Ulrich Tukur über seinen neuen Film „Dann passiert das Leben“: „Ich mache weiter, bis ich umfalle“
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In seinem neuen Film „Dann passiert das Leben“ spielt Ulrich Tukur den Ehepartner von Anke Engelke. Es geht um ein Paar, das sich entfremdet hat – und durch ein tragisches Ereignis wieder zueinander findet. In der FAZ spricht der Schauspieler („Das Leben der Anderen“, „Bonhoeffer“) über Liebe im Alter, Träume und sein ganz persönliches Glück.
NIUS dokumentiert kluge Gedanken eines klugen Mannes.
Kann man nach vielen Jahren noch ein Liebespaar sein?
„Man kann, aber man muss daran arbeiten. Nichts ist selbstverständlich. Im Leben strebt alles der Auflösung entgegen, und man muss höllisch aufpassen, dass die Dinge nicht zerbrechen. Man darf sich nicht gehen lassen. Man muss Komplimente machen, überraschen, die Beziehung lebendig halten. Natürlich ist der Pfad irgendwann ausgetreten, und man hat sich aneinander gewöhnt. Der andere wird immer lesbarer, und irgendwann wird’s vielleicht ein wenig fad und langweilig. Es gibt lebendige Beziehungen, die bis zum bitteren Ende halten, und andere schlafen schon nach einem Jahr ein. Wir Menschen sind bequem; man wird müder, die Hormone machen sich vom Acker. Dann hockt man zusammen da und wird alt. Wie auch immer man das schafft, man muss die Kraft aufbringen, das gemeinsame Leben immer wieder neu zu gestalten. Sie müssen Energie injizieren, egal woher Sie den Stoff kriegen.“
Über das Wort „Ruhestand“
„Der Ruhestand ist für mich die Vorstufe zum Tod. Ruhestand bedeutet für mich Bewegungslosigkeit und Ende der Fahnenstange. Ich würde mir das nie zumuten wollen. Ich glaube, der Mensch lebt, solange er Träume hat und sich bewegt. Ausruhen sollte er schon hin und wieder, aber der Ruhezustand, das Rentendasein ist ein Abschluss, Finis, Ende des Films, und das ist mir zu viel von Friedhofsruhe. Als Schauspieler, Musiker oder als Schreibender kann ich tatsächlich weitermachen, bis ich umfalle. Aber da sind die Menschen eben sehr verschieden. Dem einen tut es gut, nichts mehr zu machen, dem anderen nicht. Ich jedenfalls könnte es nicht ertragen und werde es hoffentlich auch nie tun.“
Auch junge Menschen können vor ihrer Zeit alt sein
„Das Alter kommt auf leisen Sohlen, und auf einmal ist es da. Dann zwickt es hier und da, man ist schneller aus der Puste, kann nicht mehr so viel trinken, und plötzlich flattert dir der Rentenbescheid ins Haus. Ein furchtbarer Moment. Der Körper altert, aber der Geist hat seine eigene Geschwindigkeit. Beide trennen sich voneinander, und diese Diskrepanz ist manchmal schwer zu ertragen. Auch junge Menschen können vor ihrer Zeit alt sein, im Sinne von unmutig und festgefahren. Es ist wichtig, neugierig zu bleiben, sich die Welt anzuschauen, wie sie sich bewegt. Solange man Träume und vor allem Leidenschaften hat, ist man und wird man nicht alt.“
Über Menschen als virtuelle Wesen
„Ich beobachte mit Schrecken, wie sich Menschen in dieser Parallelwelt immer ähnlicher werden und rapide verblöden. Wir sind ja uralte, haptische Wesen, und unsere Phantasie entwickelt sich doch nur, wenn wir in der Lage sind, eigene Bilderwelten zu kreieren. Das läuft über die Sprache. Ich fürchte, wenn man als Kind unablässig mit fremden, elektronisch generierten Bildern zugeschüttet wird, wird sich keine wirkliche, unabhängige Persönlichkeit entwickeln können. Was das für die Gesellschaft der Zukunft und unsere Demokratie bedeutet, wage ich mir nicht vorzustellen.“
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