Reisebetrieb der Flugbereitschaft: So aufwändig ist es, wenn Politiker durch die Welt jetten
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Deutschland macht weltweit nicht nur mit spektakulären Niederlagen (manchmal auch mit Siegen) bei internationalen Fußball-Turnieren von sich reden, sondern immer wieder auch mit den Pannenfliegern der Bundesregierung. Wenn jetzt Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) auf ihrer Reise nach Australien, Neuseeland und Fidschi in Abu Dhabi wegen eines Defekts an den Landeklappen gestrandet ist, dann reiht sie sich ein in eine lange Pannen-Tradition.
Im Herbst 2015 musste etwa Kanzlerin Angela Merkel (CDU) auf dem Weg zu den deutsch-indischen Regierungskonsultationen in Delhi kurzerhand auf einen Truppentransporter der Luftwaffe umsteigen, weil die Kanzlermaschine nicht starten konnte. 2018 endet Merkels Flug zum G20-Gipfel in Buenos Aires bereits in Köln-Wahn, weil eine defekte Funkanlage den Weiterflug unmöglich machte. 2022 musste der damalige Finanzminister Olaf Scholz (SPD) von Bali aus per Linienflug nach Berlin zurückkehren, weil Ratten am geparkten Airbus herumgenagt und sich in Hohlräumen eingenistet hatten.
Kann mal passieren, sollte aber nicht zur Serie werden. Dabei hat der Kanzler gegenüber seinen Ministern noch einen erheblichen Vorteil: Für ihn und den Bundespräsidenten muss bei Reisen mit dem Regierungsjet stets eine zweite Maschine auf dem Regierungsterminal des BER in Berlin-Schönefeld bereitstehen, um notfalls kurzfristig umsteigen zu können. Geht alles glatt, und braucht kein anderer Minister die Zweitmaschine, dann fliegt diese leer zum Heimatflughafen nach Köln-Wahn zurück.

Ex-Kanzlerin Merkel steigt aus dem Regierungsflieger.
Doch das ist nur ein kleiner Teil des aufwändigen Flugbetriebs, den man von außen kaum wahrnimmt. Baerbocks Flug-Fluch hängt auch damit zusammen, dass die Dienstzeiten der jeweiligen Besatzungen streng eingehalten werden müssen und ihre jetzige Crew nach dem abgebrochenen Flug erst zwölf Stunden Ruhezeit einlegen muss. Das betrifft nicht nur die Piloten, sondern die gesamte Kabinenbesatzung, alles in allem meist acht oder mehr Personen (Piloten, Kopiloten, Stewardessen und Stewards). Ein anderer Airbus A340-300 steht aktuell nicht zur Verfügung, und den Reserve-Airbus 350-900 darf die aktuelle Crew nicht fliegen. Eine andere Crew mit Visum für Australien gibt es derzeit ebenfalls nicht.
Merkel ließ zweiten Airbus „Übungsflug“ machen
Doch auch wenn alles glatt gegangen wäre, ist der Aufwand für solche Fernreisen beträchtlich. Um am Zielort nach kurzem Aufenthalt weiterreisen zu können, fliegt eine Ersatz-Crew mit einem Linienflug voraus, kann nach Ankunft die vorgeschriebene Ruhepause einlegen und dann den Regierungsflieger übernehmen. Die Hinreise-Besatzung fliegt dann Linie wieder nach Berlin zurück. Bei Reisen in den Pazifikraum reichen mitunter zwei Besatzungen nicht aus, um sämtliche Stopps und Strecken zu absolvieren.
Wegen der Pannenanfälligkeit ließ Kanzlerin a.D. Angela Merkel ehedem sogar einen zweiten Airbus zu einem „Übungsflug“ nach Japan fliegen, um auf jeden Fall sicher vom G7-Gipfel in Ise-Shima zurückzukommen und sich nicht vor der den anderen Staats- und Regierungschefs zu blamieren. In solchen Fällen sind dann drei oder sogar vier Besatzungen im Spiel.

Regierungsmaschine auf dem Flughafen von Abu Dhabi.
Besonders ärgerlich beim unfreiwilligen Stopp der Außenministerin war in diesem Fall, dass für die Notlandung 80 Tonnen Kerosin über dem Persischen Golf abgelassen werden mussten, weil die Maschine sonst zu schwer gewesen wäre. Bitter für Baerbock, die zu Beginn ihrer Amtszeit erklärt hatte, mehr Dienstreisen mit der Bahn erledigen zu wollen. Um das grüne Gewissen zu beruhigen, werden freilich auch diese achtzig Tonnen – wie bei allen Flügen der Bundesregierung – durch den Kauf von Aufforstungszertifikaten ausgeglichen. Eigentlich müsste die Welt mit jedem Politikerflug grüner werden. Eigentlich.
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Ralf Schuler
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