Der Chemie-Riese BASF plant den Verkauf von Produktionsanlagen für Ammoniak, Methanol und Melamin, um Kosten zu senken und seine Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Das geht aus Pressemitteilungen des Konzerns hervor, auch Tichys Einblick, Handelsblatt und Merkur berichteten über die Entscheidung.
Damit folgt BASF einer länger anhaltenden Entwicklung, die der Erkenntnis folgt, dass der Wirtschaftsstandort Deutschland immer unattraktiver wird. Eigentlich war die Badische Anolin- und Sodafabrik, wie die Firma ausgeschrieben heißt, eine Erfolgsgeschichte: 1865 in Mannheim gegründet und später mit Werk in Ludwigshafen am Rhein zum Weltkonzern aufgestiegen. Der Chemiegigant betreibt mehr als 230 Produktionsstätten in fast 100 Ländern. Er ist am deutschen DAX und verzeichnete 2023 fast 70 Milliarden Umsatz.
Produktion in Deutschland lohnt nicht mehr
Doch ausgerechnet in der deutschen Heimat soll nun die Produktion zurückgefahren werden. Der Konzern wickelt schrittweise Stellen in Deutschland ab und schließt elf Produktionsstätten. Wie es von Unternehmensseite heißt, beläuft sich der Verlust dabei auf rund eine Milliarde Euro. Stattdessen fließen zehn Milliarden Euro in das neue Megawerk im Süden von China, BASF will dort expandieren. China ist der größte Absatzmarkt für chemische Erzeugnisse – dort lässt sich zudem preiswert produzieren.

11 BASF-Anlagen am Standort Ludwigshafen sollen geschlossen werden.
Zudem erscheint der Weiterbetrieb der Produktion in Rheinland-Pfalz immer weniger lukrativ. Den Angaben des Chemiekonzerns zufolge habe man im vergangenen Jahr überall Gewinne verzeichnet, nur nicht in Deutschland. Die Gründe: überbordende Bürokratie, hohe Energiekosten, ein regulierter Markt.
Ferner klagt der Riese, dass die vorangetriebene Transformation zur Klimaneutralität der Wirtschaftlichkeit schade; die EU plant ein Verbot der sogenannten Ewigkeitschemikalien (PFAS) – auch das stellt für einen Chemiekonzern eher einen Grund dar, den Standort anzuzweifeln.

Expandiert nach China: die BASF
Deutschland bleibt „weit unter seinen Möglichkeiten“
BASF-Chef Martin Brudermüller kritisierte dabei wiederholt die Ampel-Politik. Brudermüller sagte, Deutschland bleibe „weit unter seinen Möglichkeiten“. Der Wirtschaftsstandort falle zurück. Die Bundesregierung zeige darauf nicht viel Reaktion und befördere den wirtschaftlichen Niedergang, so der Manager.
Nun wird in Deutschland zurückgefahren – und in China weitergebaut. Wie es von Unternehmensseite heißt, sei dieser Schritt Teil einer umfassenden Strategie zur Kostensenkung, die bereits im Februar 2023 eingeleitet wurde. Betroffen sind hochmoderne Anlagen für Ammoniak, Methanol und Melamin. Sie gelten als besonders energie- und ressourceneffizient und bieten daher für Unternehmen, die ihre Produktionskapazitäten erweitern möchten, attraktive Möglichkeiten. Auch deshalb hinterlässt der Verkauf bei Wirtschaftsbeobachtern einen bitteren Beigeschmack: Der Schritt wird als Ausverkauf einer vergleichsweise umweltverträglichen Produktion wahrgenommen.
Der Rückzug aus Deutschland wird von einigen als eine Art von „De-Growth“ interpretiert, was den Rückgang der Industrieaktivitäten darstellt, den einige Politiker der Grünen und SPD befürworten.
Im Chinesischem, so erzählen sich böse Zungen, gebe es für diesen Ausdruck noch keine entsprechende Vokabel …
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