Firmenboss Martin Herrenknecht: „Grüne machen die Autoindustrie geradezu mit Begeisterung kaputt“
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Sein Unternehmen ist seit rund 50 Jahren Weltmarktführer für Tunnelbohrmaschinen, er beschäftigt rund 5000 Arbeitnehmer. Im Interview mit dem Focus geht Firmenboss Martin Herrenknecht mit der Ampel-Regierung hart ins Gericht.
Herrenknecht, der früher häufig mit Regierungs-Delegationen auf Reisen ging, erzählt, er begleite die Bundesregierung grundsätzlich nicht mehr. „Es ist todsicher die schlechteste Regierung, die die Bundesrepublik je hatte.“ Bundeskanzler Olaf Scholz komme ihm vor „wie der Kapitän auf der Titanic, der mit Musik und Trara sehenden Auges auf den Eisberg zusteuert.“
Die Ampel-Regierung habe den Mythos „Made in Germany“ kaputtgemacht und in Berlin gebe es nur noch drei Themen: „Klima, Klima, Klima.“
„Die hiesige Industrie steht am Abgrund“
Für die Wirtschaft werde hingegen gar nichts mehr getan, obwohl diese mit ihren Steuern am Ende die Rechnung zahlen müsse. „Unfassbar! Es ist nicht fünf vor zwölf, sondern fünf nach. Die hiesige Industrie steht am Abgrund. Das gleiche Trauerspiel wiederholt sich in der Migrationspolitik“, kritisiert Herrenknecht im Focus-Interview.

Ein Bild aus dem Jahr 2019: Unternehmenschef Martin Herrenknecht (links) mit Vorstand Ulrich Schaffhausen und der damaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vor einer Tunnelbohrmaschine. Herrenknecht produziert und liefert weltweit überdimensionale Bohrmaschinen zum Tunnelbau.
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Im ersten Ampel-Jahr habe wenigstens Robert Habeck noch einen „einigermaßen guten Eindruck“ auf ihn gemacht. Das habe allerdings nicht lange angehalten: „Was soll eine der weltführenden Exportnationen erwarten, wenn sie jemanden ohne Wirtschaftserfahrung zum Wirtschaftsminister macht? Wärmepumpen-Chaos, Stagnation und Rezession, hohe Energiepreise und drohende Deindustrialisierung. Aber die anderen belehren wir gern.“

Von Wirtschaftsminister Habeck ist Unternehmer Herrenknecht enttäuscht.
SPD und FDP seien kaum noch erkennbar und die Grünen mehr denn je eine Glaubensgemeinschaft. „Mitten in der Ukraine-Krise schalten sie die letzten Atomkraftwerke ab. Nun liefert uns Frankreich atomar jenen Strom, den wir mit Windrädchen, asiatischen Solarpaneelen und deutscher Braunkohle halt nicht produziert kriegen.“
Absurd: Kernkraftwerke, die andernorts gebaut werden, würden „teils von der EU und damit von uns mitfinanziert.“ Herrenknecht kritisiert auch den Import von Flüssiggas auf dreckigen Diesel-Frachtern nach Deutschland, während in deutschem Boden jahrzehntelang Schiefergas abgebaut werden könnte.
Überbordende Bürokratie wird „unserem schönen Land und ganz Europa den Rest geben“
Allerdings werde auch in Brüssel keinen Deut schlauer agiert als in Berlin. „Die Grünen machen ihre Autoindustrie ja hier wie dort geradezu mit Begeisterung kaputt.“ Die Chinesen würden nun die besseren, weil billigeren E-Autos liefern. „Völlig idiotisch“, nennt Herrenknecht das.

Roboter arbeiten in der Montagehalle des chinesischen Fahrzeugherstellers „Seres Group“ in Liangjiang New Area in der südwestchinesischen Stadt Chongqing an einem E-Auto.
Auch, dass Stromtrassen zu den Offshore-Gebieten entgegen aller Ankündigungen nun doch nicht unter der Erde, sondern an Land verlegt werden, hält er für riskant. „Der Schnee im Winter wird die Masten zum Einsturz bringen. Da wird nichts billig. Vor allem aber: Die Planungsphase wird uns weitere 20 Jahre kosten.“
Überbordende Bürokratie werde „unserem schönen Land und ganz Europa den Rest geben“, wenn es so weitergehe. „Furchtbar!“, nennt Herrenknecht das.
Er berichtet, dass in seinem Betrieb insgesamt rund 20 Kollegen nur „absurden Papierkram“ abarbeiten, der gefordert wird. „Wir fahren wirklich an die Wand, stehen an der Reling und schauen noch mit leuchtenden Augen in die Zukunft, deren Klima wir für den Rest der Welt quasi im Alleingang retten wollen. Als ob das kleine Deutschland das könnte.“
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