Welt-Journalist Deniz Yücel: Die Türkei leidet unter einer extremen Abwanderung von jungen, qualifizierten Leuten
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Er hat selbst im Gefängnis des türkischen Präsidenten Erdoğan gesessen und erklärt bei „Schuler! Fragen, was ist“ die aktuelle Lage in der Türkei: Welt-Journalist und Co-Chef des PEN-Berlin, Deniz Yücel ist einer der besten Türkei-Kenner Deutschlands.
Das ganze Interview sehen Sie hier:
Selbst am Niederrhein geboren, ist er ein erklärter Verfechter der Meinungsfreiheit und hat auch auf die Proteste gegen die Verhaftung des Istanbuler Bürgermeisters Ekrem Imamoğlu einen nüchternen Blick: „Es ist nicht so, dass Erdoğans Regime jetzt wackelt“, sagt er im Interview. Aber Yücel hat eine wichtige Veränderung bei Erdoğan festgestellt: Er beruft sich nicht mehr auf die angeblichen Mehrheiten hinter ihm. „2013 hat Erdoğan immer wieder damit gedroht: Ich kann meine 25 Prozent kaum in Schach halten. Das war die Bürgerkriegsdrohung. Heute in diesem Protest hat Erdoğan nichts dergleichen gesagt.“
Yücels These: Erdoğan weiß, dass sein Rückhalt schwindet. Und das vor allem bei den jungen Leuten, wie man auf den Bildern von den aktuellen Protesten sieht.
Berlin ist ein Zielort für viele Türken
„Die Türkei leidet in den letzten Jahren unter einer extremen Abwanderung von jungen, qualifizierten Leuten, die Fremdsprachen können, die im Ausland vernetzt sind, die im Ausland studiert haben und die sagen: Vielleicht wird es ja eines Tages alles gut, aber ich habe nur ein Leben. Darauf kann ich nicht warten, bis alles wieder gut wird. Die gehen nicht nur nach Deutschland, die gehen auch nach Kanada, nach Frankreich, in die Schweiz, aber auch nach Deutschland in den letzten Jahren. Und vor allem Berlin ist dann so ein Zielort.“

Welt-Journalist Deniz Yücel im Gespräch mit Ralf Schuler
Interessant: In der Türkei sind die Haftbedingungen zum Teil besser als in Deutschland, sagt Yücel, der im Nachgang seiner Haft auch deutsche Gefängnisse besucht hat. Welche Gefahren er für die Meinungsfreiheit in Deutschland sieht und was ihn dabei an Erdogan erinnert, erzählt er ebenfalls im Gespräch.
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Ralf Schuler
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