Riesiger Lithium-Schatz vermutet: In Sachsen-Anhalt schlummert Weißes Gold
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Dieser Schatz wartet darauf, gehoben zu werden. Tief unter der Erde, mitten in Sachsen-Anhalt, liegt nach Ansicht von Experten ein riesiges Lithium-Vorkommen, womöglich das größte in ganz Europa.
Wie die Berliner Zeitung berichtet, hat das Energieunternehmen Neptune Energy in der Altmark im August rund 43 Millionen Tonnen Lithiumcarbonat entdeckt – die chemische Form, in der Lithium gespeichert und gehandelt wird. Der Fund könnte eine Wertschöpfung von bis zu 6,4 Milliarden Euro und 1.500 neue Arbeitsplätze bringen.
Der weltweite Bedarf an Lithium steigt rasant – bis 2028 könnte sich die Nachfrage im Vergleich zu 2017 fast verzehnfachen. Die größten Lithium-Reserven liegen in Südamerika. China ist aufgrund seiner boomenden Elektronik- und Elektrofahrzeugindustrie der größte Lithium-Verbraucher der Welt. Lithium, das auch Weißes Gold genannt wird, ist ein extrem leichtes Metall, das vor allem in Batterien für Elektroautos und mobile Geräte eingesetzt wird. Lithiumsalze werden in der Medizin auch zur Milderung von Depressionen eingesetzt, an denen in Deutschland etwa vier Millionen Menschen leiden.

Bolivien betreibt unter der staatlichen Gesellschaft YLB die Gewinnung von Lithium aus dem Salar de Uyuni.
Großartiges Zukunftsprojekt für Ostdeutschland
Für Sachsen-Anhalt, ja für ganz Ostdeutschland, könnte der Lithium-Fund ein großartiges Zukunftsprojekt sein. In Leipzig produziert BMW Elektroautos, Volkswagen ist mit Standorten in Zwickau, Dresden und Chemnitz vertreten. Das Lithium aus der Altmark wäre damit ein Rohstoff vor der Haustür. Neptune Energy testet gerade, wie sich das Lithium aus dem bis zu 4.000 Metern tiefen Thermalwasser gewinnen lässt. „Bis Mitte 2026 soll die Technologie validiert sein“, sagt CEO Andreas Schreck. „Die industrielle Förderung könnte in den frühen 2030er Jahren beginnen.“
Aktuell ist Deutschland bei Lithium fast vollständig von Importen abhängig. Die EU erwartet, dass der Bedarf bis 2030 zwölfmal, bis 2050 sogar 21-mal so hoch sein wird wie heute. Nutzt Deutschland diese Chancen – oder droht das Projekt an technologischen, politischen oder bürokratischen Hürden zu scheitern?
Geologisch spricht nichts gegen eine Förderung
„Da Europa bei Lithium aktuell zu beinahe 100 Prozent importabhängig ist, ist eine Nutzung dieser Potenziale unumgänglich“, sagt der Geologe Michael Schmidt. Auch der Rohstoffexperte Jens Gutzmer hält den Fund für bemerkenswert. „Die Lithium-Gehalte in den salinaren (salzhaltigen) Gewässern der Altmark sind im Weltmaßstab hoch“, sagt der Direktor des Helmholtz-Instituts Freiberg für Ressourcentechnologie der Berliner Zeitung. Geologisch spreche nichts dagegen, die Wässer zu fördern und das Lithium zu fördern. Technologisch sei das zwar anspruchsvoll, aber machbar. Umweltbedenken teilt Gutzmer nicht. „Diese Wässer liegen tief unter den nutzbaren Grundwasserleitern, sind ohnehin nicht trinkbar.“ Er warnt davor, beim Lithium-Fund in der Altmark eine Chance zu verpassen. „Europas Abhängigkeit von Rohstoffimporten ist dramatisch hoch“, sagt der Experte. „Das heimische Potential sollte endlich systematisch genutzt werden.“
Hans-Werner Sinn: „Sie verbieten die Industrie, um das Weltklima zu retten“
Das Klügste dazu hat wohl der Ökonom Hans-Werner Sinn gesagt. Er sieht in Projekten wie dem Lithium-Fund ein Sinnbild der deutschen Widersprüche. „Die Deutschen wollen den modernen Lebensstandard wie andere Völker auch, aber sie sind nicht bereit, den bei seiner Herstellung entstehenden Umweltschaden zu akzeptieren“, sagt er. „Sie verbieten die Industrie, um das Weltklima zu retten, doch wandert die Industrie dann anderswohin und belastet die Atmosphäre von dort aus.“
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