Julian Reichelt kritisiert Kleinmut von Industrievertretern: „Am Ende sind sie Teil des Problems“
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„Ich kann das nicht verstehen, dass die Regierung, die jetzige Regierung, die doch versprochen hat, alles zu ändern, so einfach den Löffel abgibt vor dieser Ideologie“, sagt Wolfgang Herles bei NIUS Live am Dienstagmorgen in Bezug auf den neuen Energiedeckel. Das überarbeitete Energieeffizienzgesetz (EnEfG) der Bundesregierung sieht vor, den deutschen Energieverbrauch bis 2030 um rund 15 Prozent und bis 2045 um knapp 40 Prozent zu senken.
Die Wirtschaft „muss lernen, sich zu befreien aus den Fesseln der Ideologie“
Der Chef der Deutschen Industrie- und Handelskammer, Peter Adrian, forderte kürzlich: „Nach drei Jahren Rezession und Stagnation ist die Wirtschaft ohnehin stark geschwächt. Die Bundesregierung darf der Wirtschaft nicht immer neue Steine in den Weg legen.“
NIUS-Chefredakteur Julian Reichelt versteht die Sorgen, übt dennoch Kritik: „Diese Zitate des Chefs der Deutschen Industrie- und Handelskammer sind keine Mahnung. Es ist vielleicht ein bisschen ehrenwert, dass er jetzt auch mal was sagt. Aber am Ende sind sie Teil des Problems.“ Formulierungen wie „da sind dann weitere Steine im Weg“ zeugten nur von Kleinmut. „Die Deutsche Industrie- und Handelskammer, die die deutsche Wirtschaft in Gänze vertritt, muss lernen, sich zu befreien aus den Fesseln der Ideologie – und über das Thema Kilowattstunde und billige Energie zu sprechen.“
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Reichelt fordert die Industrie auch dazu auf, sich selbst zu hinterfragen: „Wie konnte es denn zum Beispiel passieren, dass sich die deutsche Stahlindustrie der Windmühlen-Ideologie angeschlossen hat? Wie konnte es denn passieren, dass die Stahlmanager und die Gewerkschaftsführer aus der Stahlindustrie in diesem Land, die mal für Hochöfen (Duisburg, Bochum, Dortmund) gigantische Streiks und Demonstrationen veranstaltet haben, gesagt haben: Wisst ihr was, lasst uns den Hochofen doch einfach mit Windmühlen betreiben? Wie konnte das passieren? Das fordert Selbstkritik. Das fordert Ausbruch aus der Ideologie. Das fordert eine neue Sprache. Diese alte Politsprache, die wird nicht aus dieser Ideologie herausführen.“
„Wir sind auf der Stufe von Äthiopien“

Wolfgang Herles vergleicht den Weg der deutschen Industrie mit der Entwicklung von Äthiopien.
Wolfgang Herles ergänzt: „Es ist ja leider nicht nur Ideologie, sondern es ist so ein menschlicher Zentralschaden, den ich mit dem Wort ‚Konformismus‘ bezeichnen würde. Wir haben eine unglaublich untertänige Gesellschaft. Ich habe es in der Süddeutschen Zeitung gelesen – das passt genau zum Thema: Äthiopien verbot als erster Staat der Welt den Import von Autos mit Verbrennern. Aber nicht einmal jeder Äthiopier hat Zugang zu Strom. In diese Dritte-Welt-Gegend katapultieren wir gerade den ehemaligen Exportweltmeister Deutschland. Wir sind auf der Stufe von Äthiopien.“
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