Waldi Hartmann verrät: „So lief das Interview mit Rudi Völler wirklich ab!“
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Eine handvoll medialer Empörungs-Experten meinten beim Besuch von Rudi Völler bei mir in der letzten Folge der „Dritten Halbzeit“ den Untergang der Bundesrepublik heraufziehen zu sehen. Der Grund war, dass Rudi mit mir im Interview auch über deutsche Tugenden redete, über die schwarz-rot-goldene Kapitänsbinde und auch über das Mitsingen der Nationalhymne.
Dass wir in dem insgesamt 36 Minuten langen Interview darüber nur fünf Minuten plauderten, den Rest der Zeit aber auch über die derzeitigen Defizite der Nationalmannschaft in der Abwehr, die strukturellen Probleme des DFB und über die Kritiker Matthias Sammer und Philipp Lahm diskutierten, das passte halt nicht so recht in die Pöbel Attacke der selbsternannten Hüter der reinen Lehre und Vertreter der Presse- und Meinungsfreiheit.
Auch zu erfahren, dass ich in mehreren Telefonaten und SMS mit der Pressestelle des DFB sowohl Ort als auch Zeit und Dauer des Interviews besprochen hatte, wäre mit einem Anruf zum Beispiel bei mir geklärt gewesen, aber die Recherche gehört halt leider mittlerweile zum Grundübel des Journalismus. Man will sich ja seine vorgefertigte Meinung nicht kaputtmachen lassen.

20 Jahre nach dem legendären „Drei-Weißbier-Wut-Interview“ trafen Waldi und Rudi erstmals wieder vor Kameras aufeinander.
Schade ist nur, dass sich die journalistischen Aktivisten Rudi Völler als Ziel ausgesucht haben. Es ging ihnen gar nicht um das Gesagte, sondern es ging ihnen darum, wo er es sagte. Nämlich bei NIUS, bei seinem Weißbier-Spezi Waldi!
Vor 20 Jahren saßen Rudi und ich uns schon einmal in der ARD bei einem Interview gegenüber in Reykjavik nach einem 0:0 gegen Island. Rudi hatte sich vor allem Gerd Delling und Günter Netzer nach ihrer vollkommen berechtigten Kritik an der grottenschlechten Leistung der deutschen Mannschaft vorgenommen. Rudi teilte kräftig aus, und das ungefiltert. Und wie reagierten damals die mitreisenden Journalisten? Im Prinzip waren sich fast alle einig: So kann sich ein Teamchef der deutschen Nationalmannschaft in der Öffentlichkeit nicht gehen lassen! Von der BILD bis zur TAZ, von der FAZ bis zum Stern, vom Spiegel bis zur SZ herrschte dieser Tenor vor: Das wird Völler auf die Füße fallen. Dieses Interview erschien übrigens in den größten Tageszeitungen des Landes, sodass sie es alle im ganzen Wortlaut und in ganzer Länge abdruckten – mit den entsprechenden Kommentaren dazu.
Die veröffentlichte Meinung unterschied sich in den verschiedenen Blättern nur in Nuancen. Tenor war: „So nicht, Herr Völler!“ Bis dann die Chefredaktionen merkten: Die Leute im Land dachten nämlich ganz anders. Die fanden Rudi toll. Er wurde öffentlich gefeiert! Der damalige SPD-Verteidigungsminister Peter Struck stimmte sogar in einer Talkshow mit den Zuschauern das Lied „Es gibt nur einen Rudi Völler“ an. Beim Spiel vier Tage später in Dortmund begrüßten dann mehr als 70.000 Zuschauer im Westfalenstadion Rudi mit dem in den Tagen mittlerweile zum Hit gewordenen Gassenhauer. Bundeskanzler Gerd Schröder, Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber und viele, viele andere öffentliche Personen gratulierten Völler zu seinem Wutausbruch.
Und siehe da, die Berichterstattung drehte sich! Die öffentliche Meinung hatte die „veröffentlichte“ Meinung umgedreht.
Und genau dieses Jubiläum führte Rudi und uns dann vor der Kamera wieder zusammen. Eines möchte ich hier klar sagen: Dieses Gespräch hätte von meiner Seite aus keinen anderen Verlauf genommen, wenn es bei einer öffentlich-rechtlichen Anstalt oder einem privaten TV-Anbieter stattgefunden hätte. Vielleicht hätten dann die gleichen Schreiberlinge sogar etwas Nostalgisches dabei gefunden.
Egal, vielen Dank für die Werbung! Es hätte mir nicht besser einfallen können.
Ihr Waldi Hartmann
Die ganze Folge Waldis Dritte Halbzeit:
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Waldi Hartmann
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