Merz lässt Wüst im Regen stehen: NIUS auf Wanderung mit CDU-Größen
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Sommerreisen sind im Trend, auch wenn der Sommer nicht so recht in die Gänge kommt. Wenn Politiker auf Sommerreise gehen, signalisieren sie Bürgernähe, Interesse am Leben „draußen im Land“ und produzieren schöne Bilder. Meistens zumindest. Und in diesem Fall ohne Parteichef Friedrich Merz.
Bei der gemeinsamen Reise von Hessens Ministerpräsident Boris Rhein und seinem Nordrhein-Westfälischen Amtskollegen Henrik Wüst (beide CDU) sollte am Montag zudem die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Mittelpunkt der gemeinsamen Wanderung vom hessischen Willingen zum Winterberg in NRW im Mittelpunkt stehen. Doch schon das Wetter scheint sich zum Wochenstart gegen die beiden verschworen zu haben: Ein ergiebiger Landregen geht an der Willinger Großschanze im Hochsauerland nieder, als die beiden eintreffen.
Fröhlich steigen sie aus der Schanzenbahn und begeben sich auf schwankenden Grund, den nagelneuen, 665 Meter langen und gewöhnungsbedürftig an ihren Seilen über dem 100 Meter tiefen Tal pendelnden „Skywalk“. „Wir sind die Skywalker“, witzelt Wüst nach bestandener Mutprobe, während die Abgesandten der beiden Staatskanzleien Gerüchte über vermeintliche Höhnangst des einen oder anderen Regierungschefs zu zerstreuen suchen, von denen lokale Politiker raunend berichten.
Der Regen verfestigt sich stoisch zu einem stiebenden Dauerniesel, der durch die Jacken dringt, die Hosen von vorn durchnässt und das Wasser von den Brillen tropfen lässt. Die „schönen Bilder“ ertrinken im Grau des Juli-Himmels, während Wüst (blaue Regenjacke und Basecap) und Rhein (grüne Forstjoppe) sich wacker die Probleme mit dem Borkenkäfer, der Aufforstung, Trockenheit und Wildverbiss erklären lassen. So viel Zeit muss sein.

Mit viel Nähe für den Borkenkäfer, die Aufforstung, Trockenheit und den Wildverbiss.
Tourismus als Wirtschaftsfaktor und die Situation des Waldes
Gut sechs Kilometer soll die Wanderung vom Schanzenkopf in Willingen über die Hochheide am Winterberg gehen. Die schwarzen Limousinen (Audi A8 Langversion und A6 quattro) der Security und der Regierungschefs fahren mit gebührendem Abstand den Forstweg voraus, halten Wechselsachen bereit oder wären startklar für eine kurzfristige Flucht. Man kann ja nie wissen. Waldwanderung mit Wagenkolonne. Gemütlich wird es trotzdem nicht so recht.

Gepanzerte Limousinen fahren vor.
Doch geplant ist geplant. Mit einigem Zeitverzug kommt die Wandergesellschaft durchnässt, frierend und mit wertvollen Details über die touristische Attraktivität der Region, die Schafzucht auf der Hochheide und die schwierige Vereinbarkeit von Schule und Leistungssport in dem Wintersportgebiet schließlich an der Winterberg-Hütte an. Dort geben Wüst und Rhein in drangvoller Enge vor still dampfenden Presseleuten ihre Statements ab. Die Kanzlerfrage stelle sich jetzt nicht, sagt Wüst, der an diesem Montag seinen ersten Arbeitstag nach den Urlaub hat. Die AfD-Debatte sei eh beendet, auch CDU-Chef Friedrich Merz aus dem benachbarten Brilon sei da ganz klar, dass es keine Zusammenarbeit mit der AfD auf keiner Ebene gebe. Und im Übrigen gehe es bei dieser Wanderung um den Tourismus als Wirtschaftsfaktor, die Situation des Waldes und den Leistungssport.

Nach außen hin mit guter Laune. Hinter verschlossenen Türen wurden dann die großen Themen diskutiert.
Merz sei gefragt worden, ob er mitwolle, erfuhr NIUS im Umfeld des Parteichefs, er habe aber auf Grund anderer Termine darauf verzichtet. Der Rest findet hinter verschlossenen Türen statt und soll nicht zitiert werden. Die fortschreitende Deindustriealisierung, Migration und der Kurs der Union sind da Thema.
Schwere Themen, schwerer Himmel, der draußen wie Blei über den Wäldern liegt und den Fernblick mit aufsteigenden kleinen Dunstschwaden trübt. Die Wagenkolonnen, zehn Limousinen aus Düsseldorf und Wiesbaden, warten am Schluss kurz vor 17 Uhr vor der Winterberg-Hütte, machen sich zurück in die Landeshauptstädte, und auch an der Schanze in Willingen kehrt wieder Ruhe ein. Politiker-Sommerreisen im Praxistest.

Mutete stellenweise wie ein Balanceakt an: Sommerreise der Politiker Wüst und Rhein.
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