Im Schatten von Krieg und Aufrüstung: Wird Europa wirtschaftlich komplett abgehängt?
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Über zwei Jahre tobt der Krieg in der Ukraine schon. Auf Deutschland und Europa hat er direkte und indirekte Auswirkungen – auch wirtschaftlich.
Es ist zwar nicht so, dass sich die deutsche Wirtschaftskrise alleine durch den Krieg erklären ließe – ganz im Gegenteil. Doch dürfte der Krieg in der Ukraine und die damit verbundene militärische Aufrüstung über viele Jahre hinweg das Wohlstandsniveau und das Wirtschaftswachstum beeinträchtigen.

Zwei Jahre nach Putins Überfall auf die Ukraine: große Zerstörung in Kharkiv.
Job-Wunder durch die Waffenindustrie?
Nachdem über die letzten Jahrzehnte in Europa (und insbesondere in Deutschland) wenig in den Bereich Verteidigung investiert wurde, hat der deutsche Bundeskanzler Scholz vor zwei Jahren eine „Zeitenwende“ ausgerufen. Zuletzt versprach die EU Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen einen „Jobmotor“ durch den Aufbau einer neuen europäischen Verteidigungsindustrie.

Die „Zeitenwende“-Rede: Regierungserklärung von Kanzler Olaf Scholz am 27. Februar 2022.
Es ist durchaus möglich, dass der Staat eine bestimmte Industrie durch Aufträge besonders fördert und damit Arbeitsplätze in dieser Industrie entstehen. Doch darf dies niemals isoliert betrachtet werden.
Um die Rüstungsindustrie zu finanzieren, müssen den Bürgern Steuern abgenommen werden – oder private Kapitalgeber oder die Zentralbank finanzieren die Staatsausgaben:
- Sollte die Rüstungsindustrie mit zusätzlichen Steuermitteln finanziert werden, dann dürfte dies kaum die Wirtschaft insgesamt antreiben, weil andere Unternehmen oder Konsumenten weniger Geld zur Verfügung hätten.
- Finanzieren private Kapitalgeber staatliche Ausgabenprogramme – wie beispielsweise zur Aufrüstung – dann treibt dies das allgemeine Zinsniveau. Das führt mittelfristig zu einer Verlangsamung des wirtschaftlichen Wachstums, Investitionen von Unternehmen oder der Hausbau von Privatpersonen werden teurer.
- Sollte die Aufrüstung durch die Zentralbank finanziert werden, dann wird Geld aus dem Nichts geschaffen. Über die Zeit führt dies zu einer höheren Inflation, Preise steigen und nominale Einkommen und Vermögen werden entwertet.
Die Wahrheit ist, dass der Staat nicht einfach Jobs oder Wachstum aus dem Nichts schaffen kann, ohne dass dies keine weiteren Folgen hätte.
Ineffiziente Nutzung von Ressourcen
Es kann durchaus sinnvoll für eine Gesellschaft, einen Staat, einen Staatenverbund oder gar ein Verteidigungsbündnis sein, in die eigene Verteidigung zu investieren, oftmals ist es sogar unabdingbar. Jedoch sollten die damit verbundenen Kosten verstanden werden, damit Politiker nicht einfach mit der unsachlichen Begründung des „Job-Motors“ davon kommen.
Die wirtschaftlichen Probleme entstehen vor allem über eine längere Frist. Werden Waffen und Panzer produziert und ein größeres Militär vorgehalten, dann wird dafür Kapital zur Verfügung gestellt, aus dem sich kein zusätzlicher (wirtschaftlicher) Wohlstandsnutzen ergibt. Selbiges gilt für den Einsatz von menschlichem Personal.

Kampfpanzer vom Typ Leopard 2A4 auf dem Gelände des Rheinmetall Konzerns.
Baut der Staat Straßen oder Bahntrassen und verbessert damit die Verbindung von Regionen, kann daraus über eine lange Zeit Wohlstand entstehen. Selbiges gilt auch für die Schaffung von guten Internetverbindungen oder besseren Bildungseinrichtungen.
Sind Finanzierungskosten für Unternehmen und Bürger niedriger, investieren diese mehr in neue Projekte und Unternehmungen. Beides ist positiv für die langfristige wirtschaftliche Entwicklung.
Der gebaute Panzer oder die produzierten Maschinengewehre sind in erster Linie Konsumgüter, die keine Grundlage für einen weiteren wirtschaftlichen Prozess darstellen. Nichtsdestotrotz können sie notwendig sein.
Kurzfristiger Aufschwung auf Kosten mittelfristiger Schwäche?
Es ist durchaus denkbar, dass in Folge verstärkter Rüstungsinvestitionen die Wirtschaft sich zunächst positiv entwickelt. Langfristig wird das Wohlstandsniveau allerdings niedriger sein, als ohne diese Ausgaben für die Rüstungsindustrie.
Das ist im Übrigen auch ein Grund, warum die russische Wirtschaft sich zurzeit positiv entwickelt. Das Land hat vollkommen auf Kriegswirtschaft umgestellt. Doch auch dort wird das investierte Kapital und der Arbeits- und Kriegseinsatz von Hunderttausenden Menschen keine langfristigen Nutzen schaffen (sehen wir einmal von möglichen Kriegsgewinnen ab).
Im besonderen Maße gilt dies natürlich auch für militärische Unterstützung für die Ukraine. Egal ob man diese befürwortet oder ablehnt, sollte man sich bewusst sein, dass sie das Wohlstandniveau in Deutschland und Europa reduzieren. Nicht von ungefähr forderten zuletzt Politiker von den Bürgern „den Gürtel enger zu schnallen“ und gegebenenfalls „auf Urlaub zu verzichten“.

CDU-Politiker Roderich Kiesewetter spricht von Wohlstandverlust in Deutschland. Ein Urlaub im Jahr müsse den Menschen reichen.
Aufrüstung zwingt Europa zu einer stärkeren Priorisierung der Staatsausgaben
Sollte Europa also im geplanten Stile über die kommenden Jahre stark aufrüsten und den Krieg in der Ukraine finanzieren, dürfte dies auf das Wohlstandsniveau der Menschen wirken. Sie werden ärmer sein, als sie es sonst wären.
In jedem Falle sollten die europäischen Staaten sonstige staatliche Konsumausgaben (in Deutschland beispielsweise das Bürgergeld oder die illegale Migration) reduzieren, um diesen Effekt zu minimieren. Sonst droht Europa weiter – wie bereits in den letzten 15 Jahren – wirtschaftlich zurückzufallen.
Europa wird nach außen hin stärker wirken, seine Substanz wäre allerdings schwächer.
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Diego Faßnacht
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