Wie lange bleibt Deutschland im Wachstumskeller und was sind die Folgen?
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Im Jahr 2023 hatte Deutschland das geringste Wirtschaftswachstum aller großen Wirtschaftsnationen. Tatsächlich gab es gar kein Wachstum, die deutsche Wirtschaft ist geschrumpft. Jetzt prognostiziert die OECD, dass Deutschland auch über den Zeitraum von 2024 bis 2025 beim internationalen Vergleich des Wachstums an letzter Stelle steht (wenn man das krisengeschüttelte Argentinien ausblendet).
Immerhin unterstellt die OECD Deutschland noch ein Wachstum, aber was heißt es, wenn andere Länder sich deutlich besser entwickeln als Deutschland?

Deutschland ist das Kellerkind beim Wirtschaftswachstum
Die OECD erwartet, dass die Weltwirtschaft dieses Jahr um 2,9 Prozent wächst und im kommenden Jahr um 3,0 Prozent. Das stärkste Wachstum in diesem Zeitraum soll Indien (2024: 6,2 Prozent; 2025: 6,5 Prozent) haben, das schwächste Argentinien (2024: minus 2,3 Prozent; 2025: 2,6 Prozent). Für Deutschland (2024: 0,3 Prozent; 2025: 1,1 Prozent) wird das zweitschlechteste Wachstum erwartet.
Auch der Blick auf den Zeitraum von 2023 bis 2026 zeigt, dass Deutschland einen Kellerplatz beim Wirtschaftswachstum hat.

OECD-Wachstumserwartungen für die G20-Staaten
Kein Wirtschaftswachstum bedeutet weniger Wohlstand
Finanzminister Lindner sagte kürzlich „Wir werden ärmer, weil wir kein Wachstum haben, wir fallen zurück“. Es braucht keine großartige Analyse, um diese Aussage zu bestätigen.
Länder mit geringerem Wirtschaftswachstum haben ein geringeres Wohlstandsniveau, eine höhere Arbeitslosigkeit, mehr Insolvenzen und weniger Geld für öffentliche Dienstleistungen wie Schulen oder die Gesundheitsversorgung. Darüber hinaus – und das merken die Deutschen bereits seit Jahren – bedeutet weniger Wachstum auch, dass man sich viele Dinge nicht mehr leisten kann, eben weil man – nach Abzug der Inflation – weniger verdient. Insgesamt bedeutet es, dass die Lebensqualität in Deutschland abnimmt.
In anderen Ländern auf der Welt findet eine solche Entwicklung nicht statt. Das bedeutet, dass die Menschen dort nicht ärmer werden, keine Angst vor einem Wohlstandsverlust oder Arbeitslosigkeit haben müssen. Es bedeutet aber auch, dass mehr Geld für Bildung und Forschung zur Verfügung steht. Die jetzige Wachstumsschwäche droht also auch langfristige Folgen zu haben.
Wachstumsschwäche bedroht auch das Rentensystem
Oftmals nicht bedacht wird, dass ein schwaches Wirtschaftswachstum auch dazu führt, dass das Rentensystem instabiler wird. Die sogenannten Wirtschaftsweisen haben in der Vergangenheit schon davor gewarnt, dass das Rentensystem nicht finanziert ist!
Das Rentensystem wird in Form einer Umlage der arbeitenden Bevölkerung finanziert. Wird allerdings weniger erwirtschaftet, dann gibt es auch weniger Geld, das über das Umlagesystem verteilt werden kann. Ein schwaches Wirtschaftswachstum bedeutet also auch, dass die Altersvorsorge von Millionen Menschen auf einem schwächeren Fundament steht, wenn nicht gar bedroht wird.
Deutschland befindet sich in einer tiefen strukturellen Krise
Die aktuelle Bundesregierung sieht die Schuld für die Rezession und die prognostizierte, anhaltende Wachstumsschwäche überall – nur nicht bei ihrer Politik. Sie versteht bereits den Kern des Problems nicht. Deutschland befindet sich nicht in einer schwachen Konjunkturphase – eine solche würde wohl auch die anderen wirtschaftlich verbundenen Länder erfassen –, sondern in einer tiefen strukturellen Krise.
Argumentativ angeführt wird beispielsweise ein schwacher Welthandel, mit explizitem Blick auf China. Doch die Wahrheit ist, dass die deutschen Exporte in fast die ganze Welt schrumpfen, nicht nur nach China, weil die deutsche Wirtschaft aufgrund von unter anderem hohen Energiekosten nicht mehr wettbewerbsfähig ist.
Die Entwicklungen sind Ergebnisse politischer Entscheidungen
Diese hohen Energiekosten werden dann schnell dem Krieg in der Ukraine in die Schuhe geschoben, doch auch das ist nachweislich falsch. Der wahre Grund ist die ideologische Energiepolitik.

Die ideologische „Energiewende“ wurde im vergangenen Jahr mit dem Aus für die Kernenergie fortgeführt. Im Rahmen der Energiewende war es erklärtes Ziel der Regierung, auch die letzten drei verbliebenen Atom-Kraftwerke abzuschalten – das ist am 16. April 2023 auch passiert.
Blickt man auf die aktuellen Vorhaben zur „Transformation der Wirtschaft“, dann kann man nur den Eindruck bekommen, dass nun auch noch der Turbo in die falsche Richtung eingeschaltet werden soll.
Bürgergeld und Steuer- und Sozialsystem führen darüber hinaus dazu, dass Leistung sich immer weniger lohnt und Menschen entsprechend handeln. Die Abwanderung von hoch qualifizierten Menschen bei zeitgleicher Zuwanderung von niedrig qualifizierten Menschen ist ein logisches Ergebnis dieser Rahmenbedingungen und verschlimmert diese Entwicklung noch einmal. Wenn in den kommenden Jahren dann immer mehr Leistungsträger – aufgrund des demographischen Wandels – ausscheiden, dann wird auch das Spuren hinterlassen.
All diese Entwicklungen sind zuvorderst Ergebnisse politischer Entscheidungen. Kommt dann tatsächlich noch die konjunkturelle Schwächephase und eine schwache Weltwirtschaft hinzu, dürfte dies den strukturellen, wirtschaftlichen Abwärtsstrudel noch einmal beschleunigen.
Nicht nur deshalb ist eine 180-Grad-Wende in der deutschen Wirtschaftspolitik dringend geboten.
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Diego Faßnacht
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