Schweizer Zeitung fassungslos: „ARD und ZDF auf dem Weg zum Wahrheitsministerium“
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Was für ein vernichtendes Urteil unserer Nachbarn!
Die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) sieht eine düstere Entwicklung beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk: „ARD und ZDF auf dem Weg zum Wahrheitsministerium“. Unter dieser Überschrift attestiert die NZZ den deutschen Rundfunk-Kollegen, mehr betreutes Denken als objektive Berichterstattung zu verkaufen.
Der Text beginnt mit folgender Feststellung: „Die Belehrung durch den öffentlich-rechtlichen Rundfunk ist mittlerweile Programm.“ Da wäre beispielsweise das WDR-Magazin Monitor, das sich gegen eine „verharmlosende Klimasprache“ ausspricht. Der Begriff der „Erderwärmung“ sei zu niedlich, daher solle man bitte fortan von „Erderhitzung“ sprechen.
Und was ist mit der Nachwuchs-Journalistin, die ganz zufällig im Supermarkt vorbeikommt und die Klima-Preisaufschläge im Supermarkt lobt? Und was mit der gepimpten Tonspur unter den Klimakleber-Schreien, um die Polizei-Maßnahme ein wenig dramatischer wirken zu lassen. Alles Einzelfälle
Oberlehrerhaftes Sendungsbewusstsein
Das Urteil der NZZ-Autorin Claudia Schwartz: „Das Ergebnis ist ein flächendeckendes oberlehrerhaftes Sendungsbewusstsein bei den Öffentlich-Rechtlichen, die zunehmend allgemeinen Unmut auf sich ziehen. Es vergeht mittlerweile keine Woche, in der nicht eine neue Geschichte über einen frisierten Beitrag, ein verkürztes, sinnentstellendes Zitat oder einseitige Volkserziehung ohne jede Differenzierung auftaucht.“

TV-Satiriker Jan Böhmermann bei der 59. Grimme-Preisverleihung. Er bekommt den Preis in der Kategorie „Unterhaltung“.
„Bei der Häufung möchte man gar nicht wissen, wie viele verfälschte Beiträge gar nie aufgeflogen sind“, heißt es weiterhin in dem Artikel. Auch die Verantwortlichen der Sender bekommen ihr Fett weg. Als ZDF-Frontmann Jan Böhmermann neulich die gesamte CDU als „Nazis mit Substanz“ bezeichnete, hieß es aus der Chefetage, die Äußerung sei rein „privat“ gewesen.
Böhmermann, der seine gesamte Bekanntheit dem ZDF und damit dem Gebührenzahler zu verdanken hat, ist in diesem einen Moment auf Twitter also privat. Die NZZ schreibt dazu: „Aber wie sollen es die Mitarbeiter begreifen, wenn es die Chefs nicht anders halten?“
Stefan Brandenburg gibt sich auf Twitter als „Journalist, Chefredakteur WDR Aktuelles“ aus, mit dem Zusatz: „Das hier ist kein WDR-Account“. Wie soll da denn bitte die angehende Journalistin verstehen, dass man sich nicht aus persönlicher Überzeugung vor der Kamera als Supermarktkundin verkleiden darf? Die NZZ-Autorin hält eine Reform des Systems durch die Parlamente für unvermeidbar. Es sei klar, „dass die Kritik nicht mehr abebben wird, dafür ist schon zu viel Glaubwürdigkeit verspielt“.
In Österreich und der Schweiz passiert etwas
Auch in der Schweiz und in Österreich gibt es eine Diskussion über tendenziösen Journalismus. In der Schweiz, so die Autorin, passiere nun etwas. „Weil man als Fernsehzuschauer die Möglichkeit hat, dem Service public seine Unzufriedenheit mit einer Halbierungsinitiative vor die Füsse zu werfen“. Dort ist der öffentlich-rechtliche Rundfunk in einem Reformprozess.

Eine Sendeuhr des Schweizer Rundfunks (SRF). Auch in Österreich und der Schweiz gibt es Kritik am öffentlich-rechtlichen Rundfunk.
In Deutschland gebe es die Debatte über die einseitige politische Ausrichtung der öffentlich-rechtlichen Sender seit Jahren, aber das deutsche Verfassungsgericht habe bis dato den öffentlich-rechtlichen Rundfunk immer geschützt. Die NZZ-Autorin fordert: „Die Parlamente müssten sich nun angesichts der Missstände endlich in der Lage zeigen, etwas zu unternehmen, um diese Situation zu verbessern.“
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