Der DFB beerdigt für 100 Millionen Euro ein Stück Deutschland
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Es gibt wohl kaum einen Namen, der so sehr ein Stück deutsche Wirtschaftsgeschichte ist wie dieser: Adidas. Das sind die ersten Schraubstollen an den Fußballschuhen, mit denen am verregneten 4. Juli 1954 unsere Fußballjungs zu den Helden von Bern wurden. Deutschland! Fußball-Weltmeister!
Das sind Kapitän Fritz Walter, Siegtorschütze Helmut Rahn und Bundestrainer Sepp Herberger, von der Menge im Berner Wankdorf-Stadion auf Schultern getragen. Zeugwart der Nationalelf beim Wunder von Bern: Das Schuh-Genie Adi Dassler (Jahrgang 1900). Er schraubte uns zum Titel.
Der WM-Sieg ist ein Symbol für ein Land, das aus den Trümmern kam. Noch heute produziert die Radio-Reportage von Herbert Zimmermann Gänsehaut: „Rahn müsste schießen. Rahn schießt. Tooor, Tooor, Tooor. Deutschland ist Weltmeister.“

Helden von Bern: Kapitän Fritz Walter (r.) und Helmut Rahn (Hintergrund)
Adidas ist die Geburtsstunde von Helden
Dies alles ist deutsche Geschichte – ab sofort mit einem bitteren Beigeschmack. Mehr noch: Aus dem deutschen Glück wird eine deutsche Tragödie, so empfinde ich das jedenfalls. Aus Segeltuch und Gummi von amerikanischen Treibstofftanks hatte Adi Dassler die ersten Nachkriegssportschuhe gefertigt. Ab 1948 nannte er sie Adidas, eine Kombination aus seinem Vor- und Zunamen.
Die Marke mit den Streifen wurde zum Sinnbild deutscher Wertarbeit und deutscher Erfolgsgeschichte. Sie wurden im bayrischen Herzogenaurach produziert. Zuerst mit seinem Bruder Rudolf Dassler, der nach einem Streit mit der Marke „Puma“ seine eigenen Wege ging.

1974: Die deutschen Weltmeister um Trainer Helmut Schön
Mit Adidas wurde Deutschland viermal Fußball-Weltmeister. Adidas ist die Geburtsstunde von Helden wie Beckenbauer, Andi Brehme, Bastian Schweinsteiger – unsere großen Fußball-Weltmeister. Diese Namen standen für das Glück von Millionen Fans. Aufgebaut auf Trümmern, verhasst, verachtet, dann beneidet und bewundert.
Und all diese Gefühle trugen einen Namen – Adidas.
Aus der Schuhschmiede mit den handgeschraubten Stollen wurde eine Weltmarke – wie Deutschland eben auch. Jetzt also wird die Erfolgsmarke ausgemustert, weil die US-Firma Nike 100 Millionen Euro im Jahr zahlt. Adidas soll 50 Millionen überwiesen haben, berichtet das Handelsblatt.

1990, das Finale von Rom: Die späteren Weltmeister bei der Nationalhymne
Bayerns Ministerpräsident fand die richtigen Worte: „Die Erfolgsgeschichte begann 1954 mit dem unvergessenen WM-Sieg, der unserem Land wieder Selbstbewusstsein gegeben hat. Deshalb ist es falsch, schade und auch unverständlich, dass diese Geschichte jetzt enden soll. Deutscher Fußball ist Heimat pur und kein Spielball internationaler Konzernkämpfe. Kommerz ist nicht alles.“
Wie Recht Söder hat, empfinde ich. Aber ich gehe weiter: In unserem Land fliegen die Milliarden nur so hin und her, wenn es um fragwürdige Sozialleistungen wie Radwege für Peru und Ähnliches geht. Jetzt wird für 100 Millionen ein Stück Deutschland verkauft – wie schäbig!

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