Faßnacht erklärt: Warum die Insolvenzwelle im größer wird
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Die Zahl der Insolvenzen ist in Deutschland sprunghaft angestiegen! Das zeigen die vorläufigen Daten des Statistischen Bundesamtes. Gegenüber dem Vorjahr waren es im Juli 24 Prozent mehr. Bereits im Monat zuvor war die Anzahl der beantragten Regelinsolvenzen gegenüber dem Vorjahr um 14 Prozent gestiegen.
Dabei muss zusätzlich noch berücksichtigt werden, dass dies zeitverzögerte Meldungen sind. Die Verfahren fließen erst nach der ersten Entscheidung des Insolvenzgerichts in die Statistik ein. Das entspricht etwa einer Verzögerung von drei Monaten. Wie die aktuelle Anzahl beantragter Insolvenzen aussieht, wissen wir gar nicht.
Beim Blick auf die endgültigen Unternehmensinsolvenzen werden für Mai 2023 19 Prozent mehr Insolvenzen als im Vorjahr gemeldet. Seit August 2022 nimmt die Zahl der Unternehmensinsolvenzen kontinuierlich zu.
Welche Faktoren führen zu mehr Unternehmensinsolvenzen?
- Wirtschaftliche Rezession
- Hohe Verschuldung
- Zinssätze und Kreditbedingungen
- Fehlende Wettbewerbsfähigkeit
- Rechtliche und regulatorische Rahmenbedingungen
- Externe Schocks
Wenn wir auf die Situation von deutschen Unternehmen blicken, dann stellen wir fest, dass fast alle dieser Punkte momentan eine Gefahr für deutsche Unternehmen darstellen. Die deutsche Wirtschaft befindet sich seit Oktober 2022 in einer Rezession. Die Zinsen sind so stark wie seit Jahrzehnten nicht mehr angestiegen. Die Banken haben die Kreditbedingungen verschärft. Die hohen Energiepreise reduzieren die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen. Die politischen Rahmenbedingungen und Sicherheit war auch schon einmal besser. Externe Schocks, wie der anhaltende Krieg Russlands in der Ukraine, wirken weiterhin.
Dies trägt natürlich jetzt schon zu einer höheren Anzahl an Insolvenzen bei. Auch konnten sich - durch die Aussetzung der Insolvenzpflicht in den Corona-Jahren - viele Unternehmen noch einmal über Wasser halten. Teilweise werden nun Insolvenzen „nachgeholt“.

Zombi-Unternehmen in Gefahr
Durch das Ende der Niedrigzinsphase werden nun die sogenannten Zombi-Unternehmen unter Druck geraten. Als Zombi-Unternehmen werden Unternehmen bezeichnet, die sich nur über Wasser halten konnten, weil das Zinsniveau so niedrig gewesen ist.
Also hoch verschuldete Unternehmen, die über den Preis konkurrieren mussten, um immer ihre Schulden bedienen zu können. Diese Unternehmen stehen vor einer schwierigen Phase, da ihr Geschäftsmodell möglicherweise bei Refinanzierungen (mit jetzt höheren Zinsen) nicht mehr tragfähig ist. Hier deutet sich bereits die nächste Marktbereinigung an.
Wir sehen also bereits jetzt einen steilen Anstieg der Insolvenzen und die Vorzeichen deuten auf noch mehr Insolvenzen hin. Die Gefahr bei dem Anstieg der Anzahl der Insolvenzen ist, dass andere Unternehmen von den Folgewirkungen betroffen sein können und ebenfalls Insolvenz anmelden müssen und damit die Situation noch einmal verschärfen. Während einer Rezession besteht das Risiko, dass Lieferanten oder Kunden eines Unternehmens in finanzielle Schwierigkeiten geraten und ihre Verpflichtungen nicht mehr erfüllen können. Wenn ein Unternehmen wichtige Lieferanten oder zahlungsschwache Kunden hat, kann dies die eigene finanzielle Stabilität gefährden. Auch der Anstieg der Insolvenzen in Verwandten Branchen kann sich auswirken. Wenn Unternehmen in einer verflochtenen Branche pleite gehen, kann dies auch Unternehmen aus anderen Branchen beeinflussen und einen Dominoeffekt auslösen.
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Diego Faßnacht
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