Filmkritik: Das fliegende Klassenzimmer Version 4.0
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- Kästners „Das fliegende Klassenzimmer“ bekommt eine vierte Verfilmung.
- Sie ist nicht ärgerlich. Nur langweilig.
- Und weckt Sehnsucht nach den drei Versionen davor.
Erich Kästners Roman „Das fliegende Klassenzimmer“ hat ein ganz besonderes Alleinstellungsmerkmal: Er wird – fast auf den Punkt – alle 20 Jahre neu verfilmt. Das erste Mal: 1954 in seiner wohl akkuratesten Adaption, bei der Kästner selbst am Drehbuch mitschrieb und auch im Film als Erzähler auftauchte. Darauf folgte 1973 die – dank unzähliger Wiederholungen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen – wohl bekannteste Version mit dem späteren Moderator Joachim „Blacky“ Fuchsberger in der Hauptrolle, die, im Gegensatz zum Roman, nun im Sommer spielte und den Zeitgeist und Hippie-Look der Schüler visuell transportierte. 2003 kam dann eine eher vergessenswerte Version in die Kinos, die die Handlung wieder in den Winter und nach Leipzig versetzte – und das Thema Mobbing in den Vordergrund stellte.

Die Jungdarsteller von heute.
Und nun kommt „Das fliegende Klassenzimmer“ Version 4.0
Inzwischen sind wieder zwei Dekaden vergangen und aus Gründen der Pünktlichkeit fliegt wieder einmal ein Unterrichtsraum durch unsere Kinos. Natürlich in passender zeitgenössischer Aufmachung. Die vierte Version des fliegenden Klassenzimmers stammt von der schwedischen Regisseurin Carolina Hellsgård und startete am 12. Oktober 2023 in den deutschen Kinos.
Was sofort auffällt, ist die Frauenquote in der Schülerschaft: Viele der Schüler und mindestens ein Mitglied des Lehrkörpers haben inzwischen das Geschlecht gewechselt: Martin Thaler heißt nun Martina, Johnny Trotz wird zu „Jo“ und Rudi Kreuzkamm verwandelt sich in Ruda und ihr Vater, der Deutschlehrer, zur Schulleiterin.

Tom Schilling spielt den Lehrer Justus Bökh.
Das stört interessanterweise so gut wie gar nicht, genauso wenig, wie der neue Migrationshintergrund einiger Schüler, ohne den offenbar nichts mehr geht.
Es handelt sich also um Änderungen, die höchstens Kenner der Originalvorlage und ältere Semester irritieren könnten – und für die ist der Film ja sowieso nicht gemacht worden.

Hannah Herzsprung als jetzt weibliche Schuldirektorin Kreuzkamm.
Und was taugt der Film?
Bei dieser Frage wird es schon etwas schwieriger. Auffällig ist, dass einige der jungen Darsteller sehr damit beschäftigt zu sein scheinen, ihre Dialoge fehlerfrei aufzusagen, was ihrem Schauspiel durchaus abträglich ist. Dies mag viele Gründe haben: heutzutage wird schneller gedreht, weniger geprobt – und vielleicht ist es auch einfach die Beschäftigung mit Handys und TikTok, die das begünstigt. Dass es aber auch anders geht, zeigt Leni Deschner als Protagonistin Martina mit einer natürlich-wunderbaren Performance – aber vielleicht haben die Eltern ihr Handy für die Länge der Dreharbeiten auch konfisziert.

Noch schwarz-weiß: Die Erstverfilmung aus dem Jahr 1954.
Besser sieht es bei den Erwachsenen aus: Tom Schilling spielt den Lehrer Justus Bökh intelligent, subtil und gefühlvoll, während Trystan Pütter seinem Schulfreund, dem nikotinabhängen „Nichtraucher“, genau das richtige Maß an knurrigem Humor mit auf den Weg gibt. Einzig Hannah Herzsprung als inzwischen weibliche Schuldirektorin Kreuzkamm fällt unangenehm schräg auf. Das mag aber auch daran liegen, dass man die nun wirklich nicht unattraktive Darstellerin durch Kostüm und Make-up erfolgreich in eine „Schreckschraube“ verwandelt hat – und offensichtlich bat, auch so zu spielen.
Geflogen wird nicht
Dass man in Zeiten von Greta keine Kinderfilme mehr machen darf, in denen die ganze Klasse zum Abschluss nach Mombasa fliegt, ist keine große Überraschung. Aber, um fair zu sein, war das auch nur in der Version von 1973 der Fall.
Auch das von den Schülern aufgeführte Theaterstück, das Buch und Film seinen Namen gibt, macht das Flugzeug zum Raumschiff und als dieses garantiert CO2-neutral. Dies kompensieren allerdings wunderschöne Bilder der Südtiroler Landschaft und der malerischen Altstadt von Kirchberg, dem fiktiven Handlungsort.

Trystan Pütter spielt den nikotinabhängen „Nichtraucher“.
Kästners Geschichte funktioniert zwar noch immer, ist aber im Laufe der vier Verfilmungen – zumindest für ältere Semester – immer etwas befremdlicher geworden. Hier wird geskatet; statt um zerrissene Schulhefte geht es nun um gelöschte Handyaufnahmen und „Denglisch“, also Deutsch gepaart mit Englisch, ist Standard.
Muss man nicht mögen, ist auch nicht schlimm. Ist nur langweilig.
Jede Generation bekommt die Version vom „Fliegenden Klassenzimmer“, die sie verdient. Ob sie sich diese ansieht, bleibt ihr zum Glück selbst überlassen.
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Karsten Kastelan
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