Schicht im Schacht: So schnell stiegen die Pleiten noch nie!
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Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Unternehmensinsolvenzen um 22,1 Prozent auf 17.814 an. Die Forderungen der Gläubiger stiegen sogar um 79,7 Prozent an. Es wurden 38 Prozent mehr Großinsolvenzen als im Jahr 2022 registriert. Vieles deutet darauf hin, dass dies erst der Anfang einer längeren Insolvenzwelle ist.
Insolvenzwelle baut sich auf
In der Covid-Zeit griff die Politik zu einer außergewöhnlichen Maßnahme. Sie setzte die Insolvenzpflicht aus. Das – und die massivem staatlichen Förderungen für Bürger und Unternehmen – führten dazu, dass die Insolvenzzahl bis Mitte des Jahres 2022 stark zurückging. Auch die niedrigen Zinsen halfen den Unternehmen, Insolvenzen zu vermeiden.
Doch genau diese Maßnahmen haben ihre Kehrseiten. Deutschland erlebte die höchste Inflation seit Jahrzehnten und die Zinsen stiegen ab Mitte 2022 schnell an. Ebenso stiegen die Energiepreise im Jahre 2022 massiv. Dazu befindet sich Deutschland seit Ende 2022 in einer Wirtschaftskrise.

Dicht: Wie viele Pleiten erleben wir in den kommenden Monaten?
Wirtschaftskrise, Energiepreise und Zinsentwicklung gaben den Startschuss für den Anstieg der Insolvenzzahlen in Deutschland. Die Anzahl der Unternehmensinsolvenzen steigt in Deutschland seit August 2022 mit einer zweistelligen Wachstumsrate gegenüber dem Vorjahr. In den Daten des Statistischen Bundesamtes gibt es keinen vergleichbaren Zeitraum zu der jetzigen Entwicklung. So schnell und so lange wie zurzeit stiegen die Insolvenzen – prozentual – noch nie.
Vieles spricht für weiter steigende Insolvenzzahlen!
Die Ära niedriger Zinsen ist beendet, sodass sogenannte Zombi-Firmen, die bisher durch günstige Kredite überlebt haben, in Bedrängnis geraten. Diese hoch verschuldeten Betriebe stehen nun vor Herausforderungen. Ihr Geschäftsmodell könnte bei der Aufnahme neuer, teurerer Kredite nicht länger haltbar sein, was auf eine bevorstehende Marktbereinigung hindeutet.

Das Institut ifo sieht ein Drei-Jahres-Tief in seinem Beschäftigungsbarometer
Auch ein genauer Blick darauf, welche Unternehmen bisher pleite gegangen sind, sendet Warnsignale. Bei den Insolvenzen fallen besonders das Baugewerbe und Zeitarbeitsfirmen auf, was als schlechtes Omen für die Wirtschaft gilt, da beide Branchen als Frühindikatoren gelten.
Zeitarbeitsfirmen spüren Wirtschaftsschwankungen frühzeitig, da Unternehmen in guten Zeiten mehr, in schlechten weniger Zeitarbeiter beschäftigen. Der Anstieg ihrer Insolvenzen signalisiert also wirtschaftliche Turbulenzen. Im Baugewerbe deutet ein Rückgang auf sinkende gesamtwirtschaftliche Nachfrage hin, verschärft durch hohe Baukosten, Regulierungen, niedrigeren Eigentumsrechten und steigenden Zinsen, die die Finanzierung erschweren.

In einer Analyse der Situation in Deutschland nannte eine Allianz-Studie die Politik der Bundesregierung als Hauptfaktor für den wirtschaftlichen Absturz.
Eine Insolvenz zieht die nächste nach sich
Diese rasante Entwicklung ist für sich genommen schon eine Gefahr für weitere Insolvenzen. Die wirtschaftliche Verbindung zwischen den Unternehmen führt oftmals dazu, dass eine Firmenpleite eine weitere Firmenpleite nach sich zieht. Sowohl die Pleite von Lieferanten als auch von Kunden kann weitere Probleme verursachen.
Im Jahr 2023 war die Pleitenzahl nur noch 5 Prozent unter dem Vor-Covid-Wert des Jahres 2019 und bereits in den ersten beiden Monaten im Jahr 2024 stiegen die Regelinsolvenzen mit mehr als 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr weiter an.
Geschäftsaufgaben steigen um knapp 8 Prozent
Insolvenzen sind allerdings nur eine Form der Geschäftsaufgabe. Die Insolvenzstatistik spiegelt nur die gravierendste Form der Geschäftsaufgabe wider.
Viele Geschäftsaufgaben erfolgen jedoch schon früher. Ein vollständigeres Bild der Geschäftsaufgaben liefert die Statistik der Gewerbeanzeigen. Im letzten Jahr stieg die Anzahl der Gewerbeaufgaben um 8,3 Prozent. Auch die Aufgabe von größeren Betrieben sank um 7,9 Prozent. Die Anzahl der Fortzüge stieg hingegen um 3,8 Prozent.
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Diego Faßnacht
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