Schöner U-Bahn fahren in Indien! Wie Entwicklungsministerin Svenja Schulze deutsche Steuermillionen verjubelt
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Während Millionen Deutsche an der maroden Fernbahn und dem ÖPNV verzweifeln, steckt Indien Milliarden in den Ausbau der Infrastruktur. Ein Gutteil des Geldes holt man sich ausgerechnet aus Deutschland, wo die grün-linke Regierung von der Rettung des Planeten träumt. Wenn es anderen gutgeht, geht es uns irgendwie auch gut, meint Entwicklungsministerin Svenja Schulze.
Freude in der indischen Provinz Gujarat: Indiens Premierminister Narendra Modi weihte am Montag eine neue Bahnlinie zwischen Ahmedabad und der Regionalhauptstadt Gandhinagar ein. Täglich wird eine sechsstellige Anzahl von Menschen die Fahrt in den funkelnagelneuen Zügen genießen – und das Beste: von den 611 Millionen Euro, die das Projekt kosten soll, kommen 100 Millionen aus dem Land, das für seine marode Bahn weltweit berüchtigt ist (NIUS berichtete).

Daheim in Berlin will man eher nicht mit der U-Bahn fahren, aber in Indien hat Svenja Schulze viel Spaß!
Macht nichts, ist nur geliehen, sagt die Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze (SPD), kriegen wir mit Zinsen „später“ von der Regierung in Neu-Delhi zurück. So wie die insgesamt zehn Milliarden Euro, welche die im Mai 2022 zwischen Indien und Deutschland vereinbarte deutsch-indische Partnerschaft für grüne und nachhaltige Entwicklung bis 2030 vorsieht (allein den nachhaltigen Ausbau des 44 Kilometer langen Nahverkehrsnetzes in der Hauptstadt Neu-Delhi hat Deutschland seit 2019 mit Krediten in Höhe von einer Milliarde Euro unterstützt). Die Unterstützung bestehe weitgehend aus zinsverbilligten Darlehen, erklärte im November vergangenen Jahres Jochen Flasbarth, Staatssekretär im Entwicklungsministerium.
Wenn arme Schlucker einer Allmacht Geld pumpen
Moment mal: Entwicklungshilfe und Milliardenkredite für ein Land mit 1,4 Milliarden Einwohnern, das zu der am schnellsten wachsenden großen Volkswirtschaft der Welt aufgestiegen ist? Das zuletzt sein Bruttoinlandsprodukt um 7,3 Prozent steigern konnte, während das BIP bei uns sinkt und wir aus den Top 20 der reichsten Länder der Welt herausgekippt sind? Das als vierter Staat weltweit mit seinem Chandrayaan-Programm eine erfolgreiche Mondlandung durchgeführt hat, während man beim „Weltraumkommando“ der Bundeswehr eine Handvoll schäbiger Aufklärungs- und Erderkundungssatelliten betreut, die mit ausländischer Hilfe in den Orbit verbracht werden müssen?
Klar, schließlich sind wir nach Angaben der internationalen Hilfsorganisation OECD mit insgesamt 33,9 Milliarden Euro noch immer der zweitgrößte Sponsor von Entwicklungsprojekten mit anderen Staaten, gleich hinter den USA. Svenja Schulze meint, auch Deutschland profitiere davon: „Denn unser Wohlstand beruht darauf, dass auch andere Länder in Infrastruktur investieren und dabei Technologien made in Germany‘ nutzen.“ Während Zugausfälle und -verspätungen in Deutschland nicht selten einer „Reparatur am Zug“ geschuldet sind, haben andere ihren Spaß an „Technologien made in Germany“ – und die Kohle dafür kommt auch dorther.
Die sich mit der Rettung des Planeten beauftragt wähnenden Grünen reichen deutsche Steuergelder gern ins Ausland weiter, wenn es um „erneuerbare Energien, nachhaltige Landwirtschaft, Ressourcenschutz und Klimaresilienz, nachhaltige Urbanisierung, feministische Entwicklungspolitik und soziale Sicherung“ geht. Und all das sieht ja die 2019 – also noch unter Merkel – beschlossene „Green Urban Mobility Partnership“ mit Indien vor. Anfang 2023 zog Siemens einen Rekord-Auftrag an Land, als Neu-Delhi für drei Milliarden Euro 1200 Lokomotiven bestellte, die Siemens Mobility allerdings direkt in Indien herstellen lässt.
Grüne Stationsgebäude vom Feinsten in Indien, versiffte Bahnhöfe bei uns
Im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) mit dem indischen Finanzministerium wurden Ende 2023 auch zwei Verträge für einen Entwicklungskredit in Höhe von 370 Millionen Euro und einen Förderkredit in Höhe von 130 Millionen Euro unterzeichnet. Die Mittel werden für den Bau eines S-Bahnsystems in der drittgrößten indischen Stadt Bengaluru eingesetzt. Geplant ist der Bau einer Bahnstrecke von 149 Kilometern mit 58 Stationen, für die eine Zertifizierung als „grüne Gebäude“ vorgesehen ist – dank effektiver Dämmung der Gebäude, Feinstaubfilter, Mülltrennungssysteme, nachhaltiger Baumaterialien und Photovoltaik auf den Stationsdächern. Davon kann jemand, der schon mal in den dystopischen Tunneln des Dortmunder Hauptbahnhofs unterwegs sein musste, nur träumen.

Im Gegensatz zu Berlin ist die Bahn hier bemerkenswert sauber.
In Indien brummt die Wirtschaft seit Jahren und die Regierung Modi will den Trend mit einem kräftigen Ausbau der Infrastruktur weiter vorantreiben. Investitionen von 134 Milliarden Dollar im Jahr bedeuten einen Anstieg der Infrastrukturausgaben um elf Prozent. Schon jetzt verfügt das Land über ein Schienennetz von 70.000 Kilometern Länge, neu ausgeschriebene Autobahnprojekte sollen laut Transportministerium mindestens 10.000 Kilometer umfassen und auch die Ziele für die Erweiterung seiner Metronetze, um die öffentliche Verkehrsinfrastruktur zu verbessern, sind durchaus ehrgeizig.
In Deutschland gibt es genau vier Städte mit einem richtigen U-Bahn-Netz: Berlin, Hamburg, München und Nürnberg. In Indien 18, und bis Ende 2025 sollen dort in 27 Städten Strecken mit einer Gesamtlänge von rund 1.700 Kilometern in Betrieb sein, bis 2030 sollen Metronetze in 50 Städten etabliert werden.
Die bittere Ironie, die der Tatsache innewohnt, dass hier ein verarmendes Land im Abstieg und mit kaputter Infrastruktur mit großherziger Weltretter-Attitüde Milliarden Euro in aller Welt verteilt, damit es wenigstens dort mit dem Bahnfahren klappt, scheint Menschen wie Svenja Schulze nicht bewusst zu sein. Mag die Kohleförderung in Indien auch jedes Jahr steigen, aktuell ist sie erstmals sogar auf eine Milliarde Tonnen pro Jahr angestiegen – Frau Schulze glaubt an sauberere Luft in den Städten wegen schöner deutscher U-Bahnen, Solarparks und Windanlagen auf dem Subkontinent. Und das alles dank uns! Und unser Geld, das ist ja nicht weg. Nur woanders.
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