Playmobil-Werk in Franken muss schließen! 350 Beschäftigte betroffen, Gewerkschaft spricht von „Riesensauerei“
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Ein Stück Kindheitstraum stirbt: Der Spielwarenhersteller Playmobil schließt sein Werk im fränkischen Dietenhofen. Der Grund: steigende Kosten in Deutschland. Damit steht auch fest: Rund 350 Beschäftigte verlieren ihre Jobs, die Produktion der ikonischen Figuren wandert bis Ende Juni in andere Fabriken ab. Der Münchener Merkur und der Bayerische Rundfunk hatten zuvor über die Werkschließung berichtet.
In einer Pressemitteilung vom Dienstag erklärte die Konzernleitung, „der zunehmende Kostendruck in Deutschland“ habe zu einer umfassenden Analyse der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen geführt. Nun sei es Zeit für eine „strategische Neuausrichtung“, die dafür dienen soll, Synergien zu nutzen und die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Die Fertigung samt Anlagen soll in den kommenden Monaten verlagert werden, um die langfristige Stabilität zu sichern. Der Standort Dietenhofen bleibe jedoch für den Pflanzgefäßhersteller Lechuza erhalten. Zudem blieben die Logistikwerke in Herrieden sowie die Verwaltung (inklusive Marketing) in Zirndorf unverändert an ihren Standorten.
Die Belegschaft erfuhr von den Plänen offenbar erst am 3. Februar unmittelbar vor einer außerordentlichen Versammlung. Die Unternehmensleitung kündigte an, mit dem Betriebsrat über eine „sozialverträgliche Umsetzung“ zu verhandeln, einschließlich der Einrichtung einer Transfergesellschaft.
Gewerkschaft sieht Mitarbeiter vor vollendete Tatsachen gestellt
Scharfe Kritik kommt von der Gewerkschaft IGBCE, die den Schritt verurteilt. Gewerkschaftssekretär Maximilian Krippner aus Nürnberg warf dem Konzern vor: „Die Verantwortung für jahrelanges Missmanagement soll nun erneut auf die Beschäftigten abgewälzt werden.“ Die Schließung bedeute „nichts anderes als das Ende der Spielwarenproduktion am Standort Dietenhofen und damit das Ende der Playmobil-Produktion in Deutschland“, so Krippner weiter. Ein solcher Schritt sei im Umstrukturierungsprozess „eigentlich ausgeschlossen“ worden.
Besonders empört sei die Gewerkschaft über die Art der Kommunikation: Bei Nachfragen zur Standortperspektive habe die Geschäftsleitung „seit nunmehr einem Dreivierteljahr gemauert“. Dass die Belegschaft die Nachricht „20 Minuten vor einer Mitarbeiterversammlung“ erhalten habe, sei „eine Riesensauerei“. Damit sei „in der Zusammenarbeit mit der betrieblichen Mitbestimmung erneut ein Tiefpunkt gesetzt und damit das letzte Vertrauen verspielt“. Die IGBCE und der Betriebsrat wollen die Entscheidung „nicht ohne Widerstand zulassen“. Krippner forderte von der Horst-Brandstätter-Group „ergebnisoffene Verhandlungen zum Fortbestand der Produktion von Playmobil in Deutschland“.
Playmobil, gegründet 1974 von Horst Brandstätter in Zirndorf bei Nürnberg, gilt als einer der weltweit führenden Hersteller von Spielzeugfiguren, die vor allem Kinder im Alter von vier bis zwölf Jahren ansprechen. Das Unternehmen, Teil der Horst-Brandstätter-Group, produziert hauptsächlich in Europa mit Standorten in Deutschland, Malta und Spanien. Nach Jahren des Wachstums verzeichnete Playmobil jedoch Rückschläge: Der Umsatz der Gruppe sank von 653 Millionen Euro im Geschäftsjahr 2021/2022 auf 614 Millionen Euro im Jahr 2022/2023 – der erste Verlust in der Firmengeschichte – und weiter auf rund 490 Millionen Euro 2023/2024.
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