Mehrheit für das Selbstbestimmungsgesetz? Wie bei der Umfrage getrickst wurde
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Ob beim Hitradio RTL, beim Stern oder beim Handelsblatt: Viele Medien haben am heutigen Freitag, dem Tag, an dem das sogenannte Selbstbestimmungsgesetz in Kraft getreten ist, die gleichlautende Botschaft vermeldet: „Viele finden Selbstbestimmungsgesetz gut.“ So heißt es allerorten.
Grundlage dieser Vermeldungen ist eine Umfrage der Meinungsforscher von YouGov, laut der 47 Prozent der Deutschen das Gesetz befürworteten und 37 Prozent das Gesetz ablehnten. Bemerkenswert ist, wie stark diese Ergebnisse von einer früheren Umfrage von Civey abweichen. Vor einem Jahr standen demnach dem Gesetz noch zwei Drittel der Deutschen negativ gegenüber und nur 22 Prozent befürworteten es.
Radikaler Sinneswandel oder suggestive Fragestellung?
Hat sich die Meinung der Deutschen zum jährlich möglichen Geschlechterwechsel per Sprechakt, dem Einsatz von Pubertätsblockern bei Jugendlichen – entgegen aller Befürchtungen – binnen eines Jahres radikal verändert?
Wohl kaum. Interessant ist nämlich die Unterschiedlichkeit der Fragestellung der beiden Umfragen: Während Civey vor einem Jahr mit der Fragestellung „Wie bewerten Sie das geplante Selbstbestimmungsgesetz, wonach Menschen ihren Geschlechtseintrag künftig einmal im Jahr beim Standesamt ändern können?“ relativ offen und deskriptiv, also die Umstände beschreibend, bleibt, klingt die Fragestellung von YouGov deutlich suggestiver:
„Das Selbstbestimmungsgesetz soll den Prozess erleichtern, wenn trans-, intergeschlechtliche und nichtbinäre Personen ihren Geschlechtseintrag im Personenstandsregister und ihren Vornamen ändern lassen wollen. Nach allem, was Sie darüber wissen, befürworten Sie das Selbstbestimmungsgesetz oder lehnen Sie es ab?“

Die Ergebnisse der YouGov-Umfrage, die aktuell landesweit zitiert wird.
Ein ganzer Satz wird dafür verwendet, die – scheinbar unverfänglichen – Ziele des Gesetzes in den Vordergrund zu rücken und schon ist die Mehrheit der Deutschen eher positiv eingestellt. In beiden Fragestellungen kommen die differenzierten Debatten über die Folgen des Gesetzes, die Tatsache, dass Jugendliche ab 14 Jahren auch gegen den Willen ihrer Eltern ihren Geschlechtseintrag wechseln dürfen, die Kritik, dass heftige, irreversible medizinische Eingriffe normalisiert werden könnten und die Befürchtung, dass das Gesetz für das Eindringen in Frauenschutzräume missbraucht werden könnte, nicht vor.
Dabei zeigt die YouGov-Befragung weiterhin, dass offenbar die Mehrheit der Menschen im Land nicht zu 100 Prozent weiß, worum es bei dem Gesetz im Konkreten geht und welche Folgen es haben könnte: So gaben nur 25 Prozent der Befragten an, tief im Stoff zu sein. 48 Prozent attestierten sich eine ungefähre Kenntnis der Materie, wohingegen 28 Prozent der Befragten von sich sagen, nicht wirklich zu wissen, worum es bei dem Gesetz geht.
Das heißt also: Eine befragte Gruppe, die von sich selbst sagt, nur teilweise oder kaum über das Gesetz Bescheid zu wissen, wird mit einem langen, positiven Präambel-Satz und ohne Erwähnung der vorhandenen Kritik nach ihrer Zustimmung zu eben jenem Gesetz befragt und das Ergebnis wird zur landesweiten, positiven Überschrift.
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