Deutschland importiert wieder Atomstrom – und Brüssel stoppt Reiches Gaskraftwerkspläne
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Deutschlands Stromsystem gerät im Herbst erneut an seine Grenzen. Weil Sonne und Wind schwächeln, produziert das Land derzeit weniger Strom, als es verbraucht – und ist auf Importe angewiesen. Die paradoxe Folge: Nachdem alle Atomkraftwerke in Deutschland abgeschaltet und teilweise gesprengt wurden, fließt nun wieder Atomstrom aus Frankreich ins Netz.
Energie-Ökonom Manuel Frondel vom RWI Leibniz-Institut erklärt in Bild: „Die klare Ursache für das Angebotsdefizit ist die schwache Wind- und Solarstromproduktion. Deutschland ist auf die Importe dringend angewiesen.“
Deutschlands Speicher decken Bedarf für 30 Minuten
An den meisten Tagen im Oktober wurde in Deutschland weniger Strom erzeugt, als es verbraucht. Die steuerbaren Kraftwerke auf Kohle- und Gasbasis liefen nicht unter Volllast, eine Notfallreserve auf Kohlebasis springt nur im Ernstfall an. Batteriespeicher könnten, so Frondel, den Strombedarf des Landes derzeit gerade einmal für rund eine halbe Stunde decken.

Deutschland muss Atomstrom aus Frankreich kaufen – im Bild das französische Kernkraftwerk CNPE de Chinon in Indre-et-Loire, eines von vielen AKW im Nachbarland.
Brüssel stoppt Reiche
Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) wollte diese Lücke mit dem Bau neuer Gaskraftwerke schließen. Ursprünglich sollten bis zu 20 Gigawatt zusätzliche Leistung entstehen. Doch daraus wird nichts, wie der Spiegel berichtet: Die EU-Kommission hat das Vorhaben weitgehend ausgebremst. Nach Informationen aus Reiches Ministerium erlaubt Brüssel wegen „beihilferechtlicher Bedenken“ nur noch den Bau von etwa 12 bis 12,5 Gigawatt. Die geplanten Gaskraftwerke seien als Reservekraftwerke gedacht, also nicht dauerhaft ausgelastet und wirtschaftlich schwer tragbar.

Wirtschaftsministerin Katherina Reiche mit Adolf Roesch, Vorstandsvorsitzender der LEAG (rechts außen) und Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) auf dem Gelände des Braunkohlekraftwerks Schwarze Pumpe in Brandenburg
Folge: Die Abhängigkeit von Importstrom wächst weiter! „Solange keine neuen Kraftwerkskapazitäten vorhanden sind, wird man, um die Versorgungssicherheit garantieren zu können, auf die Kohlekraftwerke zurückgreifen müssen“, warnt Unions-Energieexperte Andreas Lenz in Bild.
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