideologie, die alles umwerfen und umwälzen soll.
Auffällig ist, dass May selbst als Schüler auf einem „evangelischem Internat“ war, wie er erzählt. Es liegt nahe, dass er dort früh mit einem Denken vertraut wurde, das Schuld, Selbstprüfung und moralische Läuterung ins Zentrum stellt – nur dass an die Stelle religiöser Erlösung heute die politische Reinigung tritt.
Mehr NIUS:
Medienbericht: Ministerpräsident Voigt soll Holocaust-Gedenkrede mit KI geschrieben haben
Ein Nachmittag der Absurditäten: NIUS undercover beim Würmer-Parlament
Grüne verhandeln umstrittene Parteireform: Zu viel Macht für Funktionäre?
Die Schlacht der langen Männer
Wie Al Gores apokalyptische Doku die Welt in die Klima-Angst hypnotisierte
Weil er sich in einer ZDF-Doku kritisch äußerte: Bremen feuert Jobcenter-Mitarbeiter Fred Göcken
Sogar von Grünen kommt Kritik: Aufstand gegen NIUS-Zensur bei der BVG
Die wahre Putin-Partei ist die SPD
Mehr NIUS:
Die Schlacht der langen Männer
Wie Al Gores apokalyptische Doku die Welt in die Klima-Angst hypnotisierte
Weil er sich in einer ZDF-Doku kritisch äußerte: Bremen feuert Jobcenter-Mitarbeiter Fred Göcken
Sogar von Grünen kommt Kritik: Aufstand gegen NIUS-Zensur bei der BVG
Die wahre Putin-Partei ist die SPD
Warum die Politik den Majestätsbeleidigungsparagraphen gar nicht abschaffen will
CSU blamiert sich mit „Frohnleichnahm“-Doppelfehler: Krah wurde Fake vorgeworfen, doch er hatte recht
CDU sagt Präsidiumsklausur in Sachsen-Anhalt ab
Felix Perrefort
Artikel teilen
Kommentare