Deindustrialisierung? Was denn sonst! Faßnacht erklärt die wirtschaftliche Lage in Deutschland
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Bereits seit vielen Monaten warnen führende deutsche Unternehmensvertreter vor einer Deindustralisierung Deutschlands. Trotzdem wird nun versucht, die Thematisierung dieser Entwicklung zu stigmatisieren.
Wirtschaftsminister Robert Habeck sieht keinen Grund für „German Angst“. Er bezeichnet die Deindustralisierung als ein Schlagwort, „das in interessierten Kreisen zirkuliert“. Bundeskanzler Scholz bezeichnete im Februar in einem Interview mit der BILD am Sonntag die Diskussion um eine Deindustralisierung Deutschlands als reine Panikmache.

Minister Habeck (l., Grüne), Kanzler Scholz (SPD)
Sind diejenigen, die es dennoch wagen, über eine mögliche Deindustralisierung Deutschlands zu sprechen, also Wirrköpfe, die nichts von der Realität verstehen?
Ein Blick in die Statistik lohnt
Blicken wir einmal auf die Entwicklung der Industrieproduktion in Deutschland. Dabei stellen wir fest, dass die deutsche Industrieproduktion heute niedriger ist als 2015. Über die vergangenen zehn Jahre hat es de facto kein Wachstum gegeben. Wäre nicht das Baugewerbe durch die niedrigeren Zinsen gewachsen, sähe die Entwicklung noch negativer aus:

Destatis: die deutsche Industrieproduktion sinkt.
Blickt man auf die Produktion der energieintensiven Industrie, dann sieht es noch drastischer aus:

The Economist/Destatis: die Produktion der energieintensiven Industrie sinkt deutlich.
Das verarbeitende Gewerbe spielt mit 20,2 Prozent Anteil an der Bruttowertschöpfung Deutschlands eine besonders wichtige Rolle:

Destatis:
Auch für die Zukunft sagen Befragungen unter Industrieentscheidern keine gute Entwicklung voraus. Der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe in Deutschland deutet mit dem Wert 38,8 auf eine starke Schrumpfung der deutschen Industrie hin.

Einkaufsmanagerindex: Die deutsche Industrie schrumpft.
Die Deindustrialisierung in Deutschland ist Realität geworden. Das können auch bisher positiv gestimmte Stimmen nicht mehr bestreiten: Der „Top-Ökonom“ Deutschlands Marcel Fratzscher sagte noch im vergangenen Dezember, dass die Sorge vor einer Deindustralisierung Deutschlands ein Popanz und ein Schreckgespenst sei. In wirtschaftlichen Fragen war er schon häufiger als Verteidiger linker politischer Entscheidungen aufgefallen.
Nun ändert er selber seine Meinung und schreibt in der WELT: „Eine Deindustralisierung – ein Verlust von Produktion und Arbeitsplätzen in bis dato hochinnovativen und wettbewerbsfähigen deutschen Industrieunternehmen – ist somit ein reales Risiko.“
Deutsche Deindustrialisierung: Popanz oder Realität?
Während also selbst der größte Verteidiger der deutschen Wirtschaftspolitik seine Meinung ändert, versuchen Politiker linker Parteien, die Sorge vor einer Deindustralisierung Deutschlands als etwas Unsagbares zu stigmatisieren.
Dies geschieht wohl aus Sorge davor, dass die betroffenen Arbeiter und Angestellten, die aus linker Sicht die „notwendige Transformation“ ablehnen, da ihre Arbeitsplätze ihnen wichtiger schlicht sind als die ideologischen Vorstellungen aus Berlin.
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Ähnliches war schon bei der Debatte um mögliche Blackouts der Fall gewesen. Der Begriff Blackout wurde kontinuierlich mit Rechtsextremisten in Verbindung gebracht. Das Ziel war klar: man wollte möglichst verhindern, dass über mögliche Blackouts überhaupt diskutiert wird.
Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass Industrieunternehmen bereits seit längerer Zeit ihre Produktion herunterfahren müssen – immer dann, wenn gerade nicht genug Strom zur Verfügung steht. Es gibt sie also, die Verbindung zwischen beiden Themen.
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Diego Faßnacht
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