Der große NIUS-Energiepreis-Check: So teuer wird dieser Winter für uns
Der große NIUS-Energie-Check: So teuer wird dieser Winter für uns
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Plötzlich und unerwartet ist er da – der Winter. Kalendarischer Winteranfang ist zwar erst im Dezember, aber bereits jetzt überraschen uns in den Morgenstunden Temperaturen um den Gefrierpunkt. Der Winter kommt und laut hundertjährigem Kalender wird er unbeständig und kalt. Nach dem Heiz-Wahnsinn vom vergangenen Jahr – mit Gasmangel-Lage und explodierenden Heizpreisen – stellt sich für viele nun die bange Frage, wie es in diesem Jahr wohl aussehen wird.
NIUS wollte deshalb wissen: Wie teuer wird der kommende Winter für uns?

Um zu verstehen, wie sich die Preise in diesem Jahr entwickeln werden, lohnt ein Blick auf die vergangenen Jahre. Vor einem Jahr mussten Haushalte mit Gasheizung und Pelletheizung für eine warme Wohnung besonders viel Geld bezahlen.
Die Verteuerungen des letzten Jahres
Für den Heizspiegel für Deutschland hat co2online.de mehr als 250.000 Abrechnungen aus dem vergangenen Jahr ausgewertet. Das sind die Ergebnisse:
Heizen mit Gas: 80 Prozent Anstieg
Ein durchschnittlicher Haushalt mit einer 70 Quadratmeter großen Wohnung in einem Mehrfamilienhaus musste nach Erhebungen des Portals co2online.de für das Heizen mit Gas durchschnittlich 1.475 Euro bezahlen. Das sind 80 Prozent mehr als im Jahr davor!

Die Energiepreisbremsen laufen am 31. Dezember 2023 aus.
Heizen mit Holzpellets: 81 Prozent Anstieg
Dass Holzpellets inzwischen keine Alternative zur Gasheizung sind, zeigen die Preisentwicklungen. Die Kosten für Holzpellets sind ähnlich durch die Decke gegangen wie Gas. Hier gab es einen Preisansteig um 81 Prozent, 1050 Euro standen bei einer Pellet-Heizung am Ende auf der Abrechnung.
2020 sah das noch anders aus. Damals zahlten Kunden mit einer Pellet-Heizung im Schnitt 555 Euro. Damals wie heute ist das Heizen mit Pellets die kostengünstigste Art des Heizens.

Kleine Hackschnitzel mit großer Wirkung. Pellets aus Holz sind aktuell die günstigste Möglichkeit um zu heizen.
Heizen mit Wärmepumpe: 50 Prozent Anstieg
Auch wenn die Wärmepumpe von der Politik gelobt wird und klar gewollt ist: Eigentlich ist diese Art des Heizens nur etwas für gut betuchte Kunden. Die Preise stiegen im vergangenen Jahr um 50 Prozent. Bedeutet: 2022 zahlten Kunden 1260 Euro.

In diesem Jahr gab es viel Aufregung um die Wärmepumpe.
Heizöl: 48 Prozent Anstieg
Ähnlich stark verteuerte sich das Heizen mit Heizöl: Hier lag der Kostensprung im Mittel bei 48 Prozent auf durchschnittlich 1400 Euro.
Fernwärme: 5 Prozent Anstieg
Erheblich günstiger kamen indessen Fernwärme-Kunden durch die Heizperiode. Hier verteuerte sich das Heizen nur um 5 Prozent auf 1015 Euro.
Fazit: Wer im vergangenen Jahr mit Fernwärme oder Holzpellets heizte, der kam im Vergleich noch „günstig“ weg. Öl- und Gasheizungen waren die teuersten Formen des Heizens.

Heizöl ist neben Gas die kostenintensivste Methode um zu heizen.
Diese Hilfen gibt es vom Staat
Die Preisbremse für Gas, Fernwärme und Strom wird seit dem 1. März 2023 berücksichtigt. Damit begrenzt der Staat die Preise für einen Teil des Energieverbrauchs. Die Preisbremse gilt rückwirkend für Januar und Februar 2023 und zunächst bis zum Jahresende 2023. Die Bundesregierung plant eine Verlängerung bis Ostern 2024.
Soforthilfe im Dezember: Gas- und Fernwärmekunden wird der Dezemberabschlag erlassen und in der nächsten Jahresrechnung gutgeschrieben.
Die Umsatzsteuer ist für Gas von 19 auf nun 7 Prozent gesenkt. Diese zeitweilige Umsatzsteuerabsenkung gilt auch für Fernwärme und Flüssiggas. Entlastungen gibt es auch für Heizungen mit Heizöl, Flüssiggas, Kohle oder Holz (Pellets). Die Bundesländer schalteten im Mai 2023 die Antragsportale frei.
Das erwartet uns in diesem Winter
In diesem Jahr sind die Kosten nicht so hoch wie im vergangenen Winter, schätzen Experten. Aber: „Die Preise werden sich trotzdem auf einem ähnlich hohen Niveau bewegen“, sagt Christian Jekat von Vattenfall.

Voraussichtlich werden in diesem Jahr die Kosten nicht so steigen wie im Vorjahr. Ausnahme ist die Fernwärme.
Bei allen Energieformen wird es voraussichtlich in diesem Winter günstiger werden. So werden im Vergleich zum vorigen Jahr zwischen 180 Euro und 270 Euro weniger anfallen.
Einzige Ausnahme bildet die Fernwärme. Hier werden die Kosten um 100 Euro im Vergleich zum Vorjahr steigen, beziehungsweise sind es bereits laut Zahlen des Heizspiegels.
Energie-Experte Christian Jekat bestätigt diesen Trend. Die Preise seien aber nicht auf dem Vorkrisen-Niveau von 2020. Er sagt: „Wir sehen, dass die Preise im Moment zurückgehen. Das liegt unter anderem an der neuen LNG-Versorgungsstruktur. Im letzten Winter musste LNG-Gas aus den Niederlanden nach Deutschland importiert werden.“

Luftaufnahme des LNG-Speicher- und Verdampfungs-Schiffes „Höegh Esperanza“ am LNG-Terminal Wilhelmshaven. Seit Januar sind hier rund 30 LNG-Ladungen angekommen.
Trotz besserer Preise: Expertin ruft zum Energie sparen auf
Da der vergangene Winter vergleichsweise recht mild war, mussten die Deutschen auch weniger heizen.
Die Energieexpertin Claudia Kemfert sieht jedoch auch in diesem Winter die Notwendigkeit, dass private Haushalte Energie einsparen. Kemfert sagte in Berlin: „Wir können gut durch den Winter kommen – es gibt aber Risiken und Anforderungen.“

Claudia Kemfert (54), Energie-Expertin der Bundesregierung ruft auch in diesem Winter zum Sparen auf.
Die Ökonomin vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung sagte weiter: „Es muss bei der Bevölkerung ankommen, dass wir ähnlich wie im letzten Jahr weiterhin Gas einsparen“, sagt sie.
Im vergangenen Jahr warb die Bundesregierung mit einer Energiesparkampagne – Kosten: 40 Millionen Euro. Der Bund der Steuerzahler kritisiert dieses Vorgehen hart. Großen Erfolg hatte die Kampagne nicht. Denn laut dem neuesten Wärmemonitor des Deutschen Institutes für Wirtschaftsforschung heizten die deutschen Haushalte im vergangenen Jahr nur fünf Prozent weniger.
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