Jetzt brechen der Wirtschaft die Aufträge weg – was das für unsere Jobs bedeutet!
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Die deutsche Industrie meldet für den vergangenen Monat den stärksten Rückgang der Neuaufträge seit der Corona-Krise.
Um 11,7 Prozent sanken die Neuaufträge im Juli im Vergleich zum Vormonat. Auch im Vergleich mit dem Vorjahresmonat sanken die Neuaufträge um 10,5 Prozent. Seit der globalen Finanzkrise 2008 bis 2009 hat es – außerhalb von der Corona-Zeit – keinen so starken Rückgang der Auftragseingänge gegeben.

Allerdings: Diese Meldung kann niemanden wirklich überraschen. Bereits seit vielen Monaten warnen Wirtschaftsvertreter vor genau dieser Entwicklung und auch der HCOB Einkaufsmanagerindex, der auf Befragungen von Unternehmen basiert, meldet seit Monaten ein schwache Entwicklung. Zuletzt: „Die Anzahl der Neuaufträge sank nicht nur stärker als im Vormonat, sondern auch so markant wie seit über drei Jahren nicht mehr (womit der Produktionsrückgang bei Weitem übertroffen wurde).“
Waren die Auftragsbücher im vergangenen Jahr noch gefüllt, so leeren sich diese mittlerweile rasant. Aus diesem Grunde fragen immer mehr Arbeiter und Angestellte, was aus ihren Jobs wird, wenn der Auftragsbestand weiter zurückgeht.
Was bedeuten weniger Aufträge für unsere Jobs?
Zunächst bedeutet der Rückgang des Auftragsbestandes ganz grundsätzlich: Es ist weniger Arbeit für Mitarbeiter vorhanden. Das kann dazu führen, dass Unternehmen gezwungen sind, temporär oder dauerhaft Arbeitsplätze abzubauen. Das wiederum passiert gewöhnlich über mehrere Phasen.
Zunächst verlangsamen Unternehmen die Neueinstellung von Mitarbeitern. Wenn der Auftragsbestand rückläufig ist, sind Unternehmen weniger geneigt, neue Mitarbeiter einzustellen. Das kann insbesondere für Absolventen und Arbeitssuchende problematisch sein, die Schwierigkeiten haben, im Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.
Bevor Unternehmen Mitarbeiter entlassen – insbesondere mit der Erfahrung eines vorangegangen Fachkräftemangels – versuchen sie gewöhnlich, die zu leistende Stundenanzahl des Mitarbeiters zu reduzieren oder das Instrument der Kurzarbeit zu nutzen. Dies hat meist den tatsächlichen Vorteil, Arbeitsplätze erhalten zu können, führt jedoch zu Einkommenseinbußen bei den betroffenen Mitarbeitern.

Auch die Baubranche verzeichnet einen enormen Auftragsrückgang.
Ein anderes typisches Instrument zur Kostensenkung von Unternehmen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten, ist die Reduzierung der Ausbildungsausgaben. Sind Unternehmen mit Auftragsrückgang konfrontiert, neigen sie ganz folgerichtig dazu, ihre Ausgaben zu kürzen.
Was wiederum die Investitionen in die Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter beeinträchtigt und entsprechend langfristige Folgen auf die Qualifikationen und Beschäftigungsfähigkeit der Arbeitnehmer nach sich ziehen könnte.
Als letztes Mittel können Unternehmen ihre Arbeiter oder Angestellten natürlich auch entlassen. Dies wird zunächst einfache Arbeiter und Angestellte treffen. Bei anhaltendem Rückgang der Aufträge, könnte die Nachfrage nach spezialisierten Fachkräften, die für die Produktion bestimmter Produkte oder Dienstleistungen erforderlich sind, ebenfalls zurückgehen. Das führt häufig dazu, dass selbst hochqualifizierte Arbeitskräfte Schwierigkeiten haben, passende Stellen zu finden.
Wie sieht die aktuelle Lage am Arbeitsmarkt aus?
Im historischen Vergleich ist die Arbeitslosigkeit in Deutschland noch verhältnismäßig gering. Jedoch steigt sie in den letzten Monaten kontinuierlich an, insbesondere bei Ausländern.
Mehr NIUS dazu: Rezession lässt Arbeitslosigkeit steigen.
Auffällig dabei ist, dass es vor allem die Leiharbeiter sind, die ihre Jobs verlieren und die Kurzarbeit ansteigt. Dies sind, wie zuvor beschrieben, immer die ersten natürlichen Schritte, die Unternehmen gehen, bevor sie Mitarbeiter entlassen.
In aktuellen Daten ist ebenfalls festzustellen, dass das verarbeitende Gewerbe insgesamt in Deutschland keine neuen Jobs mehr schafft, sondern beginnt, Beschäftigung abzubauen. Freiwerdende Stellen werden in der Industrie nicht nachbesetzt.
Sollte der Abwärtstrend bei der Auftragslage anhalten, wird das unweigerlich dazu führen, dass sich Unternehmen gezwungen sehen werden, Arbeitskräfte zu entlassen. Spätestens dann wird das wirtschaftliche Problem in Deutschland auch für den allerletzten offensichtlich. Für viele wird es dann allerdings zu spät sein.
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Diego Faßnacht
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