„Wenn sie in den USA arbeiten wollen, sollten sie es dürfen …“ – Musk zündet Freizügigkeits-Bombe
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Es klingt nach einem Widerspruch zur Außenhandels- und Zoll-Politik von US-Präsident Donald Trump, doch was Trumps enger Berater Elon Musk bei der rechten Lega-Partei in Florenz vorgeschlagen hat, ist nicht weniger als ein Angriff auf Europas und vor allem Deutschlands massiven Bedarf an Fachkräften.
„Ich hoffe, dass es zwischen den USA und Europa eine sehr enge Partnerschaft geben kann … idealerweise mit Null-Zöllen“, sagte Musk und schloss dann den Hammer-Satz an, „und mehr Bewegungsfreiheit für die Menschen zwischen den USA und Europa. Wenn sie in den USA arbeiten wollen, wenn sie in Europa arbeiten wollen, sollten sie das dürfen. Das ist mein Rat an den Präsidenten“, sagte Musk auf die Frage von Lega-Parteichef und Italiens Vize-Ministerpräsident Matteo Salvini.
Bedeutet zusammengefasst: Musk wünscht sich, dass Menschen zum Arbeiten unbürokratisch und ohne große Hürden zwischen den Kontinenten wechseln können – und hat das auch US-Präsident Donald Trump empfohlen.
Eine Forderung, die nach romantischer, transatlantischer Partnerschaft und Freizügigkeit à la Schengen klingt, jedoch dramatische Folgen für den europäischen und gerade für den deutschen Arbeitsmarkt haben könnte – und zudem das amerikanische Interesse verfolgt, von einem deutschen Brain-Drain zu profitieren.
Immer mehr, vor allem junge, gut ausgebildete Menschen mit hohem Bildungsabschluss, denken darüber nach, aus Deutschland auszuwandern. Laut einer YouGov-Umfrage aus dem Juli 2024 haben 16 Prozent der Deutschen schon oft, weitere 38 Prozent hin und wieder ans Auswandern gedacht. Bei jungen Menschen im Alter zwischen 18 und 24 Jahren sind es zwei Drittel, die oft oder hin und wieder übers Auswandern nachdenken.
Und immer mehr setzen dies auch in die Tat um: Insgesamt wandern konstant jedes Jahr zwischen 1,1 und 1,3 Millionen Menschen aus Deutschland aus. Die meisten davon (1 Million) sind Ausländer, die Zahl der deutschen Staatsbürger, die aus Deutschland auswandert, hat sich in den vergangenen zehn Jahren etwa auf 260.000 bis 280.000 verdoppelt. Brisant: Rund 75 Prozent dieser deutschen Auswanderer haben einen Hochschulabschluss oder einen noch höheren Bildungsabschluss, sind also weit überdurchschnittlich gut ausgebildet.
Ein sogenannter „Brain-Drain“, die Abwanderung gut ausgebildeter Fachkräfte, passiert also bereits.

Musk wurde von Lega-Parteichef und Italiens Vize-Ministerpräsident Matteo Salvini befragt.
Würden die USA den Musk-Wunsch umsetzen, könnte Amerika ein Magnet für genau die Fachkräfte aus Deutschland werden, die ohnehin schon übers Auswandern nachdenken, sich aber bisher von hohen bürokratischen Hürden, Arbeitsvisa und anderen Hindernissen haben abschrecken lassen. Die USA würden direkt in den Wettbewerb mit Deutschland um deutsche Fachkräfte eintreten – und mit Blick auf die sehr hohe Besteuerung hoher Einkommen in Deutschland und die Dichte vielversprechender Unternehmen, Technologien und Start-ups sowie die allgemeine wirtschaftliche Situation in den USA, wären Abwanderungen in Scharen nicht auszuschließen.
Angesichts des ohnehin vorhandenen Fachkräftemangels in Deutschland und der zu erwartenden Verschärfung durch Millionen Babyboomer, die in den kommenden Jahren in den Ruhestand gehen werden, könnte der Musk-Plan Deutschland vor arbeitsmarktpolitisch noch größere Herausforderungen stellen als ohnehin schon.
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