Welt-Journalist Matthias Heine über Gender-Sprache: Endlich dürfen sich auch die Privilegierten diskriminiert fühlen
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- Matthias Heine hat über die deutsche Sprache zwölf Bücher geschrieben.
- Der studierte Linguist ist weit davon entfernt, den aktuellen Wandel der deutschen Sprache als „sinnvoll“ zu bezeichnen.
- Vielmehr sieht er Sprache immer mehr als Instrument, um bestimmte Ansichten und Weltanschauungen in die Gesellschaft hineinzutragen.
Wortschöpfungen wie Elektrokleinstfahrzeugführender bezeichnet Heine sogar als „absurd“. Im Gespräch mit Ralf Schuler fragt sich der Welt-Journalist, warum nun auch noch das Wort „Geflüchtete“ besonders im Trend sei. Schließlich war das Wort „Flüchtlinge“ für „unsere Großeltern und Urgroßeltern noch gut genug – auch für DDR-Flüchtlinge bis 1990“. Es ist Heine ein Rätsel, warum es nun problematisiert wird.
Hier sehen Sie das ganze Interview:
Deutsche Sprache angeblich nicht gerecht genug
„Wer treibt denn das vermeintliche faire Sprechen und Gendern voran?“ Der Experte sieht da seit einigen Jahrzehnten Gruppen unterschiedlichster Art am Werk. Sie alle eine das Gefühl, dass die deutsche Sprache und die deutsche Rechtschreibung und die deutsche Grammatik optimiert werden müssen, weil sie nicht inklusiv und gerecht genug seien. Mit seinem Buch „Der große Sprachumbau“ (LMV, 24 Euro) klärt Heine über genau dieses Modernisierungsbedürfnis der Gruppen auf – und benennt die Risiken und Nebenwirkungen.

Heine im Gespräch mit Ralf Schuler
Die Rechtschreibreform war die Ursünde
Tatsächlich gab es solche Bestrebungen schon in der Vergangenheit – so wollte man seit den 70er-Jahren eine Rechtschreibreform durchsetzen, für mehr Inklusion. „Und dann in den Neunzigern hat es ja geklappt: Grob vereinfacht gesagt: Die deutsche Rechtschreibung muss einfacher werden, damit auch Arbeiterkinder besseren Zugang zur Bildung haben. Und diese Rechtschreibreform war eben meiner Meinung nach die Ursünde.“ Und es war ein Beleg dafür, dass Experten „an der deutschen Sprache herumbasteln“ können – ohne Grenzen, wenn Politiker nicht so viel Ahnung haben.

Matthias Heine studierte Germanistik in Braunschweig, arbeitete anschließend in zahlreichen Redaktionen: taz, BZ, Braunschweiger Zeitung, Die Welt, NDR und die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung
Endlich dürfen sich auch die Privilegierten diskriminiert fühlen
Bei „Schuler! Fragen, was ist“ hat Heine für das Gendern eine weitere plausible Theorie: „Ich glaube, das Gendern ist nicht zuletzt deswegen bis in konservative und feministische Frauenkreise erfolgreich, weil sich damit auch die Chefarzt-Gattin mit mehrfachem Immobilienbesitz, die eigentlich zur privilegierten Kaste in Deutschland gehört, diskriminiert fühlen kann. Dann kann die auch mal sagen: ‚Da bin ich jetzt auch mal diskriminiert‘ – eine Person, die sonst an jeder Stelle privilegiert ist. Und ich glaube, dass das Gendern nach meiner Erfahrung auch gerade von eher privilegierten Personen am häufigsten eingefordert wird“, sagt Heine.

„Der große Sprachumbau“ erscheint im Langen Müller Verlag
Das ganze Interview mit Matthias Heine können Sie hier ansehen.
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Ralf Schuler
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