Grüne Lobby: Die Telekom sucht Mitarbeiter, die im grünen Milieu vernetzt sind – kein Einzelfall
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„Es grünt so grün, wenn Spaniens Blüten blühen“, schmettern sie im Operetten-Klassiker „My Fair Lady“, und im politischen Berlin ergrünt auch so einiges, seit die Grünen an der Regierung beteiligt sind. Vor allem an den Spitzen von Lobby-Gruppen und Wirtschaftsverbänden wird fieberhaft nach Fachkräften gesucht, die im grünen Milieu vernetzt sind.
Jüngstes Beispiel: eine Stellenanzeige der Deutschen Telekom, in der ganz unverblümt „Senior Manager“ für „politische Interessenvertretung Bund (m/w/d)“ mit grünen Kontakten gesucht werden. „Sie verfügen über ein abgeschlossenes Studium der Politik oder Rechtswissenschaften sowie mehrjährige Berufserfahrung im Umfeld Public and Regulatory Affairs“, heißt es da. „Des Weiteren zeichnen Sie sich durch detaillierte unternehmensspezifische Kenntnisse oder außergewöhnliche Spezialkenntnisse sowie Fähigkeiten aus:
+++ Ausgezeichnetes externes Netzwerk im politischen Raum auf Bundesebene, insbesondere der Bundestagsfraktion und der Bundespartei B90/Grüne
+++ Umfangreiche Erfahrungen im Bereich der Politischen Interessenvertretung auf Bundesebene, z.B. durch langjährige Tätigkeit in einer Bundestagsfraktion oder einem Bundesministerium…“
Die Telekom ist kein Einzelfall. Der Ehemann von Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) war jahrelang Lobbyist für die Deutsche Post DHL Gruppe und wechselte aus Compliance-Gründen wenig später zur Kommunikationsagentur MSL, wo er für „Public Affairs“ zuständig ist.
Auch in der Agentur-Branche legt man großen Wert auf einen möglichst direkten Draht zu den Parteien und am besten in die Parteizentralen hinein. Kontaktmann für die Union bei MSL war jahrelang der frühere Sprecher des CDU-Kultursenators und Wahlkampfmanagers Peter Radunski, Axel Wallrabenstein.

Anzeige der Telekom: „Mit ausgezeichnetem Netzwerk in der Fraktion der Grünen“
Seit Amtsantritt der Ampel-Regierung sind Wirtschaftsverbände auf der Suche nach geeigneten Mitarbeitern, die die Interessen der jeweiligen Branche nicht konfrontativ gegenüber der Politik vortragen, sondern möglichst geschmeidig und mit guten Kontakten in den Parteien für ihre Belange werben und Deals schließen.
So hatte etwa der Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft (BDE) die bisherige Thüringer Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne) als neue Präsidentin bestellt, die im kommenden Jahr ihren Posten antritt. Siegesmund war Ende vergangenen Jahres überraschend aus privaten Gründen in Erfurt vom Ministeramt zurückgetreten und muss jetzt eine „Abklingphase“ durchlaufen. Sie habe beste Kontakte zu Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne), heißt in BDE-Kreisen. Der bisherige BDE-Präsident und frühere Berliner Finanzsenator Peter Kurth hat ein CDU-Parteibuch, das offenbar in der aktuellen Konstellation nur wenig Türen innerhalb der Bundesregierung öffnet.
Ob solche Rechnungen am Ende für die jeweilige Branche aufgehen und die Politik im gewollten Sinne zu beeinflussen ist, wird sich zeigen. Gut möglich, dass grüne Politiker und grüne Lobbyisten die Firmen mit vereinten Kräften aufs grüne Gleis setzen. Motto: Grüner wird’s nicht.
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Ralf Schuler
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