Medienbericht: Ministerpräsident Voigt soll Holocaust-Gedenkrede mit KI geschrieben haben
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Der Thüringer Ministerpräsident Mario Voigt gerät wegen einer Recherche von FragDenStaat unter Druck. Nach Auswertung des Transparenzportals weisen zahlreiche Reden und Gastbeiträge des CDU-Politikers deutliche Hinweise auf den Einsatz Künstlicher Intelligenz auf. Besonders brisant ist dieser Vorwurf bezüglich einer Rede Voigts zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus.
Am 29. Januar 2025 erinnerte Mario Voigt in einer Ansprache an die Ermordeten in den nationalsozialistischen Konzentrationslagern. In der Rede hieß es unter anderem: „Es war das Ergebnis eines Denkens, das die Menschlichkeit Stück für Stück aufgab – in Worten, in Entscheidungen, in Gleichgültigkeit.“
Laut FragDenStaat werde diese Rede von dem KI-Erkennungsprogramm Pangram zu 100 Prozent als KI-generiert bewertet. Auch das Programm GPTZero kam demnach zu dem Ergebnis, der Text sei „mit hoher Sicherheit“ durch Künstliche Intelligenz erstellt worden. Ein endgültiger Beweis ist das nicht: Auch FragDenStaat weist darauf hin, dass einzelne Analysen solcher Programme falsch liegen können. Im Gesamtbild der untersuchten Texte sieht das Portal aber eine auffällige Tendenz.
VoigtGPT liest eine KI-Rede zum Holocaust vor. Dazu fällt mir nichts mehr ein pic.twitter.com/mQuHiEr8I9
— Max Mannhart (@maxmannhart) June 9, 2026
Auffällige Muster in der Gedenkrede
FragDenStaat verweist bei der Rede auf sprachliche Merkmale, die häufig bei KI-Texten auftreten. Dazu gehören wiederkehrende Verneinungen, abstrakte Bilder und Formulierungen, die emotional wirken sollen, aber wenig konkret bleiben.
Ein Beispiel aus der Rede lautet: „Auschwitz war nicht das Werk eines erfundenen Ungeheuers. Es war das Werk von Menschen, die dachten, dass ihr Handeln im Einklang mit einem höheren Ziel stehe.“
An anderer Stelle beschrieb Voigt Überlebende der Konzentrationslager mit den Worten: „Ihre Augen waren leer und zugleich unendlich tief.“ Nach Angaben von FragDenStaat tauchte genau diese Formulierung wenige Monate später erneut in einer Rede Voigts zur Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald auf. Damit wurde eine besonders emotionale Passage im Kontext des NS-Gedenkens wortgleich wiederverwendet.
Staatskanzlei beantwortet Kernfrage nicht
Auf die konkrete Frage von FragDenStaat, ob Voigts NS‑Gedenkrede vollständig durch KI generiert worden sei, antwortete die Regierungssprecherin dem Portal nicht. Stattdessen erklärte sie allgemein, die Staatskanzlei nutze KI als unterstützendes Werkzeug. Wörtlich teilte sie mit: „Die Systeme werden unterstützend bei der Erstellung von Reden, Texten und Beiträgen eingesetzt.“ Man bewerte KI nicht als Ersatz menschlicher Arbeit, sondern als zeitgemäßes Hilfsmittel.
Die Recherche geht über die Gedenkrede hinaus. FragDenStaat analysierte nach eigenen Angaben elf Reden Voigts. Nur bei einem einzigen Text habe Pangram keine Hinweise auf KI-Erstellung erkannt. Bei neun der elf Reden soll das Programm einen KI-Anteil von mehr als 50 Prozent angezeigt haben. Drei Reden seien laut Analyse sogar vollständig KI-generiert, darunter auch Voigts Neujahrsansprache.
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