Österreichs Wirtschaftsminister über das Verbrenner-Aus: „Diese Debatte steht sinnbildlich für das Dilemma, in dem wir uns in Europa befinden“
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Antrittsbesuche in Berlin bedeuten auch Antrittsbesuche bei NIUS! Der österreichische Wirtschaftsminister, Wolfgang Hattmannsdorfer, sprach bei „Schuler! Fragen, was ist“ über seine Pläne bei den drängendsten Themen: Energiewende, Standort-Attraktivität und die deutsch-österreichische Freundschaft.
Zum ganzen Interview geht es hier:
Wird das Verbrenner-Aus verschoben, Herr Minister?
Hattmannsdorfer war vor allem in Berlin, um mit seiner Amtskollegin Katherina Reiche eine gemeinsame Linie abzustimmen. „Es ist wichtig, dass sogenannte Like-Minded-Staaten – und das sind Österreich und Deutschland neben anderen, die einen ganz klaren Fokus haben auf die wirtschaftliche Entwicklung – sich zusammentun und auch versuchen, aktiv Politik in Brüssel zu machen“, sagt der 45-Jährige.
Wie steht es denn etwa um das Verbrenner-Aus? „Diese Debatte steht sinnbildlich für das Dilemma, in dem wir uns hier in Europa befinden“, antwortet Hattmannsdorfer. Denn: „Eine starke, selbstbewusste Automobilindustrie – neben dem Bereich Fahrzeugbau, Anlagenbau sowie vielen klassischen Industrien – hat den Standort stark gemacht.“ Diese Industrien seien der Grund, „warum sich Europa, warum sich Deutschland, warum sich Österreich auch so gut entwickelt haben.“

Der ÖVP-Mann Hattmannsdorfer wünscht sich auf europäischer Ebene einen deutsch-österreichischen Kurs zur Sicherung der Wirtschaftsstandorte.
„Man hat zugelassen, dass diese Industrien und damit auch die Arbeitsplätze schrittweise aus Europa verschwinden“, sagt Hattmannsdorfer. Er erklärt, dass hinter der Verbrennerdiskussion vor allem eine Debatte um Flottenziele stecke. „Und das ist auch meine zentrale Forderung, dass wir hier technologieoffener werden, neben getriebener Elektromobilität, was erneuerbare Kraftstoffe betrifft, was Plug-in-Hybride betrifft. Uns hat ja immer die Innovation so stark gemacht.“

Im Gespräch mit Ralf Schuler plädiert Wolfgang Hattmannsdorfer dafür, aus der „ideologisch motivierten Verengung“ herauszukommen und wieder technologieoffen zu handeln.
Einfach wieder den „Hausverstand einschalten“
Hattmannsdorfer erkennt in der Debatte um das Verbrenner-Aus eine „ideologisch motivierte Verengung“. „Dass wir quasi nur auf die Auspuffemissionen schauen, aber nicht in Summe schauen – was bedeutet das für die Umwelt im Bereich der Materialgewinnung, im Bereich der Batterieproduktion?“ Denn auch dort entstehen Emissionen.

Wolfgang Hattmannsdorfer schrieb seine Dissertation über den oberösterreichischen Wählermarkt.
Man müsse in der Debatte einfach wieder den „Hausverstand einschalten. Und Hausverstand bedeutet erstens technologieoffen zu sein, nicht gewisse Technologien von vornherein auszuschließen, sondern diese auch zuzulassen. Nicht einseitig bewerten: Was kommt raus beim Auspuff, sondern in Summe, was den Produktlebenszyklus auch betrifft, den Lebenszyklus betrifft.“
Seine Regierung wolle die Automobilindustrie in Europa halten. „Die Automobilindustrie ist nicht pfui und schädlich, sondern ist die Grundlage für unseren Wohlstand und für unser Wachstum.“
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Ralf Schuler
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