Faßnacht erklärt: Verschärft die China-Krise die deutsche Rezession?
Ein Beitrag von
Als im vergangenen Herbst die chinesische Regierung das Ende der COVID Maßnahmen bekannt gegeben hat, waren die Hoffnung groß. Insbesondere in Europa hoffte man auf einen wirtschaftlichen Aufschwung Chinas, von dem man ebenfalls profitieren wollte. Neun Monate später sind die Hoffnungen verflogen.
Die wirtschaftlichen Probleme Chinas werden offensichtlich und von einem Aufschwung ist wenig zu spüren.
Viele verschiedene wirtschaftliche Indikatoren zeigen die aktuelle Situation Chinas auf und verheißen für die Zukunft auch wenig Gutes und das sind nur die von der kommunistischen Partei Chinas veröffentlichten Zahlen. Insbesondere der rasante Anstieg der Jugendarbeitslosigkeit in China scheint die chinesische Führung zu verunsichern. Offiziellen Daten zu Folge stieg die Jugendarbeitslosigkeit seit Dezember 2022 von 16,7 Prozent auf 21,3 Prozent im Juni an. 2021 lag sie noch bei 13,6 Prozent.

Und die Reaktion der chinesischen Führung? Die weitere Veröffentlichung von Daten zur chinesischen Jugendarbeitslosigkeit wird eingestellt.
Das ist ein sehr schlechtes Zeichen. Warum sollte man so etwas tun, wenn man nicht noch schlechtere Werte erwartet oder bereits kennt?
Noch viel größere Probleme könnte der seit 2021 unter weltweiter Beobachtung stehender Immobiliensektor verursachen. Einer der größten Bauträger Chinas, die Country Garden Holdings Co. ist ins Wanken geraten und hat weniger als 30 Tage Zeit, um einen Ausfall seiner Anleihen zu vermeiden. Zum Jahresende hatte das Unternehmen Schulden in Höhe von 1,4 Billionen Yuan (ungefähr 176 Milliarden Euro). Allerdings trifft es nicht nur einzelne chinesische Unternehmen. Die Immobilienverkäufe sind im Juni gegenüber dem Vorjahresmonat insgesamt um 30 Prozent eingebrochen.
Der chinesische Immobilienmarkt war in den letzten Jahrzehnten der wichtigste Sektor in der Entwicklung der chinesischen Wirtschaft.
70 Prozent des chinesischen Vermögens ist in Immobilien gebunden, daher verwundert es nicht, dass die Konsumentennachfrage in China zuletzt weniger stark ausgefallen ist. China reagiert auf die wirtschaftlichen Problemen mit günstigeren Finanzierungsbedingungen. Die chinesische Zentralbank senkte den Leitzins mehrfach.
Vertrauen in chinesische Wirtschaft noch nicht zurückgekehrt
Doch bisher zeigt dies wenig Wirkung. Das zeigen vor allem zwei Entwicklungen. Die Netto-Investitionen nach China sind abgestützt. Lagen diese noch im ersten Quartal 2022 bei knapp 100 Milliarden US Dollar, die aus dem Ausland ins Land flossen, sanken diese im 2. Quartal 2023 auf 4,9 Milliarden US Dollar.

Aber auch die inländischen Investitionen sind, trotz niedrigerem Zinsniveau, regelrecht weggebrochen. Die Neukreditaufnahme in China ist im Juni dramatisch eingebrochen.

Die Neukreditaufnahme lag auf dem niedrigsten Stand seit 2009. China hat darüber hinaus deutliche Exportrückgänge zu verkraften. Gegenüber dem Vorjahr fielen die chinesischen Exporte um 14,5 Prozent. Auch die Exportpreise Chinas fallen so schnell wie seit mindestens einer Dekade nicht mehr.

Deutschland importierte im vergangenen Jahr aus China Güter in Wert von 192 Milliarden Euro. Nach China exportiert wurden hingegen nur Güter im Wert von 106,9 Milliarden Euro. Damit ist China weiterhin der wichtigste Handelspartner Deutschlands. Allerdings nur noch Platz 4 bei den Exporten. Nichtsdestotrotz dürfte eine schwache chinesische Wirtschaft noch einmal zusätzliche Schwierigkeiten für die deutsche, wirtschaftliche Situation bedeuten. Deutschland ist deutlich mehr mit China verbunden als die meisten anderen europäischen Länder.
Viele in der deutschen Wirtschaft werden hoffen, dass die Bemühungen der chinesischen Regierung, neues Wachstum zu generieren, Früchte tragen.
Lesen Sie auch: Ist Deutschland der kranke Mann Europas? Ja, sagt Wirtschaftsexperter Diego Faßnacht
Mehr NIUS:
Stahl-Boss rechnet mit Klimapolitik ab: „Wir sind Opfer eines politischen Anschlags“
Nach Auto, Stahl und Energie streichen auch Pharma-Konzerne Investitionen in Deutschland
Wirtschaftsrat-Boss: „Ohne Kettensäge taumelt Deutschland in den Abgrund – und mit Kettensäge ebenso“
Amerika baut die KI-Zukunft mit Vollgas
SPD stellt sich hinter DGB-Steuerkonzept: Gesamtmetall stellt Zusammenarbeit mit dem DGB infrage
Europa-Chef des neuen E-Autos Chery: „Wir Chinesen führen die globale Autoindustrie an“
Kettensägen-Boss Stihl: „Merz schickt uns mit Bleiweste zum Schwimmen“
Reform-Kommission: Jetzt soll die „atmende Schuldenbremse“ Deutschland vor dem Absturz retten
Mehr NIUS:
Amerika baut die KI-Zukunft mit Vollgas
SPD stellt sich hinter DGB-Steuerkonzept: Gesamtmetall stellt Zusammenarbeit mit dem DGB infrage
Europa-Chef des neuen E-Autos Chery: „Wir Chinesen führen die globale Autoindustrie an“
Kettensägen-Boss Stihl: „Merz schickt uns mit Bleiweste zum Schwimmen“
Reform-Kommission: Jetzt soll die „atmende Schuldenbremse“ Deutschland vor dem Absturz retten
Nur noch 6 Prozent optimistisch: Absturz-Wirtschaft jetzt Sorge Nummer eins, dicht gefolgt von Migration
DIHK warnt vor nächster Gefahr für die Wirtschaft: Energiedeckel gefährdet Millionen Jobs
Arla übernimmt größte deutsche Molkerei: Milram wird dänisch
Diego Faßnacht
Artikel teilen
Kommentare