Warum sagt der Vater von Boxer Imane Khelif die Unwahrheit über die Geburtsurkunde?
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Er spricht die Unwahrheit in die laufende Kamera und die ganze Welt fragt sich: WARUM?
Es ist ein Skandal, der Gemüter weltweit erhitzt. Bei den Olympischen Spielen in Paris tritt der Algerier Imane Khelif beim Boxen der Frauen an, obwohl er laut Weltboxverband IBA XY-Chromosomen hat und damit ein Mann ist. In seinem ersten Kampf prügelte Imane Khelif die Italienerin Angela Carini nach 46 Sekunden in die Aufgabe, gewann auch den ungleichen Kampf gegen eine Rivalin aus Ungarn – und steht damit nun im Halbfinale und hat eine olympische Medaille sicher.

Die italienische Boxerin Carini weint nach dem Kampf.
„Dieses Dokument lügt nicht“. Oder doch?
Doch vor dem Halbfinale am kommenden Dienstag gegen eine Boxerin aus Thailand gibt es international eine Debatte um die Geburtsurkunde von Imane Khelif, bezwiehungsweise um ihr Stamm- oder Familienbuch.
Khelifs Vater hatte dieses Dokument in die Kamera von TV-Reportern gehalten und wörtlich gesagt: „Dies ist unser offizielles Familiendokument. Zweiter Mai 1999, weiblich. Dieses Dokument lügt nicht. Es wurde im Jahr 1999 registriert. Die Menschen, die lügen und eine Kampagne gegen Imane führen, sind die Feinde Gottes. Dieses Dokument wurde 1999 geschrieben, als sie geboren wurde.“ Der Vater von Imane Khelif sagt also eindeutig und ausdrücklich, dass es sich um ein 1999 ausgestelltes Originaldokument handelt: „Es wurde 1999 geschrieben, als sie geboren wurde.“

Die Geburtsurkunde des Boxers.

Der Vater zeigte einem Videoteam von The Indian Express das Dokument.
Doch das ist erkennbar unwahr!
NIUS hat dieses Dokument von Imane Khelif, das der Vater selbst als 1999 ausgestelltes „Familiendokument“ beschreibt, ausgewertet.
Tatsächlich steht dort das Geburtsjahr 1999, wobei der Geburtstag in arabischer Handschrift nicht genau zu entziffern ist. ABER, und das könnte die Sportwelt erschüttern: Offenbar wurde die Geburtsurkunde eben NICHT im Jahr 1999 ausgestellt, wie der Vater im Video ausdrücklich behauptet, sondern erst viele Jahre später. In der Rubrik „Ausstellungsdatum“ steht: „2018/04/01“, also rund 19 Jahre nach der Geburt von Imane Khelif. Auch ein Stempel ist auf dem Dokument zu sehen. Auch dort im roten Stempel ist klar das Jahr 2018 erkennbar, wenn auch spiegelverkehrt.

Das Jahr 2018 ist eindeutig zu erkennen.
Das Dokument, das der Vater in die Kamera zeigt, belegt: Offenbar wurde Imane Khelif erst im Jahr 2018 amtlich zur Frau erklärt – pünktlich zum Beginn der Box-Karriere, in der Khelif nun gegen deutlich unterlegene Frauen bei Olympia antritt. In Algerien ist es – wie in nahezu allen Ländern der Welt – möglich, sich mit einem offiziellen Geburtszertifikat einen Pass ausstellen zu lassen. Mit der Geburtsurkunde von 2018 hätte sich Imane Khelif also einen Pass als Frau ausstellen lassen können. Eben jener Pass, der laut IOC nun die Grundlage für die Einstufung als „Frau“ bei den Spielen ist.
Die Frage, die Olympia nun beschäftigt, lautet also: Wieso zeigt der Vater ein Dokument und behauptet etwas, das eindeutig unwahr ist? Was wird da vertuscht und verschleiert?
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