Netflix-Weihnachtshit „Champagne Problems“: Der Deutsche als Spaßbremse
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Es ist DER Netflix-Hit in diesem Winter. 20,5 Millionen Menschen sahen die Weihnachtsromanze „Champagne Problems“ innerhalb von nur fünf Tagen. In 51 Ländern stand der Film auf Platz 1 der Netflix Charts, aktuell ist er immer noch in den Top Ten. Alle lieben die Schnee-Schnulze.
Die Handlung ist schnell erzählt: Die amerikanische Managerin Sydney Price (gespielt von Minka Kelly) wird nach Paris geschickt und verliebt sich dort in den Erben einer Champagnerdynastie, Henri (gespielt von Tom Wozniczka).
„Emily in Paris“ mit Kinderwunsch
Überarbeitete Amerikanerin in der Stadt der Liebe: Was klingt wie „Emily in Paris mit Kinderwunsch“, ist in Wirklichkeit eine wunderschöne Kaminfeuer-Romanze ohne woke Belehrungen. Kritiker weltweit sind sich einig: „Champagne Problems“ (heißt wie ein Taylor-Swift-Song aus dem Jahr 2020) ist genau der Film, den die krisengeschüttelte Welt gerade braucht. Schöne Menschen, eine schöne Umgebung, Schampus – ein Prickelgarant ohne Katerstimmung.
Zusammen mit drei Mitbewerbern, die die Champagner-Firma übernehmen wollen, verbringt Sydney ein Wochenende auf dem Familienschloss des Reben-Adels in der Nähe von Paris. Mit dabei: Ein schwuler Milliardär, eine ehrgeizige Mittfünfzigerin – und ein trotteliger Deutscher namens Otto Moller. Der wird gespielt vom Content Creator Flula Borg, einem Erlanger, der mittlerweile in den USA lebt.

Die amerikanische Managerin Sydney Price (gespielt von Minka Kelly)
Sind wir wirklich solche Spaßbremsen?
Und diese Figur stößt den deutschen Fans dann doch sauer auf: Der große, blonde Deutsche ist DIE Witzfigur im Film. Er sitzt die meiste Zeit steif in dicken Rollkragenpullovern herum und prahlt mit deutscher Effizienz, Genauigkeit und Präzision. Otto warnt vor Alkoholkonsum („My body is my temple“) und ist der Spaßkiller schlechthin.
Befragt, was ein typisches Weihnachten für ihn als Deutschen ausmache, antwortet Otto: „Wir bedecken uns immer mit Asche und kriechen durch die Untiefen, essen Marzipan und Knackwurst, während wir uns vorm Krampus verstecken. Ich liebe Weihnachten: Es ist die einzige Zeit, in der ich vor einem toten Baum sitzen und Süßigkeiten aus meinem Schuh essen kann, ohne dafür verurteilt zu werden.“
Lustig? Ja. Aber auch bitter. Otto erkennt keinen Champagner, weil er sich die Geschmacksnerven beim Eisstockschießen ruiniert hat. Er findet, Fotos auf dem Smartphone verschwenden Speicherplatz, macht Frühsport im Neoprenanzug, er nervt alle mit deutschen Kalauern („Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei“) und trägt Adidas. Er hat keine Freunde, schmückt den Weihnachtsbaum nach dem Motto „Elend“ und zitiert aus seinem Lieblingsfilm „Stirb Langsam“.

Man erkennt den Deutschen an der Funktionsjacke.
Der Deutsche im Film: eine Witzfigur
Mehr Klischee geht nicht. Es ist bezeichnend, dass der beliebteste Wohlfühlfilm des Winters als Witzfigur einen Deutschen bietet. Lange wurden Deutsche in Hollywood vor allem für die Rolle als Nazi-Bösewicht gecastet. Heute gelten wir vor allem als ängstliche, übervorsichtige Mahner und Warner. Wir sind spießig, pedantisch und ernst, während alle anderen charmant und positiv durchs Leben tänzeln. Wir haben Sorgen, die anderen haben Champagner Probleme. Sie keltern die Trauben, wir sind die Erbsenzähler.
Unser Bild in der Welt hat gelitten, wie ein Champagner, der falsch gelagert wurde. Wieso ist das so? Ein Blick auf unsere Politik genügt: Kein Glamour, kein Charme, keine Kreativität, dafür aber ständig ein belehrender Unterton. Wen wundert’s, dass wir plötzlich alle Otto Moller sein sollen?
Die gute Nachricht zum (Jahres-) Abschluss: Auch für den Deutschen gibt’s ein Happy End. Er verliebt sich, gewinnt neue Freunde und darf auch mal lächeln. Der Netflix-Hit lohnt sich, weil er das Leben und die Liebe feiert – trotz aller Bedenken. Wir brauchen mehr Champagner Probleme!
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Melanie Grün
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