Deutschland verliert Innovationskraft – kleine Länder hängen uns ab
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Wieder schlechte Wirtschafts-Nachrichten: Deutschland rutscht im internationalen Vergleich der Innovationskraft ab, wie das Handelsblatt berichtet. Im Innovationsranking des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) und der Unternehmensberatung Roland Berger fällt Deutschland zwei Plätze zurück – und aus den Top Ten. Deutschland liegt jetzt auf Platz 12 von insgesamt 35 ausgewählten Ländern.
Der Abstand zur Spitzengruppe weitet sich deutlich aus, in der sich kleinere Länder wie die Schweiz, Singapur und Dänemark befinden. Für das Innovationsranking werden insgesamt 35 Faktoren für jedes Land ausgewertet – von den Hochschulausgaben je Studierenden über Zitate in wissenschaftlichen Publikationen bis hin zu transnationalen Patentanmeldungen. Deutschland erreicht 43 von 100 möglichen Punkten, die Schweiz 71.
„Da brauchen wir mehr Dynamik“
„Unsere Wettbewerbsfähigkeit hängt im Kern von unserer Innovationsfähigkeit ab“, sagt BDI-Chef Siegfried Russwurm. „Da brauchen wir mehr Dynamik.“ Stefan Schaible, Partner von Roland Berger, sagt: „Jeder Einzelne muss anpacken, wir brauchen den richtigen Spirit, wir müssen uns mehr bewegen.“

BDI-Chef Siegfried Russwurm
Eine besondere Rolle spielen Schlüsselinnovationen wie Künstliche Intelligenz (KI), Industrie 4.0 oder Raumfahrt. In diesem sogenannten Deeptech-Bereich, also den zukunftsbasierten, patentbasierten Technologien, ist Deutschland eigentlich stark. Aber es gibt, laut der Studie, gravierende Probleme. Der Staat fördert viel zu wenig, das Geld dazu versandet in einem Wirrwarr an Förderprogrammen. Zugleich behindert die „ungünstige Situation“ bei Fachkräften die Umsetzung von Wissen in Innovation, wie es in der Studie heißt.
Investitionen in Start-ups eingebrochen
Auch fehlt das Risikokapital. Allein im vergangenen Jahr sind Investitionen in Start-ups in Deutschland um mehr als 40 Prozent eingebrochen. Deutschland hat laut einer Studie seine Fördermittel für Forschung und Entwicklung „in den vergangenen Jahren real reduziert“. So sinken die Mittel für das zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) der Bundesregierung von 632 auf 510 Millionen Euro. „Das ist das falsche Signal“, sagt Siegfried Russwurm. Nötig wäre nicht nur mehr Geld. Die staatliche Förderung sollte auch neu ausgerichtet werden. Der Staat sollte mehr Aufträge an Deeptech-Firmen vergeben.
Der Start-up-Verband fordert in seiner Innovationsagenda, dass fünf Prozent der öffentlichen Aufträge an Start-ups vergeben werden sollen. Die öffentliche Hand könne mit öffentlichen Aufträgen erheblich dazu beitragen, mehr und erfolgreichere Start-ups ins Leben zu rufen. Aber das ist einfacher gesagt als getan. „In einer Behörde wird niemand einfach bei einem Start-up bestellen, man hat nichts davon“, sagt ein Unternehmensberater. „Wenn es nicht gut geht, ist man verantwortlich. Wenn es gut geht, dankt es keiner.“
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