88-jähriger Opa Werner: Wie ein Berliner Senior zum Internetstar wurde
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Er ist 88 Jahre alt und aktuell einer der angesagtesten Influencer in Deutschland: Opa Werner. Seit einigen Monaten geht der Senior im Netz durch die Decke. In Werners Instagram-Profil steht: „Ich teste jeden Matsche Latsche in Deutschland, bis mir einer schmeckt.“
Mit kernigen Sprüchen beurteilt der Content-Greis das Grüntee-Getränk der Großstadt-Hipster, das er als Plörre und grünen Atommüll bezeichnet: Matcha Latte. Sein Fazit: „Schmeckt wie Lebensmittelvergiftung.“
Opa Werner hat’s drauf
Seine rund 41.000 TikTok-Follower und fast 75.000 Instagram-Fans lieben den Kult-Rentner. Die Times nennt ihn „Deutschlands heißesten Influencer“. Granfluencer werden Menschen wie Werner genannt. Übersetzt heißt das so viel wie: Omas und Opas mit Einfluss. Und den hat er wirklich: Werner macht Alt-Sein wieder cool.
Der Hype um die Haftcreme-Helden geht gerade erst los: Seit dem Frühjahr sorgen Werner und seine Berliner Rentner-WG auf Instagram für Begeisterung: Mal machen die Oldies ein Trinkgelage, mal Gymnastik, dann wieder testet der 88-Jährige ChatGPT:
Einsame Senioren? Gibt’s hier nicht. In der WG werden Streiche gespielt („Pranks“), angesagte Lebensmittel getestet oder Klamotten für den Berliner Club Berghain probiert:
Matsche Latsche war der Durchbruch
Im Sommer dann der Durchbruch: Ein Matsche-Latsche-Video wird mehr als 25 Millionen mal geklickt und von Stars wie Cathy Hummels geteilt. Opa Werner wird zum Meme und findet auch in den traditionellen Medien wie dem Spiegel Beachtung.
Der Viral-Opa versöhnt die Alten mit der Gen Z. In einem Land, in dem Rentner Flaschen sammeln oder wie Dieter Bohlen verspottet werden, sammelt Werner Follower und Werbedeals. Der Altfluencer, geboren 1937, bietet mehr als Unterhaltung: Seine Videos sind eine Botschaft an alle, die gerne auf Boomer und ihre Vorgänger eindreschen: Man kann auch im hohen Alter noch lässig sein.
Old, aber Gold
Der Ruhm des Social-Media-Seniors schwappt vom Internet ins echte Leben: Die Discounter-Kette Lidl hat den Opa als Markenbotschafter für sein hauseigenes Matcha-Latte-Pulver entdeckt. Damit beweist der Discounter: Erfolg hat, wer sofort auf Netz-Phänomene reagiert.
Früher ging es darum, wie gut eine Werbung war. Heute geht es auch darum, wie schnell sie ist. Und das muss noch nicht mal teuer sein: Selbst faltige Markengesichter wie das des Trend-Rentners sind Gold wert, wenn Millionen Menschen hinsehen. Und das für kleines Geld: Werners Filmchen, bei denen er von einem Kölner Social-Media-Profi unterstützt wird, kosten wenig – verglichen mit Star-besetzten Hochglanz-Clips.
Opa Werner spricht die Sprache der Jugend, nennt junge Frauen Chayas und Sportmuffel Lappen – und all das mit der Warmherzigkeit eines Mannes, der schon zu viel erlebt hat, um zynisch zu sein. Werner ist echt und nahbar, und genau das macht den Social-Silberrücken mit der Berliner Schnauze so beliebt.
Lederkluft und Glücksgefühle
Neuerdings zeigt sich der Witwer auch beim Glücksgefühle-Festival oder mit Lederkluft in einer Unterführung. Der Text dazu: Wenn Du mit fast 90 Jahren merkst, dass Raven kein Alter kennt.
Sein Vorbild, so sagt Opa Werner bei RTL, sei Dieter Hallervorden. Der ist 90, glücklich verheiratet und dick im Geschäft. Und: Er hat alle Cancel-Versuche überlebt.
Darauf einen Matcha Latte? Nicht doch: In einem Video stellt Opa Werner angesichts des grünen Gebräus nüchtern fest: „Da trink’ ich lieber’n Bier!“ Prost!
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Melanie Grün
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