Immer mehr Unternehmer-Erben denken ans Verkaufen: Erleben wir das Ende des deutschen Mittelstands?
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Wenn mittelständische Unternehmer in Deutschland ihre Firmen an die nächste Generation übergeben möchten, ist es nicht mehr selbstverständlich, dass die Folgegeneration dieses Erbe auch antreten möchte, die staatlichen Hürden sind offenbar zu groß geworden.
Die Zeppelin-Universität hat im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen eine Studie zu den Einstellungen, Werten und Zukunftsplänen der gegenwärtigen Nachfolgegeneration erstellt. Dabei hat sich – im Vergleich zu vorherigen Studien – eine Sache stark geändert: Immer mehr Unternehmensnachfolger denken daran, das Unternehmen zu verkaufen!

Ein mittelständiges Familienunternehmen in Deutschland.
Im Jahr 2020 äußerten 14,4 Prozent der Unternehmensnachfolger, dass sie den Verkauf des eigenen Unternehmens als wahrscheinlich betrachteten. Seitdem hat sich dieser Anteil um über 60 Prozent auf 23,2 Prozent erhöht. Knapp 24 Prozent haben eine neutrale Haltung zu dem Thema.
Blickt man auf die Elterngeneration, stellt man fest, dass der Wunsch, die Unternehmensnachfolge innerhalb der Familie zu regeln, weiterhin sehr ausgeprägt ist, aber 45 Prozent sich auch vorstellen können, das Unternehmen an Externe zu verkaufen.
Immer mehr Unternehmen werden übergeben
Gemäß Schätzungen des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn wird in Deutschland in den Jahren 2022 bis 2026 voraussichtlich in etwa 190.000 Familienunternehmen die Nachfolgeregelung anstehen, was im Durchschnitt auf rund 38.000 Übergaben pro Jahr hinausläuft. Im Vergleich zur vorherigen Schätzung des IfM Bonn für den Zeitraum von 2018 bis 2022 zeigt sich, dass die Anzahl der Übergaben kontinuierlich zunimmt.
Diese aktuelle Entwicklung ist für die deutsche Wirtschaft als wesentlich zu bewerten.
Kein Vertrauen in die Politik
Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die aktuelle Generation von Unternehmensnachfolgern politisch interessiert ist, aber nur ein sehr geringes Vertrauen in die Problemlösungskompetenz der politischen Parteien hat. Die Probleme von Familienunternehmen sehen sie kaum oder gar nicht wahrgenommen. Nur 24,1 Prozent der Befragten vertrauen der Politik.

Vertrauensverlust: Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (B90/Die Grünen) hat Fehler beim Timing des Heizungsgesetzes eingeräumt.
Größte Herausforderung: Erbschaftssteuer
Schaut man sich die konkreten Probleme der Unternehmensnachfolger an, kann man das gewachsene Mißtrauen nachvollziehen: 75 Prozent gaben an, dass die Erbschaftssteuer eine zentrale Herausforderung für die Weiterführung des Familienunternehmens ist. Eine Entlastung bei der Erbschaftssteuer für Unternehmerfamilien wird daher als sehr dringlich betrachtet – insbesondere in Zeiten der Transformation und der daraus resultierenden, zusätzlich notwendigen Investitionen.
Neben der Erbschaftssteuer wird auch das Thema Vermögenssteuer sowie die – in den letzten Jahren verschärfte – Wegzugsbesteuerung als ein Problem benannt.
Darüber hinaus gilt die Sorge der Unternehmensnachfolger mehr der sozialen Spaltung und politischen Polarisierung im Land als dem Klimawandel.
Ausverkauf in die USA und China?
In den letzten Monaten haben sich die Meldungen über Verkäufe von sehr großen und traditionsreichen, deutschen Familienunternehmen gehäuft, wie etwa im Falle der Firma Viessmann.

Der hessische Heizungsbauer Viessmann verkaufte seine Klimasparte einschließlich der lukrativen Wärmepumpen an den US-Konkurrenten Carrier Global.
Sollte diese Entwicklung sich fortsetzen, dann droht ein großer Teil deutscher Unternehmergeschichte beendet zu werden.
Das dürfte insbesondere für Menschen in den ländlichen Räumen keine gute Nachricht sein, denn dort sind Familienunternehmen überdurchschnittlich angesiedelt. Es waren zumeist eben diese Familienunternehmen, die eine lange Zeit für viele Ausbildungsplätze und eine geringere Arbeitslosigkeit vor Ort gesorgt haben, allein aufgrund ihrer Bindung an den Standort.
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Diego Faßnacht
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