Job-Alarm! Warum die Industrie jetzt so viele Stellen streicht
Ein Beitrag von
Die deutsche Wirtschaft wird wohl noch stärker schrumpfen als von der Bundesregierung und Wirtschafts-Forschungsinstituten bereits befürchtet. Dazu bauen jetzt sowohl der Dienstleistungssektor wie auch die Industrie Jobs ab. Die Industrie sogar so stark wie seit Jahren nicht mehr.
Der Einkaufsmanagerindex HCOB Deutschland von S&P Global für die deutsche Wirtschaft meldet einmal mehr eine rezessive Entwicklung in der deutschen Wirtschaft. Die Industrie bleibt die größte Belastung für den deutschen Wirtschaftsverlauf, aber auch mit dem Servicesektor ging es erneut bergab.
Die schlechte Wirtschaftsentwicklung wirkt sich nun zunehmend auch auf den Arbeitsmarkt aus. Laut der neuesten Veröffentlichung von S&P Global sank die Beschäftigung den zweiten Monat in Folge und nun mit beschleunigter Rate.
Weniger Aufträge, geringere Gewinne, mehr Entlassungen
Der typische Konjunkturzyklus verursacht eine Kettenwirkung zwischen Aufträgen, Gewinnen und Beschäftigung. Wenn es weniger Aufträge gibt, werden über die Zeit die Profite von Unternehmen schrumpfen. Wenn jedoch die Profite von Unternehmen schrumpfen, weil weniger Aufträge vorliegen, überprüfen Unternehmen typischerweise den Personalbestand.
Bereits in den vergangenen Monaten konnten wir feststellen, dass die Aufträge für deutsche Unternehmen zurückgegangen sind. Tatsächlich ging der Auftragsbestand im September 2023 so stark zurück wie seit über drei Jahren nicht mehr. Auch im Oktober sank der Auftragsbestand noch einmal gegenüber dem September, allerdings weniger stark als im September.
Die Industrie bleibt das größte Sorgenkind
Die geringere Auslastung aufgrund eines niedrigeren Auftragsbestandes führte im Oktober dazu, dass sich die Geschwindigkeit des Stellenabbaus beschleunigte. In der Industrie wurden so viele Jobs gestrichen wie zuletzt im Oktober 2020.
Die Industrie ist weiterhin das größte Sorgenkind der deutschen Wirtschaft. Politische Rahmenbedingungen, hohe Strompreise und nun höhere Zinsen wirken auf das verarbeitende Gewerbe. Der industriespezifische HCOB Flash Deutschland Industrie PMI kommt auf den Wert von 40,7. Werte unter 50 bedeuten, dass die Industrie schrumpft. Werte unter 45 deuten klar auf eine Rezession hin. Wenn nun der Wert von 39 auf 40 steigt, dann bedeutet das nicht, dass die Industrie sich erholt hat, sondern nur, dass die Geschwindigkeit der Schrumpfung etwas abgenommen hat.
In den letzten 15 Jahren hat man Werte auf dem jetzigen Niveau nur in der globalen Finanzkrise 2008 bis 2009 und im Covid-Jahr 2020 gesehen.

Auch für die Zukunft schaut die deutsche Industrie enorm pessimistisch auf die Entwicklung.
Gesamte deutsche Wirtschaft schrumpft
Aber auch der Index für die Gesamtwirtschaft deutet nach unten. Der HCOB Flash Deutschland Composite PMI erreicht einen Wert von 45,8. Daraus schlussfolgert der Chefökonom der Hamburg Commercial Bank Dr. Cyrus de la Rubia: „Auf der Grundlage der HCOB PMI-Indizes, die in unser BIP Nowcast-Modell einfließen, rechnen wir mit einem Rückgang des BIP um 0,4 Prozent im vierten Quartal, nach geschätzten -0,8 Prozent im Vorquartal. Sollten sich diese Prognosen bewahrheiten, würde dies zu einer Jahreswachstumsrate von -0,8 Prozent im Jahr 2023 führen.“

Die deutsche Bundesregierung geht noch von einer Schrumpfung der Wirtschaft in diesem Jahr von 0,4 Prozent aus. Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute in Deutschland erwarteten bisher einen Rückgang um 0,6 Prozent.
Tatsächlich befindet sich die deutsche Wirtschaft auf breiter Front – sektorübergreifend – im Abschwung. Das wirkt nun auch auf den Arbeitsmarkt. Die Industrie baut nun schon seit 4 Monaten Arbeitsplätze ab und auch der Dienstleistungssektor tut das seit 2 Monaten.
Der Arbeitsplatzabbau erfolgt im Konjunkturzyklus gewöhnlich zum Schluss. In dieser Phase sind wir nun angekommen. Die schlechte wirtschaftliche Entwicklung kostet nun Jobs!
Lesen Sie auch:
Unternehmensinsolvenzen steigen um 37,4 Prozent – warum das erst der Anfang sein könnte!
Mehr NIUS:
Stahl-Boss rechnet mit Klimapolitik ab: „Wir sind Opfer eines politischen Anschlags“
Nach Auto, Stahl und Energie streichen auch Pharma-Konzerne Investitionen in Deutschland
Wirtschaftsrat-Boss: „Ohne Kettensäge taumelt Deutschland in den Abgrund – und mit Kettensäge ebenso“
Amerika baut die KI-Zukunft mit Vollgas
SPD stellt sich hinter DGB-Steuerkonzept: Gesamtmetall stellt Zusammenarbeit mit dem DGB infrage
Europa-Chef des neuen E-Autos Chery: „Wir Chinesen führen die globale Autoindustrie an“
Kettensägen-Boss Stihl: „Merz schickt uns mit Bleiweste zum Schwimmen“
Reform-Kommission: Jetzt soll die „atmende Schuldenbremse“ Deutschland vor dem Absturz retten
Mehr NIUS:
Amerika baut die KI-Zukunft mit Vollgas
SPD stellt sich hinter DGB-Steuerkonzept: Gesamtmetall stellt Zusammenarbeit mit dem DGB infrage
Europa-Chef des neuen E-Autos Chery: „Wir Chinesen führen die globale Autoindustrie an“
Kettensägen-Boss Stihl: „Merz schickt uns mit Bleiweste zum Schwimmen“
Reform-Kommission: Jetzt soll die „atmende Schuldenbremse“ Deutschland vor dem Absturz retten
Nur noch 6 Prozent optimistisch: Absturz-Wirtschaft jetzt Sorge Nummer eins, dicht gefolgt von Migration
DIHK warnt vor nächster Gefahr für die Wirtschaft: Energiedeckel gefährdet Millionen Jobs
Arla übernimmt größte deutsche Molkerei: Milram wird dänisch
Diego Faßnacht
Artikel teilen
Kommentare