Wirtschaft, Produktion, Reallöhne: Warum wir schrumpfen, während fast alle wachsen
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Der Internationale Währungsfonds (IWF) stufte Deutschland als die schlechteste performende, große Volkswirtschaft im letzten Jahr ein.
Der Durchschnitt der Industrieländer soll im Jahr 2023 um 1,5 Prozent gewachsen sein, Schwellenländer und Entwicklungsländer sollen im Durchschnitt sogar auf 4 Prozent Wachstum kommen. Das Statistische Bundesamt meldete am Montag, dass die deutsche Wirtschaft im vergangenen Jahr um 0,3 Prozent geschrumpft ist.

Achillesferse der Deutschen Wirtschaft getroffen
Blicken wir im Detail auf die Entwicklung der Wirtschaft in Deutschland, dann stellen wir fest, dass die Wirtschaftsleistung im produzierenden Gewerbe (ohne Baugewerbe) um 2 Prozent schrumpfte.
Produktion und Wertschöpfung in den energieintensiven Industriezweigen wie der Chemie- und Metallindustrie sanken erneut, nachdem die Wirtschaftsleistung in diesen Branchen bereits 2022 besonders stark auf die steigenden Energiepreise reagiert hatte. Dies führte dazu, dass viel weniger Energie in Deutschland produziert werden musste. Auch das reduzierte die Wertschöpfung der deutschen Volkswirtschaft wesentlich.
Die ideologische „Energiewende“ wurde im vergangenen Jahr mit dem Aus für die Kernenergie fortgeführt, obwohl wenige Monate zuvor die Energiepreise an den Strombörsen durch die Decke gingen. Selbst in diesem Moment war die Ideologie wichtiger als mit einer planbaren, sicheren und günstigen Kernenergie den Unternehmen Planungssicherheit zu geben.

Im Rahmen der Energiewende war es erklärtes Ziel der Regierung, auch die letzten drei verbliebenen Atom-Kraftwerke abzuschalten – das ist am 16. April 2023 auch passiert.
Deutschland war in den letzten Jahrzehnten noch stärker als andere westeuropäische Länder die Heimat einer energieintensiven Industrie. Diese wurde durch die höheren Energiepreise schon seit längerem unter Druck gesetzt, die Entwicklung der letzten 48 Monate hat diese Dynamik noch einmal beschleunigt. Neue Investitionen werden vornehmlich nicht mehr in Deutschland vorgenommen.
Deutsche werden ärmer
Die wirtschaftlich schlechte Entwicklung trägt auch dazu bei, dass private Konsumausgaben zurückgehen. Die privaten Konsumausgaben waren im vergangenen Jahr – nach Berücksichtigung der Inflation – um 1,5 Prozent niedriger als im Jahre 2019. In den USA sind sie von November 2019 bis November 2023 um 10,2 Prozent gestiegen.
Der Grund dafür ist schnell gefunden: Die Deutschen verdienen weniger Geld als zuvor. Die Reallöhne, also die an die Inflation angepassten Löhne, der Deutschen waren im 3. Quartal 2023 um 5,7 Prozent niedriger als im 3. Quartal 2019. Im selben Zeitraum sind die Reallöhne in den USA um 1,4 Prozent und in Großbritannien um 4,5 Prozent gestiegen.
Wer weniger Geld zur Verfügung hat, der schränkt typischerweise auch seinen Konsum ein. Genau das haben die Deutschen im Jahr 2023 getan und vor allem auf langlebige Güter wie Einrichtungsgegenstände oder Haushaltsgeräte verzichtet (-6,2 Prozent).

Deutsche Reallohnentwicklung jeweils gegenüber dem Vorjahr
Strukturelle Gründe
Das wirtschaftliche Absinken gegenüber anderen Nationen hat vor allem national verursachte, strukturelle Gründe. Neben der „Energiewende“, spielen noch weitere Themen eine Rolle.
Seit langem führt die hohe Steuern- und Abgabenlast dazu, dass Leistung sich in Deutschland immer weniger lohnt. In Verbindung mit der massiven Steigerung der Sozialleistungshöhe in den letzten 2 1/2 Jahren (Stichwort: Bürgergeld), ist es für immer weniger Menschen eine ökonomisch rationale Entscheidung, einer klassischen Erwerbsarbeit nachzugehen.
Ist dies jedoch der Fall, dann sinkt das Angebot an Gütern und Dienstleistung in einer Volkswirtschaft. Diese knapperen Güter und Dienstleistungen treiben bei gleichbleibender Nachfrage die Preise. Höhere Preise ohne höhere Wertschöpfung führen zu realen Verlusten.
Jetzt schlagen noch die Zinsen zu
Nachdem die wirtschaftlichen Probleme der letzten Quartale auf spezifisch deutsche Entwicklungen zurückzuführen waren, kommen in den kommenden Quartalen noch die Folgewirkungen der höheren Zinsen dazu.
Die EZB hat in den letzten anderthalb Jahren die Zinsen von 0 Prozent auf 4,5 Prozent angehoben. Zinserhöhungen wirken typischerweise mit Zeitverzug auf die Realwirtschaft. Insbesondere die Bauwirtschaft kann davon ein Lied singen. Nachdem in den letzten Quartalen die Auftragsbestände aus der Zeit mit niedrigeren Zinsen abgearbeitet wurden, wirkt das höhere Zinsniveau nun voll durch. Immer mehr Baufirmen klagen über Auftragsmangel. Bereits im Jahre 2023 sanken die Bauinvestitionen real um 2,3 Prozent.
Doch auch bei der Bauwirtschaft ist die Entwicklung nicht nur auf die Zinsen zurückzuführen. Staatlich verursachte Preisanstiege und immer mehr Unsicherheit und Regulationen für die Investoren drücken ebenso die Nachfrage.
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