„Strom wird teurer bleiben!“ EON-Chef Birnbaum rechnet mit der Energiewende ab
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Wind und Sonne bringen sauberen Strom und schicken keine Rechnung. Die Energiewende kostet den Normalbürger nicht mehr als eine Kugel Eis im Monat. Deutschland wird Vorreiter und Vorbild für die Welt sein ...
Es gibt viele politische Erzählungen und großartig klingende Versprechen zur sogenannten „Energiewende“. Mit nur wenigen Sätzen lässt nun der Chef des größten deutschen Energieversorgers EON die Luft raus: „Strom wird teurer bleiben. Zwar kostet die Erzeugung durch Wind und Solar vergleichsweise wenig, aber die Absicherung – Stichwort Dunkelflaute – durch Speicher oder neue Gaskraftwerke und die Verbindung der vielen dezentralen Energiewende-Anlagen erhöht dennoch die Kosten der Versorgung insgesamt“, sagt Leonhard Birnbaum, Vorstandsvorsitzender von EON.

EON-Vorstandschef Leonhard Birnbaum
Die politische Erzählung ist ein Wunschtraum
Rumms! Die Botschaft des Energie-Praktikers an die Theoretiker der Macht: Die politische Erzählung ist ein Wunschtraum und das wichtigste Argument FÜR die Energiewende ist Quatsch. Strom aus Wind und Sonne sind, wenn Windmühle und Solarpanel erstmal stehen, nämlich alles anderes als kostenlos.
Solar- und Windenergie sind vor allem eines: volatil, also extrem schwankend. Das heißt, sie liefern dann Energie, wenn das Wetter es will. Und wenn das Wetter es ganz besonders will – etwa an sonnigen, windigen Sommermittagen –, liefern sie so viel Strom, dass das Stromnetz umzukippen droht. „Redispatch“ lautet der Fachbegriff, wenn die Netzbetreiber nachträglich in die Stromproduktion eingreifen müssen, Windmühlen und Solarpanels abschalten und andernorts zusätzlich Kohlekraftwerke hochfahren, damit das Stromnetz stabil bleibt.
Und das kostet Geld, jede Menge Geld: 4,2 Milliarden Euro wurden allein 2022 für den Einsatz kurzfristig hochgefahrener Kraftwerke und für Entschädigungen gedrosselter erneuerbarer Energien gezahlt – 20 Mal so viel wie noch vor zehn Jahren.
Das ist gemeint, wenn Birnbaum von der „Verbindung der vielen dezentralen Energiewende-Anlagen“ und daraus entstehender Kosten spricht.
Riesige Energielücken
Das nächste Problem der Volatilität von Wind und Sonne ist die Versorgungssicherheit: Was tun, wenn Wind und Sonne nicht wehen? Einfach wann anders Wäsche waschen, TV schauen oder das E-Auto laden? Nachdem es jedes Jahr teilweise über Tage und Wochen zu sogenannten „Dunkelflauten“ kommt – Zeiten, in denen weder Sonne noch Wind wesentlich zur Stromproduktion beitragen, – ist das keine Option. Zumal eine hochkomplexe Industrienation wie Deutschland dauerhaft Energie braucht, um Wirtschaftsbetriebe, Krankenhäuser und die Bevölkerung zu versorgen.

Wenn Wind und Sonne nicht liefern, müssen konventionelle Kraftwerke einspringen.
Das meint Birnbaum mit „Absicherung – Stichwort Dunkelflaute – durch Speicher oder neue Gaskraftwerke“.
Um diese teils riesigen Energielücken jederzeit auffüllen zu können, müssen konventionelle Kraftwerke, also Kohle und Gas, als Lückenfüller herhalten und dauerhaft in Bereitschaft bleiben. Dieses Vorhalten eines Kraftwerkparks, der Deutschland allein mit Energie versorgen könnte, ist der nächste Milliarden-Faktor, der bei den „Erneuerbare Energien sind günstig“-Erzählungen gerne weggelassen wird.
Der Plan der Ampel lautet, diese Lücke eines Tages mit Gaskraftwerken, die auch mit Wasserstoff betrieben werden können, zu stopfen. Das Riesen-Problem, das auch Birnbaun sieht: „Doch noch ist keins gebaut.“ Die nächste Milliarden-Lücke im „Energiewende“-Plan.
Energie wird politisch gewollt teurer
Das sind aber nur die dauerhaft bestehenden Kosten-Punkte, die trotz Hunderter Milliarden Euro an Subventionen für die „Energiewende“ dauerhaft anfallen. Hinzugekommen sind nun noch politisch gewollte Mehrkosten.
Zum 1. Januar 2024 knallen bei der Energie gleich vier Dinge ins Kontor: Die Mehrwertsteuer auf Gas wird von 7 zurück auf 19 Prozent erhöht, 5,5 Milliarden Euro zur Abfederung der Netzentgelte fallen weg, mit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts wurde die „Strom- und Gaspreisbremse“ verfassungswidrig und der CO2-Preis steigt von 30 auf 45 Euro pro Tonne und macht beides teurer, Gas und Strom.
Politisch gewollte Kosten, die früher oder später auf Strom- und Gasrechnungen stehen werden, wie Birnbaum versichert: „Beim Gas wirkt die Erhöhung der Mehrwertsteuer, beim Strom der Wegfall der Dämpfung der Netzentgelte der Übertragungsnetzbetreiber auf die Preise. In vielen Fällen tritt durch die Beendigung der Preisbremse ein zusätzlicher Effekt ein – damit drohen nach aktuellem Stand Strom und Gas nach den bisherigen Preissenkungen ab 2024 möglicherweise wieder teurer zu werden.“
Für die Verbraucher sei das keine schöne Botschaft, so EON-Chef Birnbaum: Das seien „politisch bedingte Aufschläge, diese werden alle Versorger an die Gas- und Stromkunden weitergeben müssen. Vielleicht nicht sofort, aber wohl in den kommenden Monaten.“
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