Modernisierungsminister Wildberger will vom „Kieselstein“ zur „Einlegesohle“ im Schuh der Verwaltung werden
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Es gibt eine Art überdrehter Unternehmensberater-Sprache, die umgehend erhöhten Windbeutel-Alarm auslöst. „Deutschland braucht wieder mehr Lust auf Wettbewerb und Begeisterungsfähigkeit. Das wollen wir entfachen“, schreibt Modernisierungsminister Karsten Wildberger in seinem „Zielbild Durchbruch für Deutschland“.
Table Briefings, das zuerst aus dem Papier zitieren durfte, schreibt: „Es heißt, das Haus werde am Anfang auch mal so was wie der ‚Kieselstein im Schuh‘ der anderen (was in der Regel nervt) sein. Angestrebt werde aber, deren neue ‚Einlegesohle‘ zu werden, (was am Ende wohltut).“
Ein Hoch auf die wohlklingende Wolkigkeit
Das ganze „Zielbild“ atmet jenen blumigen Berater-Sound, der mit wohlklingender Wolkigkeit von liebevollen Team-Sitzungen statt wirklicher Arbeit zeugt. „Deutschland hat sich verknotet. Das BMDS (Bundesministerium für Digitalisierung und Staatsmodernisierung) ist angetreten, den Knoten zu entflechten.“
Es ist ein Text in gestammelten Überschriften, dessen Sätze nicht aufgehen, dafür aber Aufbruch in Schlagworten signalisieren sollen. „Und der Eindruck, dass wir gegenüber vielen anderen Ländern ins Hintertreffen geraten, dass wir gegen den Abstieg spielen. Mit unserer Industrie. In der Wirtschaftskraft. Bei wichtigen Zukunftstechnologien. Es hat sich massiv etwas angestaut in Deutschland. Die Bürger wünschen sich dringlichst, dass der Knoten endlich zum Platzen gebracht wird. Deshalb braucht das Land dringend ein Aufwecken, Aufschrecken, Aufwachen.“

Karsten Wildberger und Friedrich Merz
Powerpoint-Lyrik mit „und“ am Satzbeginn und Verzicht auf Tätigkeitsworte (Verben). Eine intensive Simulanten-Sprache der gezielten Anscheinserweckung: „Und nur mit einer klaren Sprache und glaubwürdigen Tonalität wird Veränderung sichtbar: Dinge werden endlich angepackt, spürbarer Fortschritt entsteht, verkrustete, ja betonierte Strukturen werden aufgebrochen und verwandeln das Land zum Positiven – trotz aller Hindernisse und Widerstände.“ Ein beherzter Griff ins Plattitüden-Archiv: „Um aufzuholen und wieder zu überholen, braucht es einen neuen Sportsgeist, einen neuen Führungsanspruch, in den kritischen nicht-physischen Zukunftstechnologien weltweit spitze zu sein. Und um damit einen entscheidenden Beitrag zu einem technologiestarken Europa zu leisten. Deutschland modernisiert. Europa skaliert. Die einfache Logik dahinter: Deutschland muss Modernisierungsweltmeister werden, damit Deutschland eine Hochleistungsdemokratie sein kann.“
Ministerium der Wunsch-Welten
Jeder, der schonmal mit Unternehmensberatern gearbeitet hat, kennt diese Hauptsätze, in denen man „braucht“, „will“, „muss“ und „Ziele definiert“, die nach der teuren Beratung direkt in der Tonne landen. Leitbilder, Projektionen, Wunsch-Welten haben jetzt ein eigenes Ministerium bekommen, das in Ermangelung spürbarer, harter Resultate erst einmal Wort-Wolken produziert.
„Wir brauchen einen Durchbruch für Deutschland. Gemeinsam mit allen Ministerien. Mit allen Ländern und Kommunen. Mit allen Bürgerinnen und Bügern. Und mit der gesamten Wirtschaft. Deshalb trägt unser Zielbild den Titel: Durchbruch für Deutschland. Das BMDS macht. #WirMachen. Schnell. Entschlossen. Ergebnisorientiert.“
Potemkins Dörfer waren gestern, Wildbergers Weiten locken heute weltweit: „Wenn also in Deutschland etwas im Bereich der Politik grandios vorangebracht werden soll, sollte eine Art ‚Sonderpolitikzone‘ reklamiert werden. Weg von parteipolitisch aufgeladenen und vorurteilsbelasteten Begriffen, hin zu einer Sprache, die Tatkraft vermittelt und Menschen mobilisiert. Weg vom Mahnen und Sprechen über Versäumnisse
und darüber, was alles falsch gelaufen ist, hin zum Ausmalen von Zukunft, zum Wecken von Sportsgeist, zum positiven Anstacheln. So geht Durchbruch.“
Läuft.
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