Union nervös: Merz’ Selbstzweifel befeuern Richtungsstreit
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In der Union sind sie seit langem alarmiert. „Wenn er sich zurücklehnt und irgendwie behaglich fühlt, dann wird es gefährlich“, sagt einer aus der CDU-Spitze zu NIUS über Partei- und Fraktionschef Friedrich Merz. Diesmal hat er sich beim Leserkongress der FAZ im Gespräch mit Herausgeber Berthold Kohler zurückgelehnt und über die laufenden Koalitionsverhandlungen gesprochen.
Merz: „Auf dieser Basis arbeite ich mit Lars Klingbeil zusammen, in der Hoffnung und auch der Erwartung, dass es uns beiden gelingt. Wenn es uns nicht gelingt, ist meine politische Karriere eh beendet.“ „Das sei dann – so wird Merz mit Blick auf die nächste Bundestagswahl von Bild zitiert – zu einem Zeitpunkt, zu dem ich damit umgehen kann, für Lars Klingbeil ist der Zeitpunkt dann ein bisschen zu früh.“
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Inmitten heikler Verhandlungen, in denen die Union ohnehin in einer heiklen Position ohne viele Druckmittel ist, über das mögliche Scheitern zu sprechen, grenze schon an Wahnsinn, sagt einer aus dem CDU-Bundesvorstand. Doch Merz redet nicht nur sich um Kopf und Kragen, sondern auch CDU/CSU ins Chaos. Sein Karriereende würde auch die Union in große Turbulenzen, neue Personalquerelen und mit hoher Wahrscheinlichkeit in einen Richtungsstreit zwischen CDU und CSU stürzen. Zweimal hätte CSU-Chef Markus Söder sich in diesem Fall scheiternde Kandidaten der großen Schwesterpartei vor die Nase setzen lassen. Noch einmal würde er sich und seine Partei wohl kaum mit in den Abwärtsstrudel ziehen lassen.

Union-Chef Friedrich Merz und Markus Söder (CSU), Ministerpräsident von Bayern
Denn Fakt ist: Die ersten Umfragen sehen die Union auf 27 Prozent absacken, während die AfD von unten auf 23 Prozent heranrückt. Parteien in Selbstfindung schätzen die Wähler nicht. Ein Szenario, das Politikprofis deshalb ausdrücklich nicht einmal erwähnen. In Hintergrundrunden nicht, und schon gar nicht auf offener Bühne. Politikprofis. Zweifel an der Professionalität von Merz machen hinter vorgehaltener Hand in der Union seit langem die Runde. Als er noch im Wahlkampf auf jeder Bühne die Aufweichung der Schuldenbremse kategorisch ausschloss, hatte Merz sich bei einer Veranstaltung der Süddeutschen Zeitung im November 2024 dann überraschend zu einer möglichen Reform geäußert und sein Umfeld wieder einmal in Alarmstimmung versetzt. Auch damals lehnte er sich auf der Bühne im Sessel zurück. CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann gab bis in die Nacht dieses Tages Interviews, um die Scharte wieder auszuwetzen.
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Ralf Schuler
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